Der deutsche Markt für Fusionen und Übernahmen ist in Bewegung. Finanzinvestoren und Strategen aus dem In- und Ausland sind nicht nur an Großunternehmen, sondern vor allem an mittelständischen Firmen interessiert. Woher die Käufer kommen – und was Mittelständler zum Verkauf treibt.

In der Tat sind missglückte Nachfolgen ein Grund für den Verkauf von mittelständischen Familienunternehmen in Deutschland. Eine andere Ursache besteht darin, dass die Alteigentümer erst gar keinen geeigneten Nachfolger finden. Doch nicht allein der verfehlte Übergang eines Unternehmens von einer Generation auf die nächste treibt Firmenchefs zum Verkauf. Die Konsolidierung in vielen Branchen stellt so manchen Unternehmer vor die Wahl: Allein untergehen oder verkaufen und Arbeitsplätze sichern? Die Industrie 4.0 etwa, also die Umstellung von Geschäftsmodellen auf autonome, sich selbst steuernde und wissensbasierte Produktions- und Vermarktungssysteme, bringt Herausforderungen mit sich, denen sich so mancher kleinere Mittelständler nicht gewachsen fühlt. Und nicht zuletzt ist es auch nicht mehr der Wunsch eines jeden Firmenlenkers, sein Unternehmen bis zur Rente zu führen.

Viele Interessenten

Die gute Nachricht für potenzielle Unternehmensverkäufer: Interessenten finden sich am Markt derzeit mehr als genug, trotz hoher Unternehmensbewertungen. Private-Equity-Gesellschaften sind nach wie vor auf der Suche nach größeren Mittelständlern als renditeträchtige Investitionsobjekte. Family Offices, die das Vermögen großer Unternehmerfamilien verwalten, müssen zu Zeiten eines dauerhaft niedrigen Zinsniveaus lohnende Anlagemöglichkeiten finden. Strategen aus Asien und Nordamerika wollen sich den Zugang zu deutschem Know-how und begehrten Kunden sichern. Deutsche Unternehmen kaufen zu, um ihr Geschäftsfeld zu erweitern oder im Zuge einer Konsolidierung Wettbewerber vom Markt zu nehmen. Und in der Schweiz entscheiden sich Firmenchefs dafür, in Deutschland zu produzieren, um Kosten zu senken. All das treibt die Preise, die Mittelständler am deutschen Markt für Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, kurz: M&A) aktuell erzielen können. Wer verkaufen möchte, sollte daher nicht mehr zu lange warten.

Rekorde bei EBIT-Multiples

„Der deutsche M&-Markt ist sehr stabil“, sagt Hans Bethge, Geschäftsführender Partner bei Angermann M&A International in Hamburg. Sowohl die Anzahl der Transaktionen als auch die Bewertungen hätten sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem zweiten Halbjahr 2015 noch einmal erhöht. „Und diesen Zeitraum hatten wir ja schon als ‚All-Time-High‘ eingeschätzt“, erklärt der Experte. Hohe Preise können keineswegs nur Großunternehmen erzielen. „Je nach Branche belaufen sich auch die Kaufsummen für kleinere Firmen auf ein EBIT-Multiple von bis zu zehn“, sagt Bethge. Das bedeutet: Käufer sind bereit, im besten Fall das Zehnfache des Geschäftsergebnisses vor Zinsen und Steuern zu zahlen. Damit erreichen die Bewertungen ein Niveau wie zuletzt unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise.