Der deutsche Markt für Fusionen und Übernahmen ist in Bewegung. Finanzinvestoren und Strategen aus dem In- und Ausland sind nicht nur an Großunternehmen, sondern vor allem an mittelständischen Firmen interessiert. Woher die Käufer kommen – und was Mittelständler zum Verkauf treibt.

„In vielen Branchen, so etwa in der Automobilzulieferindustrie, findet derzeit eine Konsolidierung statt“, sagt Schwarzer. So bekommen chinesische Unternehmen Aufträge von Konzernen nur noch, wenn sie diese mit ihren Produkten nicht nur an Standorten in China, sondern auch in Europa und den NAFTA-Ländern bedienen können. „Da liegt es nahe, ein deutsches Unternehmen zu kaufen“, sagt Schwarzer. Deutsche Firmen bekommen dadurch Wettbewerber, die sie früher nicht hatten. Damit steigt der Konsolidierungsdruck, dem deutsche Mittelständler ausgesetzt sind, und der sie dazu treibt, selbst zu kaufen – oder zu verkaufen.

„Gerade Familienunternehmen, die nur mit knapper Not durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen sind, entscheiden sich dann zunehmend für einen Verkauf“, erklärt Schwarzer. Aktuelle politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, wie sie der Ausgang des Referendums in Großbritannien oder die Lage in der Türkei hervorrufen, forcierten eine solche Entscheidung häufig. Allerdings schauen sich verkaufswillige Lenker mittelständischer Familienunternehmen eher in Deutschland oder zumindest im deutschsprachigen Raum nach geeigneten Käufern um.

Die Firma in gute Hände geben

„Sie möchten sicher sein, die Firma in gute Hände zu geben“, sagt Norbert Schulte, Managing Partner der Kanzlei McDermott Will & Emery Rechtsanwälte Steuerberater LLP in Düsseldorf, die Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen berät. Viele Firmenverkäufe gingen daher „off market“ über die Bühne, ohne öffentliches Auktionsverfahren also. „Finanzinvestoren und Strategen aus dem fernen Ausland treiben insgesamt zwar die Preise nach oben, Asiaten sind sogar bereit, in Umsatz- statt in EBIT-Multiples zu rechnen“, erklärt Schulte. Vor allem an kleinere deutsche Mittelständler kämen sie aber oft gar nicht erst heran. „Firmen mit Jahresumsätzen zwischen zehn und 30 Mio. Euro suchen in der Regel nach inländischen Strategen, wenn sie verkaufen wollen“, weiß auch Sebastian Göring von der Unternehmensberatung Euroconsil aus Stuttgart.

Für Finanzinvestoren kämen ohnehin erst Mittelständler mit einem Umsatz oberhalb der 30 Mio. Euro infrage, darunter lohnt sich für diese Gesellschaft das Geschäft nicht.

Ein Finanzinvestor schied für die Sahlberg GmbH & Co. KG ohnehin von Anfang an aus. Das Unternehmen mit Sitz in Feldkirchen bei München ist ein technischer Händler und Spezialist für Arbeitsschutz, Gummi und Kunststofferzeugnisse. Rund 200.000 Artikel hat Sahlberg im Sortiment, darunter Arbeitsschutzprodukte, Schmierstoffe, Dichtungs- und Klebetechnik, Schlauch- und Armaturentechnik und vieles mehr. Zusätzlich bietet das Unternehmen, das mit 210 Mitarbeitern für 2016 einen Umsatz von 50 Mio. Euro anpeilt, seinen Kunden auch Beratung und maßgeschneiderte Individualprodukte an.

 Markt im Umbruch

„In Deutschland sind im technischen Handel einige regionale Schwerpunkthändler entstanden“, sagt Bernd Quade, der bei Sahlberg 2014 als externer Geschäftsführer die Firmenleitung von der Unternehmerfamilie übernommen hat.