„Das Schuldscheindarlehen ist Kernstück unserer Fremdfinanzierung“

Der Hamburger Logistikdienstleister Hoyer gehört zu den Weltmarktführern von flüssigen Transporten – wie chemischen Produkten, Lebensmitteln, Gas oder Mineralöl – auf Straße, Schiene und See. In den mehr als 60 Jahren seit Gründung hat sich Hoyer vom Einzelunternehmen zu einer unabhängigen Firmengruppe mit Milliardenumsatz entwickelt. Im Interview spricht Beiratsvorsitzender Thomas Hoyer über die Geschäftsentwicklung und das Finanzierungsinstrument Schuldscheindarlehen.

Unternehmeredition: Herr Hoyer, Ihre Firma wird seit der Gründung 1946 durch den Zusammenhalt und die Unternehmenskultur eines traditionellen mittelständischen Familienunternehmens geprägt. Heute beschäftigen Sie weltweit 5.200 Mitarbeiter in über 80 Ländern. Was bedeutet es für Sie, Familienunternehmer zu sein?

Hoyer: Im Gegensatz zur Politik können wir im Mikrokosmos Familienunternehmen die Dinge hoffentlich positiv bewegen. Wichtig ist das dynastische Prinzip über Generationen hinweg. Treuhänderisch habe ich die Fackel der Leidenschaft von meinem Vater übernommen und werde sie an die nächste Generation weiterreichen.

Unternehmeredition: Was ist der USP der Hoyer-Gruppe?

Hoyer: Hoyer verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in dem Spezialsegment „Flüssigtransporte“ einschließlich Gefahrgüter für Kunden aus der Chemie-, Mineralöl-, Gas- und Lebensmittelindustrie. Sichere Prozessbeherrschung und eine hohe Servicequalität für unsere Kunden zeichnen das Unternehmen aus. Aufgrund seiner globalen Präsenz und der permanenten Verfügbarkeit von Spezialequipment kann Hoyer seinen Kunden ein leistungsstarkes und wettbewerbsfähiges logistisches Netzwerk zur Verfügung stellen und auch anspruchsvollste Transportaufträge schnell und anforderungsgerecht abwickeln. Darüber hinaus bietet Hoyer vielfältige logistische Dienstleistungen über den reinen Transport hinaus an. Dazu gehören beispielsweise der Betrieb von Logistikzentren in Kundennähe mit hochspezialisierten Verlade- und Abfüllvorrichtungen sowie Lagerkapazitäten und intermodale Anbindungen. Ergänzt werden diese Standorte durch ein Portfolio an technischen Dienstleistungen mit Tankreinigungsanlagen, Tankcontainer-Depotflächen und Werkstatteinrichtungen für Reparaturen an technischem Equipment. Hoyer bietet seinen Kunden also ein „full service“-Paket rund um die Flüssigstofflogistik.

Unternehmeredition: 2011 ist es Ihnen gelungen, die Umsatzschwelle von einer Milliarde EUR zu erreichen – es war das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr der Firmengeschichte. Was waren die wichtigsten Wachstumstreiber?

Hoyer: Seit Gründung des Unternehmens betrachtet, waren die Hauptwachstumstreiber die frühzeitig gestartete und konsequent fortgeführte Internationalisierung des Geschäfts durch die weltweite Gründung von Tochtergesellschaften sowie der Aufbau eines internationalen Agentennetzwerkes. 2011 bestand die Hoyer-Gruppe aus 13 inländischen und 45 ausländischen Tochtergesellschaften. Einschließlich des Agentennetzwerkes ist Hoyer in rund 100 Ländern der Erde vertreten. Ergänzt wurde dieses Wachstum aus geographischer Expansion durch Unternehmensübernahmen. In den letzten Jahren haben alle unsere Business Units zum Wachstum beigetragen, jedoch gab es das dynamischste Wachstum im Bereich der Chemielogistik, die über 50% des Hoyer-Geschäfts ausmacht. Hier konnten insbesondere die intermodalen Transporte in Europa und vor allem die Interkontinentaltransporte stark zulegen.

Unternehmeredition: Im Herbst 2012 haben Sie gemeinsam mit den Arrangeuren DZ Bank und IKB Deutsche Industriebank ein Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von 75 Mio. EUR begeben. Das Gesamtvolumen wurde aufgrund der großen Nachfrage von ursprünglich 60 auf 75 Mio. EUR erhöht. Welches Fazit ziehen Sie und wofür werden die Mittel verwendet?

