Ab ins Ausland: Internationale Krisenherde beeinflussen bislang noch nicht die Internationalisierung (© fotolia/seventysix)
Ab ins Ausland: Internationale Krisenherde beeinflussen bislang noch nicht die Internationalisierung.

Weltweite Krisenherde beeinflussen die Standortwahl deutscher Unternehmen. Welche Länder boomen und ob es Länder gibt, aus denen sich Unternehmen zurückziehen, beantworten vier Experten.

Welche Länder sind für Mittelständler momentan interessant?

Guido Decker, Managing Director, goetzpartners


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Das ist ganz industrieabhängig. Automobilzulieferer etwa müssen den OEMs nach China, USA und Südamerika folgen. Firmen der erneuerbaren Energien suchen nach Chancen in Osteuropa. Die USA kommt mit einer neuen Reindustrialisierungsoffensive hinzu. Die Türkei wird als Produktionsstandort und Vertriebstor in den arabischen Raum und die ehemaligen russischen Republiken geschätzt. Indien wird hohes Potenzial zugeschrieben, hier teilen sich aber schon die Meinungen. Südamerika wird als Absatzmarkt vor allem mit steigender Unternehmensgröße attraktiv.


Dr. Karsten Zippel, Vorstand, Aquin Cie. AG

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Momentan wird insbesondere die USA wieder zunehmend interessanter, nachdem in der Vergangenheit vor allem China das vorrangige Ziel war. Sicherlich spielt auch der Iran, aufgrund der teilweisen Sanktionsaufhebungen im Zuge des Atomkonsenses, wieder ein große Rolle. Trotz der verhängten Sanktionen hatten viele deutsche Unternehmen in der Vergangenheit dennoch versucht, rudimentäre Lieferbeziehungen sowie den Kontakt mit dem Iran aufrechtzuerhalten.


Dr. Sonnfried Weber, Sprecher der Geschäftsführung, BayBG

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Als potenzielle Orte für Produktionsniederlassungen bleibt nach wie vor das relativ krisensichere EU-Ausland als mögliche Alternative interessant, um Produktions- und Absatzprozesse zu optimieren. Vor Niederlassungen oder Produktionsverlagerungen in das außereuropäische Ausland würde ich dem Mittelstand wegen der damit verbundenen Produktions- und Kostenrisiken abraten. Es sei denn, man fungiert als Zulieferer und begleitet in dieser Funktion einen starken Partner, zum Beispiel im Automotive- oder Elektrotechnik-Bereich.


Uwe Knebelsberger, Geschäftsführer, Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH 

Uwe Knebelsberger/Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH © privat
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Das ist von der Unternehmensbranche abhängig. Das Gemeinsame ist jedoch, dass die Geschäftstätigkeit immer stärker in sicherheitskritischen Regionen und Ländern stattfindet. Als Beispiel hierfür ist der Maschinen- und Anlagenbau zu nennen, der sowohl im Nahen und Mittleren Osten wie auch in Westafrika stark engagiert ist. Die Textilindustrie ist eher auf Länder wie die Türkei, Ägypten und Bangladesch fokussiert.