Eine Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie gelingen immer seltener. Findet sich kein geeigneter Nachfolger, müssen Inhaber familiengeführter Unternehmen auf die Suche nach einem Käufer gehen. Ein Verkauf ist nicht die schlechteste Variante – sofern er rechtzeitig und sachlich geplant wird.

Anders ging es Uwe Hinrichsen. In den späten 1980er-Jahren hatte er sein Unternehmen Dilax Intelcom mit Sitz in Berlin gegründet. Die Berliner bieten Systemlösungen zur Erfassung und Lenkung von Personenströmen etwa in Stadien, Museen oder im Nahverkehr an. Dilax Intelcom beschäftigt heute rund 150 Mitarbeiter in Deutschland, Kanada, Großbritannien, der Schweiz und in Spanien. Für Hinrichsen, der jahrzehntelang viel Arbeit und Herzblut in sein Unternehmen gesteckt hatte, war irgendwann klar: „Mit 60 Jahren steige ich aus.“

Managerin und Gesellschafterin Jutta Marx: erst in der Geschäftsführung, dann Mitinhaberin.
Managerin und Gesellschafterin Jutta Marx: erst in der Geschäftsführung, dann Mitinhaberin.

Er musste etwas länger bleiben, doch dann fand er über einen Management-Buy-Out (MBO)  die Nachfolgerin seiner Wahl: Jutta Marx. „Zuerst fühlte es sich so ähnlich an, als wenn man von zu Hause auszieht“, sagt die heutige Firmenchefin. Seltsam und ohne das Gefühl, sich auf einen „doppelten Boden“ verlassen zu können. Zehn Jahre hatte Marx unterschiedliche Funktionen in der Firma innegehabt, seit 2010 war sie Mitglied der Geschäftsführung. „Ich habe Stück für Stück immer mehr Verantwortung übernommen“, berichtet sie. Auch auf der Suche nach einem Investor hat sie ihren damaligen Chef begleitet. Schließlich war die VR Equitypartner, eine Tochter der DZ Bank und der WGZ Bank, bereit, einen Teil des Kaufpreises zu finanzieren. Derzeit hält VR Equitypartner die Mehrheit der Firmenanteile, Firmengründer Hinrichsen ist noch beteiligt und in der Gesellschafterversammlung vertreten. In die Unternehmensführung mischt er sich nicht ein. „Aber wenn ich ihn frage, steht er mir mit seinem Wissen, mit Tipps und Ratschlägen zur Seite“, sagt Jutta Marx.

Viele Varianten des Verkaufs

Ein MBO ist eine, aber bei Weitem nicht die einzige Variante, die Unternehmer ohne geeigneten Nachfolger in der Familie in Erwägung ziehen sollten. „Infrage kommt selbstverständlich auch ein Management-Buy-in, bei dem ein oder mehrere Manager eines anderen Unternehmens die Firma übernehmen“, sagt IHK-Experte Markus Nacke. Der Verkauf an einen Finanzinvestor oder einen Strategen aus dem Ausland kann einen hohen Erlös aus der Veräußerung bescheren. „Und wer sein Unternehmen über einen Owner Buy-out verkauft, sichert sich mit der Option, später Anteile zurückzukaufen, den Einfluss auf sein Lebenswerk“, erklärt Nacke.

Quelle: DIHK
Quelle: DIHK

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