Der deutsche Markt für Fusionen und Übernahmen ist in Bewegung. Finanzinvestoren und Strategen aus dem In- und Ausland sind nicht nur an Großunternehmen, sondern vor allem an mittelständischen Firmen interessiert. Woher die Käufer kommen – und was Mittelständler zum Verkauf treibt.


Bernd Quade„Da muss man sich überlegen, ob man mit der Zeit zu einem kleinen Fisch werden möchte oder Größe zeigen muss.“

Bernd Quade, Geschäftsführer, Sahlberg GmbH & Co. KG

 


„Wir sind Markführer in Bayern und bedienen von hier aus ganz Deutschland“, erklärt er. Das Unternehmen sei entsprechend gut aufgestellt. „Der deutsche Markt für technische Händler befindet sich aber im Umbruch“, sagt Quade. Der Grund dafür: Wettbewerber aus anderen europäischen Ländern drängen auf den deutschen Markt, da der technische Handel hier sehr gut läuft. Daher versuchen einige Unternehmen aus dem europäischen Ausland, sich über Unternehmenskäufe in Deutschland zu etablieren. Geld ist genug vorhanden.

„Das führt dazu, dass sich immer größere Handelsstrukturen bilden, die eine hohe Finanz- und Schlagkraft haben“, sagt Quade. „Da muss man sich überlegen, ob man mit der Zeit zu einem kleinen Fisch werden möchte oder Größe zeigen muss“, erläutert der Geschäftsführer. Für ihn war die Antwort klar: Sahlberg hat nur in einem größeren Verbund eine gute Zukunft.

Einen geeigneten Käufer fand das Unternehmen in Österreich. Die Haberkorn Gruppe, die ihre Hauptsitze in Wolfurt im Bundesland Vorarlberg und in Wien hat, ist in Österreich der führende Anbieter im technischen Handel. Zudem in Osteuropa sehr aktiv. „Haberkorn suchte eine Gelegenheit, auch in Deutschland tätig zu werden“, sagt der Sahlberg-Geschäftsführer. Jetzt wollen die beiden Unternehmen zusammen den deutschen Markt von Süden her aufrollen. „Wir profitieren auch davon, dass wir unter dem Dach von Haberkorn eine Größe haben, die es uns erlaubt, unsere Verkaufsstrukturen verstärkt zu digitalisieren“, sagt Quade. Darum käme ein technischer Händler im Zuge der Industrie 4.0 auf die Dauer nicht herum. „Die notwendigen Investitionen können kleinere Unternehmen allein einfach nicht stemmen.“

Digitalisierung als Kaufgelegenheit

„Tatsächlich ist die Industrie 4.0 ein Treiber für Unternehmenskäufe und -verkäufe im deutschen Mittelstand“, sagt Patrick Schmidl, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Deutsche Mittelstandsfinanz GmbH in Frankfurt.