Eine Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie gelingen immer seltener. Findet sich kein geeigneter Nachfolger, müssen Inhaber familiengeführter Unternehmen auf die Suche nach einem Käufer gehen. Ein Verkauf ist nicht die schlechteste Variante – sofern er rechtzeitig und sachlich geplant wird.

Realistischen Kaufpreis ermitteln

„Berater setzen meist drei Methoden gängiger Verfahren ein, um den Unternehmenswert und einen realistischen Kaufpreis zu ermitteln“, sagt Horst Friedrich, Inhaber des Beratungshauses Advisos Corporate Finance aus Oberursel: die Multiplikatoren-Methode, das Discounted-Cashflow-Verfahren und die Ermittlung des Ertragswertes. Anhand von Multiplikatoren können Firmeninhaber den Wert ihres Unternehmens selbst grob überschlagen.

„Das Multiplikatoren-Verfahren ist recht einfach“, sagt Friedrich. Als Basisgröße für die Berechnung des Firmenwertes wird eine betriebswirtschaftliche Kennzahl herangezogen, die den Gewinn des Unternehmens angibt, oft das EBIT. Dieses wird dann mit einem bestimmten Faktor, dem Multiple, multipliziert. Da Zinsen für eventuell aufgenommenes Fremdkapital im EBIT noch nicht berücksichtigt sind, werden diese abgezogen. So errechnet sich der Eigenkapitalwert des Unternehmens.

Die Multiples ergeben sich unter anderem aus vergleichbaren Transaktionen, sind also Faktoren, die sich beim Verkauf ähnlich aufgestellter Unternehmen innerhalb eines gewissen Zeitraums durchschnittlich realisieren ließen.

Allerdings weist die Berechnung mit diesen Multiplikatoren Tücken auf und führt oft zu ungenauen Ergebnissen. Das Beratungshaus Aquin & Cie hat daher für die Unternehmeredition einen neuen Ansatz entwickelt, der auf einem positiven EBIT beruht. In vier Schritten lässt sich so schnell ein präziser Unternehmenswert ableiten.

„Im ersten Schritt wird der Basis-Multiple ermittelt“, erklärt Thomas Grauvogl von Aquin & Cie. In den Basis-Multiplikator fließt unter anderem die ermittelte Stimmung am Markt ein, wie etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex. „Schließlich lassen sich grundsätzlich höhere Preise erzielen, wenn die allgemeine Marktstimmung positiv ist“, sagt Grauvogl. Zehn Einflussfaktoren bestimmen den Basis-Multiple, auch Kennzahlen aus dem M&A-Markt spielen eine Rolle. Ein wichtiger Aspekt ist der Leitzins, der wesentlich dafür verantwortlich ist, zu welchem Zinssatz ein Käufer Fremdkapital aufnehmen kann.

„Im zweiten Schritt wird das Umsatzvolumen eines Unternehmens ermittelt, im dritten das Umsatzwachstum“, erläutert Grauvogl. Der vierte Schritt bewertet anhand von Fragen die relative Stärke der Firma, also die Position im Vergleich zu Wettbewerbern sowie die Attraktivität und Robustheit der Zielmärkte. „Zuletzt werden die ermittelten Werte addiert, daraus ergibt sich der Gesamt-Multiple“, sagt Grauvogl. Firmenlenker können den aktuellen EBIT-Multiplikator nach dem Verfahren von Aquin & Cie selbst errechnen. (www.unternehmeredition.de/multiple-monitor/)

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