Vielfältiges Spektrum

Mezzanine gehört inzwischen zum allgemeinen Sprachgebrauch in der Unternehmensfinanzierung. Der Begriff Mezzanine-Kapital umfasst dabei eine ganze Reihe verschiedener Instrumente und Ausgestaltungen.

Mezzanine gehört inzwischen zum allgemeinen Sprachgebrauch in der Unternehmensfinanzierung. Der Begriff Mezzanine-Kapital umfasst dabei eine ganze Reihe verschiedener Instrumente und Ausgestaltungen. Während – je nach Bonität des Unternehmens, Laufzeit und anderen Faktoren – der typische Bankkredit einerseits etwa 5,5 bis 8,5% p. a. und Private Equity andererseits ungefähr 18 bis 28% kostet, liegt Mezzanine mit einer Bandbreite von rund 10 bis 16% dazwischen.

Eigenkapital ohne Mitspracherechte

Bei Mezzanine (italienisch: Zwischengeschoss) handelt es sich um eine Mischform zwischen klassischem Fremdkapital und Eigenkapital. Es zählt üblicherweise zum wirtschaftlichen, in manchen Fällen sogar zum bilanziellen Eigenkapital. Von Vorteil sind vor allem die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten. Mittelständler sehen hier die Chance, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen und damit auch ihre Bonität bzw. ihr Rating zu verbessern, ohne fremde Kapitalgeber in den Gesellschafterkreis aufnehmen und ihnen weitgehende Mitspracherechte einräumen zu müssen. Insbesondere Familienunternehmer legen Wert darauf, das Ruder in der Geschäftspolitik weiterhin allein in der Hand zu behalten.

Eine wichtige Eigenschaft von Mezzanine-Kapital ist seine Flexibilität, so dass es für eine ganze Reihe von Anlässen bzw. Zwecken verwendet werden kann. Von Veränderungen im Gesellschafterkreis und der Lösung von Nachfolgeproblemen bei Mittelständlern bis hin zu Management Buyouts und der Finanzierung weiteren Unternehmenswachstums reichen die Varianten. Management Buy-ins sind damit ebenso möglich wie die Ablösung anderer Finanzierungsbausteine in der Bilanz wie z. B. Gesellschafterdarlehen.

Kreditspielraum wird erweitert

Letztlich kann ein Unternehmen mit Mezzanine-Kapital nicht nur seine Eigenkapitalbasis und damit seine Bonität stärken. In Verbindung mit der Tatsache, dass meist keine Sicherheiten gestellt werden müssen, verbessert es außerdem seinen Spielraum für die zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital. Häufig wird die Mezzanine-Finanzierung deshalb durch einen klassischen Kredit ergänzt. Es gibt aber nicht nur Vorteile. Da Mezzanine nachrangig gegenüber klassischem Fremdkapital ist, ist es auch teurer. Auf der anderen Seite ist es aber auch billiger als „echtes“ Eigenkapital beispielsweise von Beteiligungsgesellschaften. Zudem sollten Unternehmen, die Mezzanine aufnehmen wollen, einige Voraussetzungen bieten, und zwar insbesondere Wachstumsstärke gepaart mit guten Ertragsperspektiven. Möglichst sollte die Cashflow-Entwicklung bereits in den zurückliegenden Jahren stabil gewesen sein. Dies dient dem Mezzanine-Geber sozusagen als „Ersatz“ für die fehlende Besicherung und die bis dato meist nicht besonders gute EK-Quote des Unternehmens. Bonitätsprüfung bzw. Rating werden von manchen Anbietern hausintern durchgeführt, bei anderen wird ein externes Rating eingeholt, was zu etwas höheren Kosten führt. Die Laufzeit der Finanzierung beträgt in der Regel 5 bis 10 Jahre. Das Finanzierungsvolumen liegt meist zwischen einer und 40 Mio. Euro, in manchen Fällen auch darunter oder darüber.

Standardisiert oder individuell

Anbieter von Mezzanine-Kapital sind Banken, Sparkassen- und Genossenschaftsinstitute, Mittelständische Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer (MBGs) sowie unabhängige Finanzdienstleister und Private Equity-Gesellschaften. Es gibt Standard- bzw. Programm-Mezzanine und Individual-Mezzanine. Letzteres wird auf den jeweiligen Kapitalnehmer und seine Situation (Finanzierungszweck, Cashflow-Entwicklung etc.) zugeschnitten, erfordert einen höheren Arbeitsaufwand (z. B. für die Due Diligence) und ist um etwa 2 bis 4 Prozentpunkte teurer. Ersteres enthält Standardkonditionen und wird von Kreditinstituten angeboten, die die Einzelfinanzierungen von z. B. 40 Firmen zu einem „Paket“ schnüren und als Fonds am Kapitalmarkt zur Zeichnung auflegen (Verbriefung). Dies ist allerdings seit Ausbruch der Kreditkrise sehr schwierig geworden.

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