Um dauerhaft mit dem Lauf der Zeit und der fortschreitenden Globalisierung mithalten zu können, muss sich jedes Unternehmen ab einer bestimmten Umsatzgröße Internationalisierungsstrategien öffnen. Für deutsche Unternehmen lautet hier der erste logische Gedanke Europa, gefolgt von den USA, China und den BRIC-Staaten. Durch die hohe Verschuldung der Industrieländer wird die wirtschaftspolitische Weltordnung jedoch zunehmend durcheinandergewürfelt. Davon könnten die relativ wenig erschlossenen Märkte in Entwicklungs- und Schwellenländern profitieren.

Europa als zentraler Markt

Noch ist die deutsche Realwirtschaft stark und konnte dem Damokles-Schwert der Euro-Schuldenkrise und dem wirtschaftlichen Abschwung in den südeuropäischen Ländern entgehen. Europa ist und bleibt Deutschlands wichtigster Exportmarkt, allein ins Nachbarland Frankreich wurden 2011 Güter in Höhe von 101,6 Mrd. EUR exportiert, ein Wert, der Ausfuhren in die noch größte Volkswirtschaft der Welt USA um knapp 25% übertrifft. Mittlerweile haben sich auch die Kräfteverhältnisse der EU-Länder untereinander angeglichen: Die Zeiten, in denen die Regionen Osteuropas als kostengünstige Produktionsstandorte in Frage kamen, sind längst vorbei, mittlerweile steht auch hier die Markterschließung im Vordergrund. „Von der erfreulich starken wirtschaftlichen Entwicklung in den Beitrittsländern haben die deutschen Unternehmen überdurchschnittlich profitiert“, meint auch Dr. Volker Treier, Bereichsleiter International und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Mit 11,44% Anteil am Gesamtexport 2011 seien die 12 Beitrittsländer als Absatzmarkt inzwischen wichtiger als Frankreich, die USA oder China. Insgesamt wurden 2011 Waren im Wert von 627,31 Mrd. EUR in Länder der EU-27-Zone ausgefahren, was einen Anteil am deutschen Gesamtexport von 59,17% ausmacht. Größtes deutsches Exportland 2012 jenseits von Europa sind die USA; im zweiten Quartal 2012 wurden hier laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) 20,6% aller deutschen Produkte abgesetzt, mehr als in Russland (14,3%) Brasilien (8,1%) und China (7,5%).

 

Grafik: DIHK, vorläufiges Länderrating 2011

Rettungsanker Außenhandel

Doch innerhalb des weltwirtschaftlich schwierigen Umfelds lassen sich auch erste Bremsspuren dieser Exportsicherheit ausmachen. Momentan trüben sich Konjunkturprognosen ein, für Deutschland rechnet der IWF 2013 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,9% – ursprünglich war er von 1,4% ausgegangen. Es ist vor allem die Schuldenlast der Industrieländer, die auf die Konjunktur der Weltwirtschaft durchschlagen könnte; so geht der IWF mittlerweile von einem Wachstum der globalen Wirtschaft um 3,6% aus, 0,3 Prozentpunkte weniger als noch zur Jahresmitte prognostiziert. Allein die deutschen Ausfuhren nach Italien ließen im zweiten Quartal 2012 um 8,6% nach, dicht gefolgt von Griechenland (-9%), Spanien (-11,4%) und Portugal (-15,8%). Laut BDI-Konjunkturreport ist es allein ihrem starken Außenhandel zu verdanken, dass die deutsche Wirtschaft abflauende Konjunkturaussichten im europäischen Binnenmarkt kompensieren konnte; auch von der deutschen Binnennachfrage gingen in vielen Branchen des Verbandes im ersten Halbjahr 2012 keine Wachstumsimpulse aus. Insgesamt haben die Ausfuhren in Nicht-EU-Länder laut BDI um 11% zugelegt, während sie in Länder der Euro-Zone sogar um 3,1% zurückgingen.