„Mezzanine-Kapital stabilisiert ein Unternehmen sehr“

 

Die Produkte der Wolz Nautic OHG betritt man gern mit nackten Füßen: Aus edlen Hölzern wie Teak und Iroko fertigt die Firma aus dem unterfränkischen Gaukönigshofen nämlich die Schiffsdecks teurer Luxusyachten und ist nach eigenen Angaben Marktführer in diesem Segment. Im Interview spricht der geschäftsführende Gesellschafter Michael Wolz über die harten Auswirkungen der Krise auf den Yachtbau sowie die Unternehmensfinanzierung über eine stille Beteiligung der BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH.

Unternehmeredition: Herr Wolz, der Yachtbau wurde als Luxussegment sehr schnell und sehr stark von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen. Mit welchen Problemen hatten Sie in Ihrem Unternehmen besonders zu kämpfen?
Wolz: Es machte sich in unserer Branche schon einige Zeit vor der Lehman-Pleite eine Kaufzurückhaltung bemerkbar. Als dann aber dieser Super-GAU kam, stellte er alle Vorahnungen auf einen rigiden Preiswettkampf weit in den Schatten. Mit einem Einbruch der Branche von mindestens 70% hatte niemand gerechnet. Viele Werften schlossen umgehend ihre Fertigung, stornierten oder verschoben sämtliche Aufträge. Wir mussten deshalb einen unserer drei Standorte schließen und etwa die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Außerdem fuhren wir die Bestände runter und stellten Investitionen ein. Dabei sind wir noch vergleichsweise gut weggekommen, die meisten Mitbewerber mussten noch viel drastischere Einschnitte vornehmen. Das Verrückte an dieser Krise ist nämlich: Wir haben in dem erodierenden Markt sogar noch Anteile hinzugewonnen, und das trotz eines Umsatzeinbruchs bei Wolz Nautic von über 50%.

Unternehmeredition: Wolz Nautic war Ende September bei der Monaco Yacht Show in Monte Carlo vertreten. Konnten Sie dort eine Erholung der Branche feststellen?
Wolz: So wie bis vor Kurzem die schlechten Nachrichten permanent wie Granaten einschlugen, so hagelt es jetzt seit Anfang September gute Nachrichten. Es waren zwei harte Jahre, aber nun steigen die Verkaufszahlen wieder kräftig an. Mit Beginn der Messesaison in Südeuropa konnten die meisten unserer Kunden endlich wieder hervorragend verkaufen, für manche Schiffstypen sogar schon die komplette Jahresproduktion. Mit einem solchen Erfolg haben sie selbst gar nicht gerechnet. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass es die Branche geschafft hat. Und wir nutzten trotz Verlusten die Zeit, um unsere Produktpalette und unseren Markt zu erweitern. Außerdem haben wir nun erstmals auch ins Marketing investiert. Vor der Krise hatten wir die komfortable Situation, dass wir auch ohne Werbemaßnahmen immer voll ausgelastet waren.

Unternehmeredition: Mussten Sie während der letzten zwei (Krisen-)Jahre einen erschwerten Zugang zu Fremdkapital feststellen?
Wolz: Das größte Problem der gesamten Branche war, dass die Leasingbanken keine Schiffskäufe mehr finanziert haben. In den vergangenen Jahren wurden über 50% der Boote über Leasing finanziert. Und wenn die Banken sich zurückziehen, bricht der Markt komplett in sich zusammen. Genauso verhielt es sich auch mit den Factoring-Banken. Wir refinanzierten uns zu einem großen Teil über Factoring, doch das war nun noch bedingt möglich, spätestens als ein wichtiger Kunde von uns und zudem ein großer Player der Branche nahe der Insolvenz stand. Jetzt steht er wieder gut da, aber damals erschütterte das die ganze Branche wie ein Erdbeben, und die Factoring-Linien wurden sofort gestrichen. Alle unsere Kunden haben stark an Bonität eingebüßt, und uns hat das natürlich auch extreme Probleme bereitet. Mittlerweile merkt man wiederkehrendes Interesse der Banken.

