Im Angesicht der Finanzkrise

 

Die Finanz- und Wirtschaftskrise war und ist das beherrschende Thema in der Wirtschaft. Geschäftspläne mussten regelmäßig korrigiert werden, die Kreditklemme bringt nach wie vor viele Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten.

Von Dörte Höppner, Geschäftsführerin, Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) e.V.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise war und ist das beherrschende Thema in der Wirtschaft. Geschäftspläne mussten regelmäßig korrigiert werden, die Kreditklemme bringt nach wie vor viele Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Dies schlägt sich in einem gestiegenen Bedarf an Alternativen zum klassischen Bankkredit und damit auch in einer anhaltend hohen Nachfrage nach Beteiligungskapital nieder. Unternehmer erkennen mehr und mehr, dass Private Equity ein zentraler Baustein im Finanzierungskonzept sein kann.

Ungebrochene volkswirtschaftliche Bedeutung

Das Thema „Eigenkapital“ wird in den nächsten Jahren eine zentrale Rolle bei deutschen Mittelständlern spielen. Private Equity (PE) ist dabei eine von verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten. Das Interesse von eher kleinen und mittleren Unternehmen an Beteiligungskapital stößt dabei auf ein großes Interesse seitens der Beteiligungsgesellschaften. Ungeachtet des öffentlichen Interesses, das sich vor allem auf die medienwirksamen großen Übernahmetransaktionen konzentriert, bleibt Beteiligungskapital in Deutschland ein Mittelstandsmarkt. Mehr als drei Viertel der 2009 mit PE finanzierten Unternehmen beschäftigen weniger als 100 Mitarbeiter. Nur 3% der Unternehmen haben mehr als 1.000 Beschäftigte. Hinsichtlich der Umsatzgrößen zeigt sich, dass gut drei Viertel weniger als 10 Mio. EUR umsetzen. Dagegen erzielen nur 8% der Unternehmen mindestens dreistellige Umsätze

Rund 6.000 deutsche Unternehmen sind derzeit mit Beteiligungskapital finanziert. Diese erwirtschafteten gemeinsam zuletzt Jahresumsätze in Höhe von 195,5 Mrd. EUR und beschäftigten rund 1,2 Mio. Mitarbeiter. Diese Angaben spiegeln die nach wie vor ungebrochene Bedeutung von PE für die Finanzierung vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen wider. Grund für die anhaltende Attraktivität mittelständischer Unternehmen ist die Vielzahl von hervorragend geführten Unternehmen, die national oder international führend in ihrem Marktsegment sind. Impulse erhält diese Entwicklung durch die zunehmende Aufgeschlossenheit der deutschen Mittelständler gegenüber PE. Zudem hat die PE-Branche ihre Bemühungen verstärkt, durch transparentere Kommunikation zu einer gestiegenen Wahrnehmung in Unternehmerkreisen beizutragen.

Zur Marktentwicklung

Die Krise hat auch vor der Beteiligungsbranche nicht halt gemacht. Als Teil der global vernetzten Finanzmärkte und aufgrund der starken Verankerung in der Unternehmenslandschaft mussten auch die deutschen PE-Gesellschaften im vergangenen Jahr auf die Bremse treten. Die Effekte zeigen sich zum einen unmittelbar – wie bei stockenden Transaktionsfinanzierungen mit Hilfe der Banken -, aber vor allem mittelbar über die Portfoliounternehmen. Deshalb waren die Beteiligungsgesellschaften 2009 besonders bei der Zukunftssicherung bestehender Beteiligungen gefordert. Nichtsdestotrotz gibt es keinen Grund für Schwarzmalerei: Weltweit stehen den PE-Gesellschaften mehr als 750 Mrd. EUR für Investitionen zur Verfügung.

