Abacus alpha: „Wir wollen Wissen aufbauen“

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Abacus alpha ist auf dem Weg zu einer Industrieholding schon ein großes Stück vorangekommen. Sobald der Dealflow wieder zunimmt, soll weiter investiert werden.
INTERVIEW BÄRBEL BROCKMANN

Unternehmeredition: Abacus alpha ist noch eine recht junge Beteiligungsgesellschaft. Wie soll sie sich in Zukunft entwickeln?
Frank Hüther: Frank Hüther: Uns gibt es seit 2006, aber erst seit etwa sieben Jahren sind wir als Beteiligungsgesellschaft aktiv. Seitdem befinden wir uns in der Investivphase. Unser Portfolio umfasst derzeit etwa 20 Unternehmen – dieses Portfolio wollen wir signifikant vergrößern. Wir haben vor, in vier Hauptinvestitionsfeldern jeweils zehn bis zwölf Unternehmen zu bündeln. Um unser Ziel zu erreichen, investieren wir gezielt in bestehende kleine und mittelständische Unternehmen. Wir sind aber auch als Gründer aktiv und bereits als Co-Gründer aufgetreten. Wir investieren jedoch nur 10% bis 15% unseres Kapitals in sehr frühe Phasen. Unser Schwerpunkt liegt im Bereich Mittelstand und Unternehmensnachfolge

Unternehmeredition: Welche Strategie verfolgen Sie mit Ihren Beteiligungen?
Frank Hüther: Wir sind ein Evergreen-Investor und daher nicht exitorientiert. Exits gibt es im Regelfall nur, wenn zum Beispiel Gründer verkaufen wollen oder wenn wir in einer Minderheitsposition oder vertraglich dazu verpflichtet sind. Wir gehen in frühen Phasen durchaus auch in Minderheitsbeteiligungen, weil wir uns für bestimmte Technologien oder Märkte interessieren und einfach lernen wollen. Wir wollen Wissen aufbauen.

Unternehmeredition: Hilft die langfristige Orientierung gegen Krisen wie Corona?
Frank Hüther: Ja, ganz bestimmt sogar. Unsere Strategie bleibt langfristig ausgerichtet, und wir werden unseren Investitionsfokus auch nicht ändern. Einige unserer Unternehmen hat die Krise schwer getroffen, andere haben sich vergleichsweise krisenresistent gezeigt. Das ist ein Vorteil unseres diversifizierten Portfolios. Aber das Bewusstsein, mit der Johannes und Jacob Klein GmbH einen Gesellschafter zu haben, der auf eine rund 150-jährige Geschichte verweisen kann, ermöglicht uns doch eine gewisse Ruhe und Gelassenheit. Wir brauchen keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

Unternehmeredition: Zahlreiche Unternehmen geraten gerade in Schieflage. Ergeben sich jetzt mehr Kaufgelegenheiten?
Frank Hüther: Wir stellen fest, dass sich der Dealflow deutlich beruhigt hat. Das interpretiere ich auch als Zeichen dafür, dass Verkäufer wissen, dass die Zeit zum Verkauf aktuell nicht gut ist. Auch die Berater scheinen häufig zum Abwarten zu raten. Günstige Kaufgelegenheiten sehe ich für uns im Moment nicht. Unternehmen, die in den von uns adressierten Investitionsfeldern in so einer Krise schnell unter Druck geraten, sind vermutlich sowieso ein Restrukturierungsfall, ausgenommen vielleicht die Personal- und Industrieservicesparte. Aber Restrukturierungen kommen für uns eher nicht infrage.

Unternehmeredition: Herr Hüther, Sie sind seit Juni 2020 neuer Vorstandssprecher des BVK. Können Sie sagen, was die Beteiligungsbranche derzeit am meisten bedrückt?
Frank Hüther: Unsere Branche ist sehr heterogen, denn sie deckt das ganze Spektrum des Beteiligungsgeschäfts ab. Aber ich glaube, was alle derzeit gleichermaßen beunruhigt, ist die Ungewissheit. Wann wir tatsächlich wieder zu einer – wahrscheinlich anderen – Normalität zurückkommen werden, weiß heute niemand. Im BVK sind unsere Venture Capital-Fonds mit ihren Portfoliogesellschaften natürlich besonders betroffen. Dort haben wir uns gleich zu Anfang sehr schnell für politische Unterstützung starkgemacht – mit Erfolg. Bei den Portfolios der Mittelständler war und bleibt es auch wichtig, dass sie zum Beispiel von KfW-Krediten nicht ausgeschlossen werden. Daran arbeiten wir weiterhin.


ZUR PERSON

Frank Hüther, Geschäftsführer und Investmentmanager bei der Abacus alpha GmbH