Unternehmeredition: Die BayBG stieg ja dann bei Ihnen im August 2010 mit einer stillen Beteiligung in Höhe von 750.000 EUR ein. Was war der Finanzierungsanlass?
Wolz: Wir wollen einerseits mehr Marketing betreiben und uns breiter aufstellen, z.B. mehr in das Luxusbadsegment einsteigen. Wir haben zwar als „Hidden Champion“ und Marktführer in der Branche einen Namen, aber beim Endkunden sind wir kaum bekannt. Zum anderen wollen wir einfach unsere finanzielle Kraft stärken, um das Wachstum voranzutreiben. Wir haben einiges in der Krise entwickelt, für dessen Umsetzung wir nun Kapital brauchen. Außerdem stoßen fast wöchentlich neue Kunden hinzu. Unsere Produkte sind sehr individuell, man muss vorher viel Entwicklung und Engineering hinein stecken, bevor man Umsätze generiert. Deshalb haben wir die Zusammenarbeit mit der BayBG gesucht.

Unternehmeredition: Was sprach für dieses mezzanine Finanzierungsinstrument und für die BayBG als Kapitalgeber?
Wolz: Wir haben schon einmal vor vielen Jahren mit diesem Gedanken gespielt, und in der Krise ist er wieder neu aufgeflammt. Als wir dann den Kontakt zur BayBG suchten, hat die Chemie sofort gestimmt. Wir haben zwar auch andere Möglichkeiten abgetastet, z.B. die Factoring-Linien zu erhöhen oder Beteiligungskapital einzuwerben, aber die BayBG stellte sich sofort als Partner heraus, der begreift, was eine Firma braucht, die schwere Zeiten hinter sich hat: Dass man nach vorne schauen und sich nach den Chancen ausrichten muss. Außerdem agieren wir in unseren Entscheidungen weiterhin sehr selbstständig. Obwohl damals noch nicht absehbar war, wann der Knoten in der Branche platzt, war die BayBG von Anfang an sehr engagiert. Und sie stellten die richtigen Fragen, was zeigte, dass sie etwas von der Materie verstehen. Das ist nicht selbstverständlich: Hier in Deutschland, insbesondere in Süddeutschland, gibt es nur wenige, die sich in der Bootsbranche gut auskennen.

Unternehmeredition: Hätten Sie Mezzanine denn überhaupt genutzt, wenn keine Krise gekommen wäre?
Wolz: Wir hatten vor einigen Jahren ja schon einmal die Überlegung, und da kam es uns zu teuer vor. Wir hatten zwar dann mit einer unserer Hausbanken eine größere Investition getätigt, die zu einem geringeren Teil mit Mezzanine-Kapital finanziert wurde. Die Kosten waren bei der Kombination aus teurem Mezzanine und günstigen Kredit jedoch relativ ausgewogen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich eine stille Beteiligung ohne die Erfahrungen der Krise wahrscheinlich nicht eingegangen wäre. Aber wenn man einmal erlebt hat, wie in kürzester Zeit alle Finanzierungsinstrumente, Kunden und Umsätze komplett weg brechen, sieht man das in einem ganz anderen Licht. Wir hatten vor der Krise ein sehr rasantes Wachstum hinter uns, und ich würde das heute nicht mehr ohne Mezzanine oder ein vergleichbares Instrument finanzieren. Mezzanine-Kapital stabilisiert ein Unternehmen sehr, und wir hätten vielleicht in der Krise manche Entscheidung mehr forcieren oder schneller treffen können.

Unternehmeredition: Herr Wolz, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Esther Mischkowski.
redaktion@unternehmeredition.de


Zur Person: Michael Wolz
Michael Wolz leitet zusammen mit seinem Bruder Andreas als geschäftsführender Gesellschafter die Wolz Nautic OHG. Das Familienunternehmen aus der Boots- und Yachtbaubranche wurde 1927 gegründet und erwirtschaftete 2008 mit etwa 200 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 16 Mio. EUR. www.wolznautic.de

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