Die Entschreckung von Private Equity

Im aktuellen Zinsumfeld hat sich Private Equity zu einer bedeutenden Anlageklasse für institutionelle Investoren und zu einem echten Faktor auf dem Transaktionsmarkt entwickelt. Die Branche hatte in Deutschland lange Zeit mit ihrem negativen Heuschrecken-Image zu kämpfen. Inzwischen gibt es dank empirischer Forschung gute Gründe, einige der gängigen Vorurteile zu überdenken.

Typische Muster lassen sich nicht belegen

Auch das vermeintlich typische Muster des Verschuldungsverlaufes – Erhöhung der Verschuldung bei Einstieg und anschließender Rückgang der Verschuldung – ließ sich nicht empirisch feststellen. Die Untersuchung zeigte allerdings, dass die Entscheidung über die Höhe der Unternehmensverschuldung bei Private Equity-geführten Unternehmen von anderen Faktoren, in der Regel der Verfügbarkeit von Fremdkapital, gesteuert wird als bei anderen, nicht PE-geführten Unternehmen der gleichen Branche. Auch hinsichtlich der Insolvenzanfälligkeit lässt sich die oben angeführte Argumentation nicht empirisch stützen: Eine Studie des ZEW Mannheim mit mehr als 1.800 europäischen Buyouts konnte keine signifikant höhere Insolvenzanfälligkeit im Vergleich zu den anderen Unternehmen der gleichen Branche feststellen. Die Erklärung lautet hier, dass PE-geführte Unternehmen häufig straffer geführt werden und daher schneller und auch drastischer auf erste Krisensignale reagieren.


„In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass die Private Equity-Branche ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor geworden ist.“


Weitere Studien brachten vermeintliche Gewissheiten über Private Equity zumindest ins Wackeln: Eine Untersuchung der Harvard University mit amerikanischen Unternehmen konnte nach dem Erwerb durch Private Equity keine signifikante Kürzung von Ausgaben für Forschung und Entwicklung feststellen und somit den Eindruck widerlegen, PE-Fonds als Unternehmenseigentümer wären mehr an kurzfristigen Gewinnen als an einer langfristigen Wertsteigerung interessiert. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich gehen auch mit Private Equity geführte Unternehmen pleite, entlassen Mitarbeiter, streichen Forschung und Entwicklung, erhöhen die Verschuldung und verkaufen Teile des Unternehmens, um sie zu Geld zu machen. Der Punkt ist, dass sie das nicht systematisch häufiger und in größerem Stil machen als andere Unternehmen in der gleichen Branche.

Zunehmende wirtschaftliche Bedeutung

Schließlich ist in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit auch das Bewusstsein dafür gewachsen, dass die Private Equity-Branche ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor mit bedeutendem Einfluss geworden ist. Insgesamt schätzt man die Zahl von PE-geführten Unternehmen in Deutschland auf rund 5.000. Speziell dem Segment Venture Capital wird ein signifikanter volkswirtschaftlicher Einfluss zugeschrieben: Die damit verbundene Finanzierung von neuen Technologie- und Wachstumsunternehmen hat positiven Einfluss auf die Innovationsfähigkeit eines Standortes. Im internationalen Vergleich ist die wirtschaftliche Bedeutung von Private Equity in Deutschland allerdings immer noch relativ niedrig. Zum Vergleich: Weltweit wurden 2017 insgesamt 440 Mrd. US-Dollar durch Private Equity-Firmen investiert.

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