„Wir suchen die Unternehmen, die zu uns passen“

Interview mit Michael Feldt, Vorstand der Adcuram Group AG

Foto: Khakimullin Aleksandr, AdobeStock

Bei der Beteiligungsgesellschaft Adcuram steht die Entwicklung der Firmen im strategischen Zentrum. Die Erfahrung und Expertise des Teams kommen vor allem bei Nachfolgeregelungen zum Tragen. INTERVIEW BÄRBEL BROCKMANN

Unternehmeredition: Die Weiter­entwicklung von Unternehmen braucht meistens Zeit. Wie viel Zeit geben Sie Ihren Beteiligungen, bevor Sie diese weiterreichen?

Michael Feldt: Wir sind grundsätzlich nicht auf den schnellen Exit aus, ­sondern längerfristig orientiert. Im Kern sind wir aktive Unternehmer – deshalb geht es uns in erster Linie darum, eine Firma unternehmerisch zu ­gestalten und weiterzuführen. Aber wir verkaufen eine Beteiligung nach ­einigen Jahren auch, wenn wir sehen, dass wir nicht mehr der beste Eigen­tümer sind. Wir halten unsere Beteiligungen in der Regel fünf bis acht Jahre lang. Diesen längerfristigen Ansatz können wir verfolgen, weil wir nur ­unser eigenes Geld investieren, also keinen Fonds haben, wo Investoren ­jedes Jahr eine Rendite erwarten. Unseren eigenen finanziellen Erfolg als Adcuram erreichen wir nicht durch einzelne Ad-hoc-Maßnahmen, sondern durch eine langfristige Entwicklung ­unserer Beteiligung. Insgesamt können wir 300 Mio. EUR investieren.

Wie hat sich die Coronakrise auf den Markt der Nachfolgeregelungen ­ausgewirkt?

Das Jahr 2020 und der Anfang von 2021 standen im Zeichen der Depriorisierung von Unternehmensnachfolge­regelungen. Da hatten die Mittelständler viel zu viel damit zu tun, ihren ­Betrieb über Wasser zu halten, sprich: ihn durch Kurzarbeit, KfW-Kredite und andere öffentliche Unterstützung finan­ziell abzusichern. Zahlreiche ordentlich geplante Unternehmensnachfolgen wurden erst einmal gestoppt. Für die Nachfolgeregelung war das ein ganz schwieriger Zeitraum.

Adcuram hat allerdings inmitten der Krise die Firma Korte erworben, ­einen Ladenbauer für Bäckereien.

Weil wir selbst Unternehmer sind, sind wir in der Lage, die jeweilige wirtschaftliche Lage eines Unternehmens sehr gut zu beurteilen. Wir können ­unterscheiden, ob ein Unternehmen strukturelle Probleme hat oder ob es durch eine Ausnahmesituation in Schwierigkeiten geraten ist. Korte ist da ein gutes Beispiel. Die Firma hatte im Zuge der Coronakrise durchaus ein bisschen zu kämpfen. Die Bäckereien als wichtige Kundengruppe haben ihre Investitionen hintangestellt. Aber wir sind mit diesem Unternehmen durch die Krise hindurchgegangen und ­haben die Übernahme im Juni unter Dach und Fach gebracht. Wir waren uns also darüber bewusst, dass es hier eine Delle gibt, aber haben als Unternehmer gesehen, dass Korte ein strukturell sehr gesundes Unternehmen ist.

Übernehmen Sie neue Firmen immer vollständig?

Üblicherweise streben wir eine quali­fizierte Mehrheit an. Die haben wir auch bei Korte; wir haben also wirtschaftlich und in der Gesellschafterversammlung das Sagen. Aber der ­    Unternehmer bleibt in der Regel ­zumindest noch eine Zeit lang dabei, sei es in der Geschäftsführung oder auch mit einer Minderheitsbeteiligung im Gesellschafterkreis. Das erhöht ­unsere Chancen, denn schließlich kennt der Unternehmer seine Firma besser als wir, wenn wir einsteigen.

Suchen genug Firmen Nachfolge­regelungen?

Ja. Wir haben hier den Luxus, dass wir uns die Unternehmen aussuchen können, die zu uns passen. Wir können auch Angebote ablehnen. Wir kaufen nur Unternehmen, bei denen wir sicher­ sind, dass die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Unternehmer auch gut funktioniert. Wir müssen an einem Strang ziehen. Bei der erfolgreichen Entwicklung eines Unternehmens geht es ja nicht nur um Geld. Ein Beispiel für eine gute Entwicklung ist auch unsere Firma Vitrulan, die wir 2016 in einer Nachfolgeregelung gekauft haben. ­Damals­  machte sie 60 Mio. EUR ­Umsatz – 2021 werden wir hier die 100-Mio.-­Marke­ überschreiten.


ZUR PERSON

Michael Feldt,
Vorstand,
Adcuram Group AG
michael.feldt@adcuram.de

Das Interview ist im Spezial „Investoren im Mittelstand“ als Beilage der Unternehmeredition 3/2021 erschienen.

Das Investorenprofil zur Adcuram Group AG finden Sie hier.

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