„Mit dem Generationswechsel steigt die Offenheit für Private Equity“

Unternehmeredition: Wie kam es später zum Eigentümerwechsel von Alpinvest zu Hannover Finanz?
Goebel: Es war ein reiner Secondary Buy-out. Alpinvest wurde von einer größeren niederländischen Beteiligungsgesellschaft übernommen, welche die Henkelhausen-Beteiligung nicht weiterführen wollte. Ein Verkauf gestaltete sich aber nicht einfach in der Zeit 2002 und 2003, denn die Börsenkrise hatte Investitionsklima und Bewertungsniveau deutlich verschlechtert. Schließlich fanden wir 2003 mit Hannover Finanz einen geeigneten Investor. Aus heutiger Sicht war es für ihn ein echtes Schnäppchen, denn das Unternehmen hat sich seither ziemlich dynamisch entwickelt. Bis zum Jahr 2008 wurde der Umsatz fast verdoppelt – von 36 Mio. EUR 2003 auf rund 70 Mio. EUR, bevor er 2009 krisenbedingt auf 58 Mio. EUR sank. Beim Ertrag lief es seit 2003 ebenfalls sehr gut. Die Hannover Finanz Gruppe ist ein verlässlicher Partner mit einem sehr differenzierten Verständnis für die unterschiedlichen Industrien und deren Bedürfnisse.

Unternehmeredition: Wie sind die Anteilsverhältnisse heute?
Goebel: Zusammen mit meiner Frau halte ich – über die zwischenzeitlich gegründete Felix GLP Beteiligungs-GmbH – 55% der Anteile an der Henkelhausen Gruppe, während die Hannover Finanz Gruppe mit 45% beteiligt ist. Am Anfang hatte Hannover Finanz 49% übernommen, meine Frau und ich 51%. Das Verhältnis hat sich durch Wirksamwerden eines Equity Kickers auf 45 zu 55 verschoben.

Unternehmeredition: Wie ist die Zusammenarbeit mit den Private Equity-Häusern bisher gelaufen? Fühlen Sie sich nicht zu sehr eingeengt in Ihren unternehmerischen Entscheidungen?
Goebel: Wenn Sie operativ erfolgreich sind, lassen die Private Equity-Manager Sie weitgehend in Ruhe. In schwierigen Zeiten gibt es dagegen mehr Abstimmungs- und Entscheidungsbedarf. Wichtig ist aber generell, dass man auf die Kontinuität der Gesprächspartner auf der PE-Seite achten sollte. Bei Alpinvest wechselte der Ansprechpartner mehrmals innerhalb relativ kurzer Zeit. Das ist bei Hannover Finanz anders – es immer noch der gleiche, der die Transaktion über die Bühne gebracht hat. Und die Zusammenarbeit ist sehr angenehm.

Unternehmeredition: Wie wirkt sich die Beteiligung bzw. die Mitsprache durch einen Finanzinvestor auf das Unternehmensmanagement aus Ihrer Sicht aus?
Goebel: Es stärkt die Selbstdisziplin: Man achtet noch stärker darauf, dass die Zahlen in Ordnung sind, dass das Reporting gut ist. Und bei Empfehlungen bzw. Anträgen, die man auf Beiratssitzungen einbringt, macht man sich noch stärker Gedanken darüber, was das Unternehmen wirklich nach vorne bringen kann. Ein guter Finanzinvestor ist auch ein guter Sparringspartner für strategische Überlegungen wie beispielsweise über eine Akquisition oder die Gründung eines Joint Ventures und in diesem Zusammenhang auch über die richtigen Strukturen für das Unternehmen. Wir haben einen sehr kompetent besetzten Beirat, um solche Projekte und Strategien dort zu besprechen. Auch in Fragen der Finanzierung und Bilanzierung habe ich in Hannover Finanz einen wichtigen Ansprechpartner. Ich hatte dabei auch Glück, denn die Private Equity-Welt ist nicht einheitlich, die Akteure sind verschieden. Die Hannover Finanz Gruppe ist dafür bekannt, dass sie einen konservativen Ansatz in der Finanzierung verfolgt. Die Transaktionen haben seit jeher keinen hohen Leverage. Oder anders ausgedrückt: Man fährt da keinen heißen Reifen.

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