Geld ist nicht alles

Private Equity-Gesellschaften sind als unternehmerisch handelnde Kapitalgeber wichtige Partner von mittelständischen Unternehmen. Viele Gesellschaften bieten über das finanzielle Engagement hinaus einen erheblichen Mehrwert durch Einbringung von Erfahrung, Management Know-how und die Öffnung bestehender Netzwerke.

Private Equity-Gesellschaften sind als unternehmerisch handelnde Kapitalgeber wichtige Partner von mittelständischen Unternehmen. Viele Gesellschaften bieten über das finanzielle Engagement hinaus einen erheblichen Mehrwert durch Einbringung von Erfahrung, Management Know-how und die Öffnung bestehender Netzwerke. Gemeinsam mit der Unternehmensführung des Beteiligungsnehmers erfolgt z. B. die systematische Erarbeitung der mittel- bis langfristigen Unternehmensstrategie, die Förderung der Internationalisierung, die Optimierung des bestehenden Geschäftsmodells oder die Strukturierung und Finanzierung erforderlicher Investitionen.

Strategiesupport

„Wir sind auf Wunsch des Unternehmens zum Teil sehr nah dran am Tagesgeschäft unserer Beteiligungsnehmer, greifen allerdings nicht in das operative Geschäft ein, sondern agieren als Sparringspartner und Berater“, erläutert Geschäftsführer Martin Völker die Strategie der WGZ Initiativkapital GmbH aus Münster, die bevorzugt als Minderheitsgesellschafter bei kleineren und mittelständischen Unternehmen aktiv ist. Dabei gehe es häufig um die Analyse der Markt- und Wettbewerbsstellung, die Ausarbeitung von Zukunftsszenarien und eine daraus resultierende Überprüfung des Geschäftsmodells. „Zu diesem Zweck bilden wir Projektgruppen oder initiieren Workshops zu strategischen und strukturellen Fragestellungen“, ergänzt Dr. Thorsten Möller, Senior Investmentmanager bei der WGZ Initiativkapital GmbH. Wichtig sei dabei, Mitarbeitergruppen verschiedener Hierarchiestufen in die Diskussion einzubinden und Ziele zu erarbeiten, die gemeinsam erreicht werden. Bereits während der Beteiligungsprüfung verifiziert Völker die Übereinstimmung zukünftiger Ziele: „Wenn sich hier kein Konsens findet, nehmen wir Abstand von einem Engagement.“

Praxisunterstützung

Private Equity-Gesellschaften sehen sich zudem als Partner bei der Realisierung von Unternehmensstrategien. So kann es neben dem üblichen Engagement im Aufsichtsrat oder Beirat schon mal sein, dass ein Vertreter des Investors von der Unternehmensführung gebeten wird, beratend an Vorstellungsgesprächen zur Besetzung von Schlüsselpositionen teilzunehmen oder Kontakt zu aussichtsreichen Kandidaten herzustellen. Auch Fragen der richtigen Finanzierungsstrategie stehen regelmäßig im Mittelpunkt. Dies sei vor allem in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen eine häufig nachgefragte Unterstützungsleistung. Dazu WGZ-Geschäftsführer Völker: „In den Jahren 2001 bis 2003 war dies sicherlich eine dominierende Fragestellung, in den letzten Jahren sind dagegen wieder Vertriebskonzepte, konkrete Maßnahmen zur Vertriebsunterstützung oder auch Geschäftsmodellbewertungen stärker in den Mittelpunkt gerückt“.

Fazit:
Der deutsche Mittelstand finanziert unternehmerisches Wachstum, Restrukturierungsmaßnahmen oder Nachfolgeregelungen zunehmend auch mit Hilfe von Private Equity. Dabei setzt sich immer stärker die Erkenntnis durch, dass die Investoren maßgeblich zur erfolgreichen Unternehmensentwicklung beitragen können. Bereits 2003 hat eine Befragung des BVK von Private Equity-finanzierten Mittelständlern ergeben, dass die Kapitalgeber besonders in der Rolle als kompetenter Diskussionspartner (65% der befragten Unternehmen), als finanzieller Berater (46%), als Entscheidungshilfe für das Management (39%) sowie in der Kontaktvermittlung (34%) und Unterstützung bei der Strategieentwicklung (30%) geschätzt werden.

Marc Kley
redaktion@unternehmeredition.de

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