Rettung in der Not: Seit zwei Jahren gilt eine erweiterte Insolvenzordnung.
Rettung in der Not: Seit zwei Jahren gilt eine erweiterte Insolvenzordnung.

„Rescue Financing“ eröffnet krisennahen Unternehmen eine Möglichkeit, ihren Liquiditätsbedarf in Restrukturierungsphasen zu decken, und dient als Brückenfinanzierung in kurzfristigen Notlagen.

Beobachtet man in der jüngeren Vergangenheit die einschlägigen Nachrichten und Mitteilungen rund um die Frage der Beschaffung von finanziellen Mitteln für krisennahe Unternehmen, so springt einem immer öfter der Begriff „Rescue Financing“ ins Auge. Frei übersetzt mit „Rettungsfinanzierung“ scheint dies auf den ersten Blick kein neues Phänomen zu sein. Bei genauerer Betrachtung eröffnet sich hier aber eine Möglichkeit für Unternehmen, kurzfristig ihren Liquiditätsbedarf zu decken, insbesondere um eine Restrukturierungsphase zu überbrücken.

Attraktiv trotz hoher Zinsen

Investmentgesellschaften wie KKR, Blackstone, Apollo und Oaktree sammeln derzeit bei ihren Investoren Beträge in Milliardenhöhe für Fonds ein, die darauf spezialisiert sind, in finanziell angespannten Situationen Geld zu verleihen. Diese richten sich an Unternehmen in einer Restrukturierungssituation, bei denen zum Beispiel der Cashflow angespannt ist, deren Gläubiger das Vertrauen verlieren oder die nur noch zu ungünstigen Konditionen Waren und Rohstoffe beziehen können. Diesen Unternehmen werden zur Überbrückung von begrenzten Zeiträumen Darlehen eingeräumt, wobei die Konditionen regelmäßig das erhöhte Risiko reflektieren. Zinssätze im zweistelligen Bereich ebenso wie vorrangige Sicherheiten sind hier keine Seltenheit. Für die betroffenen Unternehmen ist dies gleichwohl eine attraktive Option. Die Zinslast ist zwar hoch, eröffnet aber die Möglichkeit, durch die Umsetzung der Restrukturierungsphase zurück zu einer gesunden operativen Basis zu gelangen.

Gefördert wird diese Entwicklung durch die immer strenger werdenden Anforderungen an die klassischen Geschäftsbanken. Vorschriften wie die Eigenkapitalrichtlinien CRD III und CRD IV, die Bankenabgabe zur Deckung der Kosten von systemischen Risiken oder die Einführung strengerer Rechnungslegungsstandards (IFRS 9) machen es für Banken immer schwieriger, Darlehen in schwierigen Situationen zu gewähren. Hier bieten Rescue Lending Fonds eine interessante Alternative für Unternehmen.

Möglichkeiten im Fall des Scheiterns

Durch höhere Zinsen und die Gewährung von Sicherheiten wird das Risiko dieser Form der Finanzierung sicherlich reflektiert. Gleichwohl bietet sich eine Reihe von interessanten Alternativen an, sollte das Unternehmen trotz der Rettungsfinanzierung die Krise nicht überwinden. Denn dann kann das Darlehen den entscheidenden Hebel dafür darstellen, mit den Mitteln des reformierten deutschen Insolvenzrechts eine konsequente Restrukturierung des Unternehmens durchzusetzen. Für alle typischen Probleme, die zum Scheitern führen können, findet sich dort eine Lösungsmöglichkeit.

Sind es die Personalkosten, die das Hauptproblem darstellen, kann eine Reduzierung über erleichterte Kündigungsmöglichkeiten, die Verringerung der Sozialplanbelastungen und das von der Arbeitsagentur zur Verfügung gestellte Insolvenzgeld vorgenommen werden. Wird das Unternehmen durch nicht fi nanzierbare Dauerschuldverhältnisse belastet, so lassen sich diese beenden und die sich daraus ergebenden Ansprüche quotal abfi nden. Sind es Gesellschafterstreitigkeiten, die das Unternehmen lähmen und eine dauerhafte Finanzierung behindern, so können diese durch ein Mehrheitsvotum der Gläubiger beendet werden, die durch einen Debt-Equity-Swap selbst zu Gesellschaftern werden können.

Hierbei sind die Gläubiger des Unternehmens letztlich die entscheidende Instanz, so dass der Darlehensgeber des Rescue Financing eine entscheidende Rolle spielen kann. Geht das Management aber proaktiv und vorausschauend mit der Krise um und setzt die Beziehung zum Darlehensgeber mit zur Hilfe ein, dann kann es den Prozess aktiv steuern und für eine langfristige Sanierung des Unternehmens sorgen. Entscheidend ist jedoch immer, dass die Probleme rechtzeitig angegangen werden, bevor die Zahlungsunfähigkeit eintritt oder die Beziehung zu Lieferanten, Kunden und anderen Beteiligten zerrüttet ist.

FAZIT

Brückenfinanzierungen durch Rescue Finance sind ein interessantes neues Hilfsmittel, mit dem Unternehmen auf kurzfristige Notlagen reagieren können. Stellt sich dieses Mittel allein als nicht genügend heraus, kann es kombiniert mit einer geplanten, kontrollierten Insolvenz noch immer zu einer attraktiven Lösung für Finanzierer und Unternehmen werden.


Zu den Personen

koehler_geiserChristian Köhler-Ma (links) ist Insolvenzverwalter und Sachwalter bei Olswang Restructuring Solutions (ORS) und als Chief Restructuring Officer (CRO) in der Geschäftsführung kriselnder Unternehmen tätig. Dr. Gordon Geiser berät Unternehmen aller Branchen im insolvenznahen Umfeld sowie bei komplexen und grenzüberschreitenden Restrukturierungsverfahren. ORS ist ein Geschäftsbereich der internationalen Wirtschaftskanzlei OLSWANG. Das Team verfügt über jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Insolvenzverwaltung und im Restrukturierungsmanagement.

www.olswang-restructuring.com