Der Markt für Firmenübernahmen im deutschen Mittelstand floriert. Strategische Käufer und Finanzinvestoren stehen Schlange und treiben mit ihren Angeboten die Preise in die Höhe. Weckten bisher größere Mittelständler ihr Interesse, stehen nun immer öfter auch kleine Unternehmen auf der Einkaufsliste. Firmenchefs, die verkaufen möchten, sollten nicht zu lange warten.

Erhöhte Risikobereitschaft

Den klaren Verkäufermarkt treiben zum einen Finanzinvestoren. Gut betuchte Privatanleger und Family Offices, die das Geld ihrer sehr vermögenden Kunden verwalten, suchen nach renditeträchtigen Anlageformen. „Da Anleihen kaum noch Zinsen abwerfen und Aktien vielfach überwertet sind, schauen sie sich immer öfter nach Sachwerten um“, weiß Euroconsil-Experte Göring. Mittelständische Unternehmen erscheinen hier bestens geeignet. „Die gute Konjunktur hat dazu beigetragen, dass auch viele kleinere Firmen in den vergangenen Jahren ihre Umsätze kontinuierlich gesteigert haben“, erklärt Göring. Das erhöht auf Investorenseite die Risikobereitschaft. „Zusammen mit dem Leitzins der Europäischen Zentralbank, der angesichts der überaus robusten Wirtschaftslage für Deutschland viel zu niedrig ist, lassen sich mit Unternehmensbeteiligungen oder -käufen natürlich sehr positive Renditen erzielen“, sagt Göring.


Private-Equity-Fonds, die viel Geld am Markt eingesammelt haben, stehen noch stärker unter Anlagedruck als die Vermögensverwalter. Ihren Investoren gegenüber sind sie dazu verpflichtet, ihr Kapital innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, oft binnen fünf Jahren, deutlich zu mehren. Und nicht zuletzt sind auch kleinere Private-Equity-Gesellschaften, hinter denen kein Fonds-Modell steht, auf der Suche nach Unternehmensbeteiligungen, die sich lohnen.

Neben den Finanzinvestoren tummeln sich schon seit einigen Jahren zunehmend Strategen auf dem M&A-Markt für deutsche Mittelständler. „Neben den niedrigen Zinsen haben hier auch chinesische Unternehmen dafür gesorgt, dass die Preise stark gestiegen sind“, sagt Patrick Schmidl, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Deutsche Mittelstandsfinanz GmbH in Frankfurt. Ihr Interesse habe bislang eher größeren Firmen gegolten, mit deren Übernahme sie sich vor allem interessante Technologien, den Zugang zum deutschen und europäischen Markt sowie zu Kunden sichern wollten. „Kleine Mittelständler kamen weniger infrage, solche Transaktionen waren in der Umsetzung einfach zu kompliziert“, erläutert Schmidl. Denn: Je kleiner das Zielunternehmen, desto stärker muss der Käufer nach dem Erwerb das Management austauschen und eigene Führungskräfte vor Ort einsetzen. Im Endeffekt kann sich der Kraftaufwand lohnen, der nötig ist, um kulturelle Unterschiede zu überwinden.

„Wenn chinesische Unternehmen eine bestimmte Technologie oder ein für sie wichtiges Know-how unbedingt wollen, dann ist ihnen die Größe eines Unternehmens egal, und sie zahlen außergewöhnliche Preise“, erklärt Schmidl. Das habe zu den gestiegenen Multiples beigetragen. „Es ist auch möglich, dass sich Investoren aus dem Reich der Mitte künftig mehr auf kleinere Firmen konzentrieren werden“, sagt Schmidl. Die Regierung prüft bei großen Transaktionen derzeit genau, ob sie einen deutlichen Nutzen für die chinesische Volkswirtschaft bringen. Auf diese Weise möchte sie Devisenabflüsse ins Ausland verringern. „Kleine Firmenübernahmen rutschen in einem Genehmigungsverfahren leichter durch.“

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