Dr. Hans-Peter Wild hat seit 1974 die Entwicklung und Internationalisierung des Unternehmens Wild – 1931 von seinem Vater Rudolf Wild gegründet – maßgeblich vorangetrieben. Heute zählt die Wild Flavors GmbH zu den weltweit führenden Herstellern von natürlichen Zutaten für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. In Vorbereitung auf den Kapitalmarkt hat Hans-Peter Wild 2010 den internationalen Investor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) mit an Bord genommen. Darüber hinaus ist Dr. Wild Inhaber der Deutschen SiSi-Werke GmbH & Co Betriebs KG, die die Weltmarke Capri-Sonne produzieren und vertreiben. Im Interview spricht er über das Erfolgsrezept hinter Capri-Sonne, die Zusammenarbeit mit KKR sowie seine Zukunftsstrategie.

Unternehmeredition: Herr Dr. Wild, Ihr Unternehmen feiert dieses Jahr sein 80-jähriges Jubiläum. Wie ist es Ihnen gelungen, das Familienunternehmen zu einem Global Player zu machen?

Wild: Seit meinem Einstieg in das väterliche Unternehmen vor 37 Jahren habe ich immer konsequent das Ziel verfolgt, den internationalen Bereich stark auszubauen. In Deutschland waren unsere Produkte in den 70er Jahren bereits gut vertreten, aber die Expansion ins Ausland sah mein Vater damals eher skeptisch. Doch er ließ mich von Anfang an gewähren. Zunächst habe ich weltweit starke Partner für unsere Marke Capri-Sonne gesucht – und gefunden. Wir haben in den jeweiligen Ländern mit renommierten Unternehmen, die die Bedingungen „vor Ort“ kannten, Verträge geschlossen. Alleine hätten wir die rasche Expansion nicht stemmen können. Im zweiten Schritt ging es darum, das Ingredients-Geschäft international auszubauen. In den einzelnen Märkten haben wir – je nach kulturellem Hintergrund und wirtschaftlichen Gegebenheiten – ebenfalls sehr spezifische Strategien verfolgt: sei es die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern im Land, die Übernahme von einheimischen Firmen oder der Aufbau eigener Produktionen.

Unternehmeredition: Capri-Sonne ist neben Libella Ihr bekanntestes Produkt. Was macht den Erfolg dieser Weltmarke aus?

Wild: Libella würde ich als starke regionale Marke bezeichnen – mit einem hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland und in einigen europäischen Ländern. Mit Capri-Sonne hingegen haben wir es tatsächlich geschafft, eine Weltmarke mit deutschen Wurzeln zu etablieren. Der Erfolg basiert dabei auf mehreren Pfeilern. Erstens ist es das Natürlichkeitsprinzip, das Capri-Sonne zu seinem Erfolg verholfen hat. Die Getränke werden seit ihrer Markteinführung aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und sind frei von synthetischen Aromen oder anderen künstlichen Zutaten. 1969 war Capri-Sonne mit dieser Rezeptur absoluter Vorreiter. Heute ist die Natürlichkeit ein Trend bei Lebensmitteln, der sich weltweit durchsetzt. Zweitens der Spaßfaktor. Capri-Sonne schmeckt Kindern nicht nur hervorragend, sondern macht ihnen auch dank der einzigartigen – ökologisch vorteilhaften – Verpackung riesigen Spaß. Mit diesem Konzept haben wir es geschafft, die Mütter von der Qualität der Marke Capri-Sonne zu überzeugen und die Kinder als begeisterte Konsumenten zu gewinnen. Last but not least hat uns natürlich auch die Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern in aller Welt geholfen, die Marke international zu etablieren. In einigen europäischen Ländern arbeiten wir beispielsweise mit Coca-Cola Enterprises zusammen, in den USA mit Kraft Foods.

Unternehmeredition: Welche Rolle spielt in Ihrem Unternehmen der in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannte Geschäftsbereich Wild-INDAG, ein Engineering Center, das modernste Technologie für die Kunden aus der Nahrungsmittelindustrie liefert?

Wild: INDAG ist für beide Unternehmen – den Markenartikelbereich und das Ingredients-Geschäft – wichtig. Zum einen stellt INDAG die Beutel- und Abfüllmaschinen für alle Capri-Sonne-Partner her. Die Technik dürfte nach wie vor weltweit die effizienteste sein. Unser Engineering Center stellt aber auch tagtäglich unter Beweis, dass es die technologischen Herausforderungen im Ingredients-Bereich versteht. Wir bieten unseren Kunden die Anlagen und das technologische Know-how, das sie zur Abfüllung anspruchsvoller Produkte benötigen. Somit ist INDAG ein wesentlicher Baustein, um unsere umfassende Kompetenz in der Lebensmittelverarbeitung zu dokumentieren und unser Portfolio abzurunden.

