„Unternehmen müssen über genügend Anlagevermögen verfügen“

Sale & Lease Back spielt auch bei Übernahmen eine wichtige Rolle. Im Interview erklärt Carl-Jan von der Goltz, für welche Unternehmen diese Finanzierungsform infrage kommt, wie sie abläuft und warum sie in die Cashflow-PLanung einbezogen werden muss.

Unternehmeredition: Herr von der Goltz, welche Rolle spielt Sale & Lease Back bei Übernahmen oder Beteiligungen?

von der Goltz: Gerade in M&A-Situationen im Restrukturierungs-Umfeld steht gewöhnlich kein Bankpartner für eine Akquisitionsfinanzierung zur Verfügung. Hier ist die bonitätsunabhängige Finanzierung über die Aktivseite, also das Anlagevermögen wie Maschinen und Anlagen des zu übernehmenden Unternehmens, eine interessante Alternative. Auch kleinere Beteiligungsgesellschaften, die aus der Restrukturierung zukaufen, bedienen sich zunehmend häufiger dieser Option. Der Grund ist ganz einfach: Auch hier wird in der Regel kaum „Leverage“-Finanzierung angeboten und die Eigenkapital-Zielrendite der Investoren liegt über dem, was unsere Sale-&-Lease-Back-Finanzierung kostet.

Bei welchen Deals ist dieses Finanzierungsinstrument interessant?
Neben den Distressed-Fällen ist das Instrument für jegliche M&A-Transaktionen im Small-Cap-Bereich interessant, also auch für Unternehmen mit einer mittleren Bonität. Gerade bei M&A-Transaktionen im Volumen von 1–5 Mio. EUR steigen die regionalen Banken oft aus. Das Volumen für die überregional tätigen Banken ist hingegen oftmals deutlich zu klein.

Warum machen das nicht die Banken?
Die Banken in Deutschland haben in der Regel keine Expertise in der Bewertung und Finanzierung von beweglichem Anlagevermögen. Hier kann nur eine spezialisierte Leasinggesellschaft, die den Schwerpunkt auf die Werthaltigkeit des Anlagevermögens legt und nicht auf die Bonität, als Finanzierungspartner infrage kommen.

Wie läuft das ab?
Im ersten Schritt wird eine Schreibtisch-Bewertung des kompletten Anlagevermögens des Unternehmens vorgenommen. Nach einer ersten Indikation hinsichtlich der Werte durch den Finanzierungspartner erfolgt eine gutachterliche Aufnahme des Anlagevermögens vor Ort an den Standorten des Unternehmens. Der im Gutachten aufgeführte Zeitwert der Maschinen und Industrieanlagen ist dann die Basis eines verbindlichen Sale-&-Lease-Back-Angebots durch den Finanzierungspartner. Erst dann wird die Einreichung weiterer Unterlagen seitens des Unternehmens notwendig, wie z.B. Eigentumsnachweise oder Sicherheitenfreigaben. Bankübliche Unterlagen werden nur insoweit angefordert, um eine drohende Insolvenz ausschließen zu können. Umfangreiche Planzahlen sowie Businesspläne oder Ähnliches werden nicht eingefordert. In Summe kann von einem sehr schlanken und schnellen Prozess gesprochen werden, der sich von der Gutachtenerstellung bis zur Auszahlung sechs bis acht Wochen hinzieht und deutlichkürzer ist als die bankübliche Kreditentscheidung.

Wo liegen die Fallstricke?
Das Unternehmen muss über ausreichend Anlagevermögen verfügen, das nicht von Rechten Dritter wie Leasinggesellschaften oder Banken belegt ist. Notfalls müssten diese freigegeben oder abgelöst werden können. Daneben bedeutet ein Sale & Lease Back auf einen Großteil des Anlagevermögens eines Unternehmens auch eine nicht unerhebliche Liquiditätsbelastung. Es fallen monatliche Leasingraten über eine Laufzeit von in der Regel vier bis fünf Jahren an, die in die Cashflow-Planung einbezogen werden müssen.

Für welche Unternehmen ist es interessant?
Der Finanzierungsbaustein Sale & Lease Back eignet sich hervorragend bei der Übernahme von produktionslastigen Unternehmen, die über einen reichhaltigen Maschinenpark verfügen, der weitestgehend abgeschrieben ist und im Eigentum des Unternehmens steht. Branchenseitig handelt es sich häufig um Unternehmen aus dem Bereich der Metall- bzw. Kunststoffbe- und -verarbeitung, dem Baugewerbe, der Lebensmittelherstellung, der Textilproduktion oder der Verpackungsindustrie . Es sind also regelmäßig Unternehmen, die mit fungiblen, werthaltigen und universal einsetzbaren Maschinen arbeiten.

Ist eine Fremdfinanzierung bei den gegenwärtig niedrigen Zinsen nicht die bessere Alternative?
Unserer Erfahrung nach unterscheiden Banken in der heutigen Zeit im Hinblick auf die Finanzierung von Unternehmen eindeutig nach „bankable“ oder „non-bankable“ – und das noch deutlicher als in den Jahren vor der Krise. In den Situationen, in denen wir mit Beteiligungsgesellschaften oder Investoren über mittelständische Übernahmeziele sprechen, haben Banken in der Regel kein Interesse an einer Geschäftsbeziehung. Im Gegenteil, häufig hatten die Hausbanken im Vorfeld versucht, ihr Engagement bei diesen Unternehmen zu reduzieren und damit den Liquiditätsengpass ausgelöst, der schließlich in den Verkaufsprozess mündete. Einem Investor stellt sich also im Rahmen einer maturustypischen Übernahmefinanzierung in der Regel nicht die Frage der Zinskondition, sondern die Frage der generellen Möglichkeit einer Fremdfinanzierung am Markt.

Das Interview führte Tobias Schorr.
schorr@goingpublic.de



Zur Person:

Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter der Maturus Finance GmbH. Maturus Finance ist eine bankenunabhängige Finanzierungsgesellschaft und bietet innovative Wege in der Unternehmensfinanzierung an. www.maturus-finance.com

Autorenprofil

Tobias Schorr war von März 2013 bis Januar 2018 Chefredakteur der "Unternehmeredition". Davor war er für die Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien im Ressort Geld als Redakteur tätig. Von 2003 bis 2007 arbeitete er zunächst als Redakteur, dann als Ressortleiter beim Mittelstandsmagazin "Markt und Mittelstand". Sein Handwerk lernte er an der Axel Springer Journalistenschule.

Vorheriger ArtikelMittelstand hortet Liquidität
Nächster ArtikelBusiness Breakfast