„Portfoliopflege steht derzeit ganz oben auf der Agenda“

 

Die Finanzkrise stellt auch die Private Equity-Branche vor Herausforderungen. So wurden gemäß der aktuellen Statistik des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) im 1.Halbjahr 2009 nur noch 602 Mio. Euro in Deutschland investiert…

Die Finanzkrise stellt auch die Private Equity-Branche vor Herausforderungen. So wurden gemäß der aktuellen Statistik des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) im 1.Halbjahr 2009 nur noch 602 Mio. Euro in Deutschland investiert, 2008 war das Volumen im 1. Halbjahr mit 4.036 Mio. Euro noch fast siebenmal so hoch. Im Interview spricht die BVK-Geschäftsführerin Dörte Höppner über die aktuellen Entwicklungen, das Verhältnis mittelständischer Unternehmer zu Beteiligungskapital sowie das Kapitalmarktgesetz.

Unternehmeredition: Frau Höppner, wie entwickeln sich gegenwärtig die Private Equity-Transaktionen, insbesondere im Mittelstand?
Höppner: Wenn überhaupt, dann findet das Buyout-Geschäft auf sehr niedrigem Niveau statt – große Transaktionen gibt es derzeit keine. Im mittelständischen Bereich gibt es zwar einige Aktivitäten, dabei handelt es sich aber eher um kleinere Deals, bei denen auch Bankfinanzierungen wieder mit ins Spiel kommen – vorausgesetzt, mehrere Banken schließen sich zusammen und übernehmen je einen Anteil. Dieses Jahr gab es sogar Transaktionen, die übergangsweise mit 100% Eigenkapital gestemmt wurden und bei denen eine spätere Rekapitalisierung geplant ist, sobald sich der Bankensektor wieder erholt. Generell wird das gesamte Transaktionsvolumen 2009 sicherlich unter dem des Vorjahres bleiben. Ein großes Problem, das vielen Transaktionen derzeit jedoch im Wege steht, ist die Kluft zwischen den Bewertungsvorstellungen von Investoren und Unternehmern. Letztere sind oft noch nicht bereit, von den hohen Preisvorstellungen, die letztes Jahr vielleicht noch gerechtfertigt waren, aktuell Abstand zu nehmen. Der derzeitigen Verknappung des Angebots steht eine gestiegene Nachfrage des Mittelstands gegenüber. Die Unternehmen müssen sich zunehmend nach Finanzierungsalternativen umsehen, da die Banken nur sehr zögerlich Kredite vergeben. Manche müssen sogar dringend ihre Eigenkapitalbasis stärken. Für Beteiligungsgesellschaften ist eine etwas in die Schieflage geratene Unternehmensbilanz kein Hinderungsgrund, wenn das Unternehmen operativ gut aufgestellt ist. Doch Private Equity ist kein Massenprodukt, erst recht keines, dass kurzfristig wirken kann. Derzeit sind rund 6.400 Firmen in Deutschland Private Equity-finanziert, es werden aber in den nächsten Jahren deutlich mehr.

Unternehmeredition: Hat sich die Aufgeschlossenheit von deutschen Mittelständlern gegenüber Private Equity in den letzten Jahren verbessert? Wenn ja, was waren die Gründe dafür?
Höppner: Neben den bereits geschilderten Gründen – Basel II und Finanzmarktkrise führen zur Einschränkung des Kreditangebots – halten wir den Generationenwechsel in den Unternehmen für den Hauptgrund für eine größere Aufgeschlossenheit – nicht nur gegenüber Private Equity, sondern generell gegenüber neuen Formen der Unternehmensfinanzierung. Wir hoffen außerdem, dass unsere Bemühungen, die Branchenkommunikation durch mehr Transparenz, wie bei unseren Internetauftritten, zu verbessern, auch ein Stück dazu beitragen werden, dass sich Unternehmer mehr mit dem Thema beschäftigen.

Unternehmeredition: Wie ist es derzeit um die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen von Private Equity in Deutschland bestellt? Was hat sich verbessert und wo sehen Sie noch den größten Nachholbedarf?
Höppner: Einen Erfolg konnten wir mit der Entschärfung der Novellierung des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) verbuchen. Im Gesetz wurde unser Vorschlag aufgegriffen, wonach außereuropäische Bieter, die ein deutsches Unternehmen kaufen wollen, innerhalb eines Monats verbindlich Rechts- und damit Transaktionssicherheit erhalten, solange kein offizieller Einspruch eingelegt wird. Im ursprünglichen Entwurf war diese Unbedenklichkeitsbescheinigung eine reine Ermessensentscheidung und an keinerlei Fristen gebunden. Beim Thema Private Equity-Gesetz sind wir hingegen nicht weitergekommen. Wir benötigen dringend eine rechtliche Verankerung der Branche, sei es als eigenständiges Gesetz oder eingegliedert in das Investmentrecht. In der nächsten Legislaturperiode werden wir diesbezüglich einen neuen Anlauf wagen.

Unternehmeredition: Welche weiteren Trends werden das PE-Jahr 2009 besonders im Hinblick auf den Mittelstand beherrschen? Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für die nächsten 12 Monate ein?
Höppner: 2009 wird, was das Investitionsvolumen angeht, ein sehr verhaltenes Jahr. Ab 2010 geht es nach meiner Einschätzung wieder deutlich bergauf, jedoch wird es zu Veränderungen kommen. Finanzierungen werden höhere Eigenkapitalquoten erforderlich machen: 50% Eigenkapital ist von jetzt an Standard, in den letzten 10 Jahren lag die Quote noch durchschnittlich bei 30%. Die Haltezeiten werden länger ausfallen. Momentan liegt das an den sehr eingeschränkten Exit-Möglichkeiten, die sich künftig aber wieder verbessern werden. Genauso werden wir mehr Minderheitsbeteiligungen sehen. Die ganz großen Transaktionen bleiben auch im nächsten Jahr schwierig und werden nur vereinzelt zustande kommen. Aufgrund sehr günstiger Einstiegspreise dürften sich nächstes Jahr wieder jede Menge Chancen bieten. Nach der Krise werden wir deutlich mehr Investitionen sehen. Denn wenn Unternehmer etwas aus dieser Krise lernen, dann, dass man eine möglichst hohe Eigenkapitaldecke besitzen sollte und so unabhängiger von den Banken wird. Bis dahin wird jedoch die Portfoliopflege bei den Beteiligungsgesellschaften ganz oben auf der Agenda stehen.

Unternehmeredition: Frau Höppner, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten Markus Hofelich und Esther Mischkowski.
redaktion@unternehmeredition.de

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Zur Person: Dörte Höppner

Dörte Höppner ist seit Januar 2008 Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. Der BVK vereint als Interessensvertretung der Private Equity-Branche in Deutschland über 320 Mitglieder, davon 217 Beteiligungsgesellschaften, unter einem Dach. www.bvkap.de

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