Hoyer: Die Schuldscheindarlehensfinanzierung 2012 war ein voller Erfolg. Das Orderbuch war annähernd dreifach überzeichnet und wir konnten die Finanzierungsmittel in der 3-Jahres-, 5-Jahres- und 7-Jahrestranche jeweils am unteren Ende der Zinsvermarktungsspanne platzieren. Neben dem traditionell starken Engagement in Schuldscheindarlehen seitens inländischer Banken, Sparkassen und Versicherungen sind wir auch auf ein zunehmendes Interesse ausländischer Investoren gestoßen. Für Hoyer war dies bereits die zweite Emission eines Schuldscheindarlehens. Unsere positiven Erfahrungen aus der Erstemission 2006/2007 haben sich 2012 erneut bestätigt. Während damals jedoch die Marktzinsen hoch und die Bankmargen eher gering waren, hat sich das jetzt gedreht. Allerdings sorgen die in Summe niedrigen Gesamtkosten unserer neuen Finanzierung für ein historisch sehr günstiges Einstandsniveau. Für gut aufgestellte Unternehmen mit einem tragfähigen Geschäftsmodell, Wachstumsperspektiven sowie solider Unternehmensführung stellt das Schuldscheindarlehen eine sehr attraktive Finanzierungsvariante dar. Die Beauftragung von zwei arrangierenden Banken für unser Schuldscheindarlehen wäre zwar nicht zwingend notwendig gewesen, jedoch konnten wir so eine sehr breite Investorenbasis ansprechen und das Platzierungsrisiko minimieren. Dieser Mehraufwand hat sich durch eine exzellente Koordination der beiden Banken untereinander jedoch in engen Grenzen gehalten. Das eingesammelte Kapital wurde zum großen Teil (45 Mio. EUR) eingesetzt zur Refinanzierung von zwei 2012 ausgelaufenen Schuldscheindarlehen-Tranchen aus unserer Erstemission 2006/2007. 20 Mio. EUR wurden verwendet zur Tilgung kurzfristiger Darlehen und 10 Mio. EUR haben wir zunächst als Liquiditätsreserve für Akquisitionen gehalten. Dieser Betrag ist dann später eingeflossen in die Finanzierung der Akquisition des Liquid-Bulk-Geschäfts von De Rijke, das im Januar dieses Jahres von Hoyer übernommen wurde.

Unternehmeredition: Was spricht aus Ihrer Sicht für das Instrument Schuldscheindarlehen und welche Rolle spielt es in Ihrem Finanzierungsmix?

Hoyer: Das Schuldscheindarlehen ist ein sehr verlässliches und transparentes Finanzierungsinstrument nach deutschem Recht. Damit kann sich ein Unternehmen einen breiteren Investorenkreis erschließen, ohne die Nachteile einer echten Kapitalmarkttransaktion wie etwa die aufwändige Erstellung von Emissionsprospekten oder ein öffentliches Rating hinnehmen zu müssen. An dem Hoyer-Schuldscheindarlehen haben sich 47 Investoren beteiligt. Üblicherweise sind das „Buy and Hold“-Investoren, die bis zum Laufzeitende engagiert bleiben. Diese Investorenklasse passt optimal zu einem auf Beständigkeit und langfristige Entwicklung ausgelegten Familienunternehmen. Gleichzeitig wird eine gewisse bankenunabhängige Finanzierung erreicht und Kreditlinien werden freigehalten für zum Beispiel Akquisitionsfinanzierungen. Das Vertragswerk zu einem Schuldscheindarlehen ist verglichen mit anderen Finanzierungsformen dieser Größenordnung sehr schlank. Einzelne Tranchen können auch auf Konzerngesellschaften begeben werden. Üblicherweise ist eine Schuldschein-Finanzierung frei von Besicherungen, der Vertrag sieht allerdings die Einhaltung von Financial Covenants vor. Für Hoyer ist das Schuldscheindarlehen das Kernstück der langfristigen Fremdfinanzierung.

Unternehmeredition: Wie hat sich Ihr Geschäft im vergangenen Jahr entwickelt? Wie ist Ihr Ausblick für den weiteren Jahresverlauf?

