Ein Faktor sticht bei gescheiterten Stabübergaben vermehrt heraus: die zunehmende Entfremdung in einem Gesellschafterkreis, der mehrere Generationen umfasst. Wer künftige Generationen frühzeitig an Rechte, Pflichten und notwendige Kompetenzen heranführt und klare Perspektiven aufzeigt, kann dies verhindern.

Qualifizierung als Kernvoraussetzung

Fakt ist: Gerade wenn Mitglieder einer Unternehmerfamilie die Gesellschafterverantwortung neu übernehmen sollen, muss – unabhängig von der Nachfolgefrage – vor allem das fachliche Ungleichgewicht im Gesellschafterkreis von vornherein beseitigt werden. Über die eigenen Rechte und Pflichten sollten die nachkommenden Generationen klar im Bilde sein. Doch neben fachlichen Qualifikationen geht es für sie auch darum, das System und die Dynamiken von Familienunternehmen zu verstehen. So können künftig nicht operativ tätige Gesellschafter und mögliche Nachfolger für die operative Unternehmensführung zu einem frühen Zeitpunkt gemeinsam an Fragen des Zusammenspiels von Familiengesellschaftern, geschäftsführenden Gesellschaftern, Management und Gremien herangeführt werden.

Es ist deshalb anzuraten, frühzeitig – ohne die Entscheidung über mögliche künftige Führungspersönlichkeiten vorwegzunehmen – Fortbildungsformate zu nutzen, die die wesentlichen Inhalte rund um Corporate & Family Governance von Familienunternehmen vermitteln. Dabei sollten nicht nur klassische Fragestellungen der Unternehmensführung im Fokus stehen, sondern auch übergreifende Inhalte wie etwa gesellschaftsrechtliche und psychologische Aspekte des Familienunternehmens.

Nur so können künftige Generationen erfolgreich von Anteilseignern zu verantwortlichen, fachlich geschulten Gesellschaftern entwickelt werden.

Quelle: Eigene Darstellung
Quelle: Eigene Darstellung

 

 Der Senior ist am Zug

Der Ball liegt klar bei der aktuell aktiven Generation der Senioren, die sich kritisch fragen muss: Soll das Unternehmen langfristig in Familienhand bleiben? Sind die kommenden Generationen noch vergleichsweise kurz beziehungsweise noch gar nicht in Gesellschafterposition? Wann will und kann ich hier die ersten konkreten Schritte einleiten?

 Natürlich sollte die entsprechende Qualifizierung der Gesellschaftergenerationen von morgen nicht nur in Seminaren stattfinden. Die Praxis zeigt: Vom Fremdengagement in anderen Familienunternehmen über Schnuppereinsätze im eigenen Familienunternehmen auf nachrangigen Ebenen, von der spielerischen Heranführung an das Vermögens- und Gestaltungsobjekt Unternehmen bis hin zur Mitgliedschaft in Juniorengemeinschaften – um Praxisluft zu schnuppern, bieten gerade Familienunternehmen vielfältige Möglichkeiten.

Die Senioren sollten dabei auf jeden Fall daran denken, stets alle möglichen Rollen der nächsten Generationen zu berücksichtigen: von der Unternehmerrolle über die verantwortliche Führungsfunktion zum verantwortlichen Gesellschafter mit einer Tätigkeit außerhalb des Familienunternehmens bis hin zur Rolle eines verantwortlichen Vermögensbesitzers. Nur so sichert man auch auf Dauer eine tragfähige, vertrauensvolle und motivierte Gesellschafterstruktur für morgen.