Rückgang der Investitionen in Deutschland

Obwohl in Deutschland 2009 das Investitionsniveau des Vorjahres bei weitem nicht erreicht wurde, war das Investitionsgeschehen sehr rege: 1.179 Unternehmen vom Start-up bis zum Großunternehmen wurden hierzulande mit Beteiligungskapital finanziert, das waren nur 10% weniger als im Vorjahr. Das Investitionsvolumen ging jedoch um rund drei Viertel zurück: Die Investitionen in Deutschland erreichten nur noch 2.362 Mio. EUR, nach 9.122 Mio. EUR im Vorjahr. Davon wurden etwa zwei Drittel von in Deutschland ansässigen Beteiligungsgesellschaften investiert. Generell war die erste Jahreshälfte 2009 von großer Unsicherheit geprägt: Die ganze Wirtschaft hielt den Atem an und wartete ab, ob die Krise sich weiter ausbreiten würde oder ob man wieder Boden unter den Füßen spürt. In diesem Klima kamen praktisch alle wirtschaftlichen Aktivitäten zum Erliegen, die eine gewisse strategische Planung brauchen. Bewertungen waren nicht möglich, somit waren Investitionen oder Transaktionen praktisch ausgeschlossen. Dieser Umstand wurde durch die große Zurückhaltung der Banken verschärft, Fremdkapital für Unternehmenskäufe bereitzustellen. In der Folge stiegen die von den Beteiligungsgesellschaften bereitgestellten Eigenkapitalanteile bei Finanzierungen – sofern sie denn stattfanden – an, einige Beteiligungsgesellschaften finanzierten Buy-out-Transaktionen vollständig mit Eigenkapital. Dieser Trend wird sich wohl auch 2010 fortsetzen.

Ausblick auf 2010
Nach dem schwierigen Jahr 2009 wird 2010 ebenfalls ein Jahr der Herausforderungen werden. Angesichts der verbesserten konjunkturellen Aussichten ist aber damit zu rechnen, dass deutsche Unternehmen und auch die deutsche PE-Branche wieder positiver in die Zukunft blicken können: Schon im zweiten Halbjahr 2009 war eine erhöhte Investitionstätigkeit der Kapitalbeteiligungsgesellschaften festzustellen, und nach einer Umfrage rechnen gut zwei Drittel der BVK-Mitglieder mit einem Investitionsplus für 2010. Weiteres Ergebnis: Der Trend zu Minderheitsbeteiligungen und höheren Eigenkapitalanteilen setzt sich fort. Es ist sicher kein Zufall, dass eine der ersten großen Transaktionen 2010 die Minderheitsbeteiligung von KKR an dem Familienunternehmen Rudolf Wild GmbH war. Befragt nach den Herausforderungen für die Unternehmen, in denen die Beteiligungsgesellschaften investiert sind, nannten die BVK-Mitglieder vor allem Finanzierungsthemen, wie die Anpassung der Finanzierungskonzepte, die eingeschränkte Kreditfinanzierung und die Sicherung der Eigenkapitalfinanzierung. Abzuwarten bleibt, wie lange die Zurückhaltung bei den Banken anhält. Die Ratings vieler Unternehmen dürften sich auch 2010 nicht verbessern, bei vielen sogar verschlechtern, da die Banken hierfür die 2009er Zahlen heranziehen. Dies dürfte die Finanzierungssituation der Unternehmen noch einmal verschärfen.

Ein weiteres Problem des deutschen Mittelstandes wird in den nächsten Jahren die Anschlussfinanzierung für auslaufende standardisierte Mezzanine-Programme sein. Günstige Konditionen für Mezzanine dank Verbriefungen – so das Erfolgsrezept der Programme, die ab 2004 auf den Markt drängten – sind kaum realisierbar. In dieser Form wird es sie nicht mehr geben, da der Markt für Verbriefungen weltweit zusammengebrochen ist und eine durchgreifende Erholung auch nicht in Sicht ist. Diese Mezzanine-Programme laufen sukzessive in den nächsten Jahren aus. Für den Mittelstand bedeutet dies eine weitere große Herausforderung: Es gilt, eine intelligente Anschlussfinanzierung für diese Finanzierungselemente zu finden. Auch vor diesem Hintergrund wird das Thema Eigenkapital an Bedeutung zunehmen.

Autorenprofil

Dörte Höppner ist seit Januar 2008 Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. Der BVK vereint als Interessenvertretung der Private-Equity-Branche in Deutschland über 320 Mitglieder unter einem Dach. www.bvkap.de

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