Hoyer: Gemessen an den europäischen und globalen ökonomischen Rahmenbedingungen des Jahres 2012 sind wir mit der finanziellen Entwicklung sehr zufrieden. Das Umsatzvolumen konnte leicht oberhalb der 1-Mrd.-EUR-Marke auf Vorjahresniveau gehalten werden. Ein gegenüber dem Vorjahr leichter Volumenrückgang der Transportaufträge, ausgelöst vor allem durch ein leicht rückläufiges Produktionsvolumen in der chemischen Industrie, konnte durch einen stärkeren US-Dollarkurs ausgeglichen werden. Der Markt war 2012 gekennzeichnet dur
ch ein nicht ausbalanciertes Verhältnis zwischen Transportnachfrage und verfügbarem -equipment, so dass es zu einem deutlichen Preis- und Margendruck gekommen ist. Hoyer konnte aber dennoch die Umsatzrendite auf einem Niveau oberhalb von 3% halten. Damit haben wir in der Branche ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt. Für 2013 erwarten wir keine wesentlichen Marktveränderungen, so dass wir 2013 von einer ähnlichen Entwicklung wie 2012 ausgehen.

Unternehmeredition: Was ist Ihre wichtigste Empfehlung an Familienunternehmer in Bezug auf die Finanzierung?

Hoyer: Der wichtigste Aspekt der Finanzierung von Familienunternehmen ist eine solide Eigenkapitalausstattung als Grundvoraussetzung dafür, die Fremdverschuldung so niedrig wie möglich zu halten. Hoyer hat eine Eigenkapitalquote um die 40% und wird diese weiter ausbauen. Generell sollte eine zu große Abhängigkeit von Banken vermieden werden. Hoyer hat sich daher dazu entschieden, als Kernstück für die Fremdfinanzierung das Schuldscheindarlehen zu wählen mit einem größeren Kreis stabiler Investoren. Gleichwohl sind Banken ein sehr wichtiger Finanzierungspartner für Familienunternehmen. Wir pflegen Geschäftsbeziehungen zu einem engeren Kreis von Kernbanken, die uns mit hinreichenden Kreditlinien für die Working-Capital-Finanzierung und bei Bedarf auch für Investitionsfinanzierungen versorgen. Auch die Finanzierung größerer Projekte wie etwa Akquisitionsfinanzierungen sollte über diesen Kernbankenkreis laufen. Mit den Banken sollte eine sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit erfolgen, die sich auch in schwierigeren Zeiten als stabil erweist. Dazu gehören dann auch eine sehr große Offenheit gegenüber den Banken und eine rechtzeitige Einbeziehung in strategische Überlegungen und Vorhaben.

Unternehmeredition: Zahlreiche Familienunternehmen insbesondere in der Transportbranche scheuen zu starke Transparenz und Öffentlichkeit. Hoyer veröffentlicht seit 1995 jährlich Unternehmensbericht („das rote Heft“) und wurde dafür 2008 mit einem internationalen Preis ausgezeichnet. Welche Ziele verfolgen Sie damit und wie wichtig ist Ihnen eine transparente Kommunikation?

Hoyer:Die Chancen aus einer aktiven und transparenten Unternehmenskommunikation sind weitaus größer als mögliche Risiken aus der Preisgabe von vor allem finanziellen Details. Ein solide aufgestelltes und gut geführtes Unternehmen mit hoher Kundenorientierung hat keinen Grund, darüber nicht zu berichten. Im Gegenteil, für alle Stakeholder des Unternehmens ist eine regelmäßige und aussagekräftige Kommunikation, wie wir sie mit unserem jährlichen Unternehmensbericht betreiben, eine wichtige und geschätzte Informationsquelle im Hinblick auf die finanzielle Entwicklung des Unternehmens und seine gegenwärtigen und zukünftigen Aktivitätsschwerpunkte. Ein gut gelungener Unternehmensbericht, den wir übrigens ganz überwiegend in unseren Teams selbst erarbeiten, ist auch für unsere Mitarbeiter ein sehr motivierendes Arbeitsergebnis.

Unternehmeredition: Herr Hoyer, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich(at)unternehmeredition.de

Kurzprofil: Hoyer Unternehmensgruppe
Gründungsjahr: 1946
Branche: Transport- und Logistikdienstleister
Unternehmenssitz: Hamburg
Mitarbeiterzahl: 5.200
Umsatz (2011): 1 Mrd. EUR
Internet: www.hoyer-group.com