Neben polemischen Wahlkampfmanövern wie dem viel zitierten Heuschreckenvergleich sind die Finanzinvestoren für ihren überwiegend schlechten Ruf aber auch selbst verantwortlich. Viel zu lange scheuten gerade die größten Marktteilnehmer wie Blackstone und KKR die Öffentlichkeit. Pressearbeit, sofern es sie denn gab, empfand man als lästiges Übel – schließlich lassen sich im Verborgenen die besten Deals machen. So schaute der amerikanische Finanzinvestor Texas Pacific Group lange tatenlos zu, wie die Finanzpresse über den „viel zu teuren“ Kauf des Sanitärunternehmens Grohe herzog und die überzogene Bewertung durch den neuen Eigentümer für den Verlust von 1.500 Arbeitsplätzen in Deutschland verantwortlich machte. Dass Grohe heute wieder wächst und deutlich weniger Stellen gestrichen wurden, als zunächst erwartet, fand weit weniger Beachtung.

Auch die Aktivitäten der Verbände erzielten nicht immer den gewünschten Effekt: Getrieben von dem Verlangen, den positiven volkswirtschaftlichen Effekt von Private Equity zu belegen, veröffentlichte die European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) Ende 2005 eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass Private Equity-finanzierte (nur Buyouts, d. h. ohne Venture Capital) Unternehmen zwischen 2000 und 2004 unter dem Strich 420.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Zahlreichen Wirtschaftsredaktionen blieben jedoch zwei schwerwiegende Mängel der Datenbasis nicht verborgen: Zum einen lieferten von rund 1.000 für die Untersuchung kontaktierten Fonds insgesamt nur für 201 Private Equity-finanzierte Unternehmen ausreichende Daten. Zum anderen wurden nur die aktuellen Portfolios abgefragt, die in vollends abgeschriebenen Firmen verlorenen Arbeitsplätze blieben damit generell außen vor.

Wie zahlreiche Beispiele zeigen, ist Private Equity trotz gelegentlicher Schwächen in der Öffentlichkeitsarbeit für viele Anlässe eine sinnvolle Finanzierungsform. Private Equity-Häuser trauen sich an Aufgaben, die von Banken nicht mehr finanziert werden (z. B. Märklin, S. 34-35), ermöglichen Nachfolgelösungen (Dahlewitzer Landbäckerei, S. 38-39) und engagieren sich als Minderheitsinvestor (Birkel, S. 36). Private Equity ist grundsätzlich aber ein Partner auf Zeit – und damit kein Allheilmittel, wie Stefan Messer, CEO der eigentümergeführten Messer Group (siehe S. 6-7), und Ralf Däinghaus, Mitgründer der Versandapotheke DocMorris (siehe S. 32), deutlich machen. Generell stehen in dieser Ausgabe nicht Finanzinvestoren im Fokus, sondern mittelständische Unternehmer. In zahlreichen Interviews und Fallstudien berichten sie von erfüllten und enttäuschten Erwartungen, ihren Erfahrungen und ihren Ängsten. Gängige Vorurteile werden hinterfragt, Kritikpunkte offen angesprochen. Das Ergebnis ist vielseitig – genau wie Private Equity.

Ich wünsche Ihnen eine kurzweilige und informative Lektüre,
uhde@unternehmeredition.de