Transparenz ist entscheidend

 

Von Dr. Robin Bartels, Mitglied der Geschäftsleitung, Deutsche Bank München

Eine geregelte Nachfolge ist für familiengeführte Unternehmen besonders wichtig, denn sie haben ihr ganz eigenes Erfolgsmodell. Neben den traditionellen Stärken wie regionale Verbundenheit, Kundennähe, flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege zeichnen sie sich durch eine besondere und durch die Eigentümer als Geschäftsleitung geprägte Unternehmenskultur aus. Solche Werte lassen sich nur schwer bei einer externen Ad-hoc-Nachfolgelösung bewahren. Deshalb sollte das Thema Unternehmernachfolge langfristig angegangen werden. Dabei spielt die Bank eine wesentliche Rolle.
Offener Umgang mit der NachfolgeDie Hausbank kennt das Unternehmen und die handelnden Personen in der Regel schon über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Sie ist mit dem Unternehmer im Gespräch, und zwar nicht nur über die aktuelle Geschäftsentwicklung, sondern auch über strategische Aspekte und Zukunftsfragen. Dazu gehört, dass man die Nachfolge offen thematisiert: Gibt es eine Regelung? Wer ist der potenzielle Nachfolger? Falls es bisher noch keinen Nachfolger gibt: Wie sehen mögliche alternative Lösungen aus? Wenn es einen potenziellen Nachfolger gibt, möchte die Hausbank diesen so früh wie möglich treffen. Ist eine familiäre Lösung geplant und der Nachwuchs bereits im Unternehmen tätig, hat der Firmenkundenbetreuer oft die Möglichkeit, ihn vor Eintritt der konkreten Nachfolgesituation im aktiven Geschäft zu erleben, etwa in leitender Funktion in der zweiten Managementebene oder als Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft. Ebenso hat der Nachfolger die Chance, die Bank kennen zu lernen. Man baut über einen längeren Zeitraum gegenseitiges Vertrauen auf.

„Weiche“ und „harte“ Faktoren

In diesem Zusammenhang spielen Fähigkeiten und Erfahrungen des Unternehmers eine wichtige Rolle, die sich in Schlüsselqualifikationen zeigen oder aus früheren beruflichen Positionen mitgebracht werden. Die Betrachtung der eigentlichen Führungsqualitäten ist dabei vor allem dadurch bestimmt, den Einfluss des Unternehmers auf die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens einzuschätzen. Bei der Unternehmensnachfolge spielen auch „weiche“ Faktoren eine große Rolle. So wird sich die Einschätzung von Managementqualitäten schließlich in „harten“ Zahlen wiederfinden. Insofern interessiert uns schon, wie der heutige Inhaber mit dem Thema Nachfolge umgeht. Sollte er erkennen, dass sie sich nicht in der Familie realisieren lässt, gilt es, trotz flacher Strukturen potenzielle Nachfolger im Unternehmen aufzubauen. Wichtig ist, dass das Problembewusstsein vorhanden ist.

Fazit:
Wie auch immer die Lösung dann letztlich aussieht, entscheidend ist das aktive Management der Nachfolgeregelung. Firmenkunden und Bank verbindet das Interesse an einer erfolgreichen Nachfolge. Sollte eine innerfamiliäre Übergabe nicht möglich sein, gibt es viele Optionen, wobei ich nochmals betone, dass zunächst die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema entscheidend ist. Erst später kann entschieden werden, ob schließlich eine Stiftungslösung und/oder aber der Verkauf des Unternehmens an einen strategischen oder einen Finanzinvestor in Frage kommt. Hierbei können Banken einen substanziellen Beitrag zur Entscheidungsfindung leisten und Lösungen individuell umsetzen. Der Umgang des Managements mit der Nachfolge ist für Kreditinstitute wesentlich. Irgendwann findet eine erfolglose Nachfolge auch Niederschlag in der Gesamtbonität eines Unternehmens. Dies gilt es früh zu vermeiden.

Autorenprofil

Dr. Robin Bartels (robin.bartels@db.com) ist Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank in München und verantwortlich für die Firmenkunden in der Region Bayern-Süd. www.firmenkunden.deutsche-bank.de

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