Andreas W. Kraut ist seit Oktober 2009 Geschäftsführender Gesellschafter der Bizerba GmbH & Co. KG.

Mehr als 70% des Umsatzes erwirtschaftet Deutschlands bekanntester Waagenhersteller bereits im Ausland. Künftig soll es noch mehr werden. Mit welchen Produkten Bizerba wo wachsen will, erläutert der Geschäftsführender Gesellschafter Andreas W. Kraut.

Unternehmeredition: Herr Kraut, vor wenigen Wochen haben Sie 20 Prozent der Firmenanteile von der BWK Unternehmensgruppe zurückgekauft. Was waren die Gründe?


Kraut: Damit wollten wir ein Zeichen setzen und unser Commitment unterstreichen. Das Unternehmen soll langfristig in Familienhand bleiben. Die nächste Generation steht schon bereit. Für uns bedeutet der Rückkauf auch ein Signal an die Mitarbeiter. In den 90er Jahren entschlossen wir uns zur weiteren Internationalisierung. Dafür holten wir uns 1994 die BWK ins Haus. Über die Jahre hat die Zusammenarbeit sehr gut entwickelt. Klar war aber auch, dass die BWK nicht ewig im Unternehmen bleibt.

Wollen Sie die restlichen 10 Prozent auch noch in die Familie zurückholen?

Das halte ich für nicht ausgeschlossen. Momentan ist das jedoch kein Thema.

Warum ist es für Sie so wichtig, das Unternehmen in Familienhand zu halten?

Weil Bizerba schon immer in Familienhand war und es in den Genen steckt, uns als Teil der Firma zu sehen. Unsere Aufgabe ist es, mit unseren Mitarbeitern dieses Unternehmen zu führen. Von einer Trennung sind wir meilenweit entfernt.

Wie wichtig ist das klassische Wiegen für Bizerba und wohin geht die Reise?

Wiegen ist die Basis unserer 1866 gegründeten Firma. Wir kommen sehr stark aus dem Handelsumfeld. Dann kam das industrielle Wägen dazu. Schon vor dem zweiten Weltkrieg haben wir uns zum Marktführer in Deutschland entwickelt. Die Wiegetechnik entwickelte sich schnell weiter: Vom mechanischen Wiegen ging es über das elektronische bis hin zu PC-basierten Wägetechniken. In diesen Innovationsschüben waren wir immer vorne dabei – haben uns auch in Europa und in den USA gut positioniert.

Wohin entwickelt sich die Technologie?

Die Wägetechnik ist immer noch sehr wichtig für uns. Mittlerweile beschäftigen wir allerdings die meisten Ingenieure in der Softwareentwicklung. Unsere neuesten Geräte sind Multimedia Devices mit Wägefunktion. Sie übernehmen die Datenverarbeitung, sie können Videos abspielen, Bilder schießen, ins Internet gehen und sind verbunden mit dem Warenwirtschaftssystem unserer Kunden. Es kann die Werbung darüber laufen, sie können das Personal schulen und viele Dinge mehr. Die Waagen haben große Displays, die Zusatzinformationen bieten. Kauft der Kunde ein Stück Fleisch, wird ihm eine Soße oder der passende Rotwein angeboten.

Ist Deutschland der führende Markt oder sind Sie in anderen Ländern auch schon soweit?

In China haben wir seit 2007 ein eigenes Werk. Dort produzieren wir für die ganze Welt, aber auch für den lokalen Markt dort. Allerdings ist der Markt dort noch nicht so weit entwickelt. Meist kommen noch traditionelle Wiegesysteme zum Einsatz. Die Entwicklung schreitet jedoch schnell voran. Wir sind bereit, beim nächsten Entwicklungsschub vorne dabei zu sein.