Unternehmeredition: Seit 2010 arbeiten Sie mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) zusammen. Bitte beschreiben Sie kurz die Beteiligung, wie es dazu kam und welche Ziele Sie damit verfolgen.

 

Wild: Nach fast 80 Jahren als Familienunternehmen hatten wir eine Größe erreicht, die es erforderlich machte, neue Wege zu gehen. KKR hat uns durch seine Finanzkraft und seine internationalen Netzwerke neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnet. Deshalb habe ich mich entschieden, ein Drittel der Anteile am deutschen Aromen- und Grundstoff-Geschäft einschließlich der Tochtergesellschaften in insgesamt elf europäischen Ländern auf KKR zu übertragen. Durch die Beteiligung des Finanzinvestors haben wir nun einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt und zu Finanzquellen, die uns als Privatunternehmen bisher verschlossen waren. Dies ermöglicht uns den erwünschten beschleunigten Ausbau des Geschäftes. KKR ist ein starker Partner mit großer globaler Expertise, der uns außerdem beim Gang an die Börse unterstützen wird.

Unternehmeredition: Wie bewerten Sie die bisherige Zusammenarbeit mit der Private-Equity-Gesellschaft?

Wild: Ich freue mich sehr, dass wir hervorragend mit den Verantwortlichen von KKR zusammenarbeiten und innerhalb von nur einem halben Jahr eine neue Struktur für Wild aufsetzen konnten. Auch unsere Expansionspläne sind bereits sehr weit gediehen. Natürlich liegt noch viel Arbeit vor uns. Nun müssen wir die Organisationen weltweit zusammenführen und die Abläufe integrieren. Aber ich gehe davon aus, dass wir auch bei diesen Prozessen von der umfangreichen Erfahrung, die KKR vorzuweisen hat, profitieren können.

Unternehmeredition: Welche Zukunftsstrategie verfolgen Sie? Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Wild: Mit der aktuell etablierten globalen Struktur der Wild Flavors GmbH in Zug haben wir eine hervorragende Basis für weiteres Wachstum geschaffen. Die neue Organisation bietet uns nicht nur intern, sondern auch unseren Kunden viele Vorteile: Dank unserer international angelegten Trendforschung erfahren wir frühzeitig, wie sich die Bedürfnisse weltweit verändern. Aus dieser Kenntnis heraus können wir für unsere Kunden zukunftsträchtige Konzepte entwickeln und sie an die landesspezifischen Gegebenheiten anpassen. Als global tätiger Ingredients-Produzent und -Lieferant haben wir zudem direkten Zugang zu allen wesentlichen Rohstoffquellen und Absatzkanälen. Das eröffnet uns die Möglichkeit, unseren Kunden weltweit die besten Produkte für die jeweiligen Märkte anzubieten.
In Europa und in den USA ist unser Unternehmen bereits gut aufgestellt. In Zukunft wollen wir verstärkt in den Ausbau unseres Geschäfts in den aufstrebenden Märkten wie Brasilien, Russland, Indien und China investieren. In diesen sogenannten BRIC-Staaten leben etwa 40% der Weltbevölkerung, die jährlichen Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung übersteigen die in der Europäischen Union um ein Mehrfaches. Auch das Bevölkerungswachstum und die rasche Entwicklung einer breiten Mittelschicht sind für Hersteller von Nahrungsmitteln wie Wild hochinteressant. In Russland ist Wild schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich tätig. In China ist Wild seit 1997 präsent. 2003 haben wir in Beijing eine hochmoderne Produktion eröffnet. In Brasilien und Indien werden wir ebenfalls investieren. Insofern erwarte ich, dass wir überproportional schnell wachsen und in fünf Jahren als börsennotiertes Unternehmen sehr erfolgreich dastehen werden.

Unternehmeredition: Was ist Ihr persönlich wichtigster Rat an Familienunternehmer im Umgang mit Private Equity?

Wild: Zum einen müssen die gemeinsamen Ziele beider Partner klar und deutlich formuliert sein und der Privatunternehmer muss sich ernsthaft – und mit allen Konsequenzen – darauf einlassen wollen. Natürlich unterscheidet sich die Interessenlage einer Private-Equity-Gesellschaft deutlich von der Langfriststrategie eines klassischen Familienunternehmens. Aber wenn das gemeinsame Ziel beispielsweise wie bei uns „erfolgreicher Börsengang“ lautet, dann bieten sich durch die Zusammenarbeit klare Vorteile für beide Seiten.

Unternehmeredition: Herr Dr. Wild, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Dr. Hans-Peter Wild
Dr. Hans-Peter Wild ist Mehrheitseigner und Vorstand des Beirats der Wild Flavors GmbH (www.wild.de) in Zug (Schweiz). Der Einstieg in das elterliche Unternehmen erfolgte 1974 – mit den Ideen, das Aromengeschäft global auszubauen und mit Capri-Sonne die Weltmärkte zu erobern. Das Unternehmen Wild beschäftigt 2.000 Mitarbeiter in 70 Ländern.