Innovationskraft, Hightech-Produkte und Dienstleistungen spielen für Mittelständler eine bedeutende Rolle, um sich im globalen Wettbewerb behaupten zu können. Schlagworte wie Smart Factory und Digitalisierung nehmen einen immer größeren Stellenwert ein. Doch sind mittelständische Unternehmen für die Finanzierung einer solchen digitalen Revolution gewappnet? 

Die zunehmende Bedeutung immaterieller Vermögenswerte verändert die Anforderungen an Kreditsicherheiten und deren Fungibilität. Bei veränderten Wertschöpfungsprozessen ist deren Wert viel schwerer einzuschätzen als der von Sachwerten (Grundstücken, Maschinen). Außerdem stellen digitalisierte Lösungen vielfach unternehmensspezifische Assets dar, die für Dritte nicht oder kaum nutzbar sind. Aus diesen Gründen müssen sich neue Besicherungsstandards und Bewertungsusancen etablieren, die den Besonderheiten des digitalen Strukturwandels Rechnung tragen.


Bereitstellung von Risikokapital wird unausweichlich

Die Unsicherheiten, die aus der ungewissen Entwicklung der Ertrags- und Finanzlage sowie aus dem Besicherungsrisiko von immateriellen Vermögenswerten herrühren, implizieren somit erheblich höhere Anforderungen an die finanzierenden Banken bei der Risikoeinschätzung und Beurteilung von Geschäftsmodellen – zumal die Bonität der Unternehmen bei Investitionen in immaterielle Vermögenswerte im ersten Schritt einer solchen Investition negativ beeinflusst wird. Daher werden Fremdkapitalgeber bei der Kreditvergabe weniger auf die Sicherheit der Investition achten, sondern vielmehr auf die allgemeine Bonität des Unternehmens. Dabei wird auch eine Anpassung der Kreditratings erforderlich werden, die den Aspekt der Digitalisierung noch nicht oder nur sehr unzureichend berücksichtigt – jedenfalls nicht im Sinne einer umfassenden digitalen Due Diligence mit der Bestimmung des digitalen Reifegrades des Unternehmens und der Branche. Dies hat zur Folge, dass sich Firmen mit guter Bonität weiterhin mithilfe von Fremdkapital finanzieren können, wohingegen sich solche mit schlechterer Bonität mehr mit Eigenmittelfinanzierungen beschäftigen müssen.

Vor diesem Hintergrund werden sich Unternehmen im Zuge der Digitalisierung verstärkt mit Private Equity oder Venture Capital auseinandersetzen müssen – schließlich gewinnt Eigen- und Risikokapital im Zusammenhang mit Investitionen in immaterielle (digitale) Vermögensgegenstände eine zunehmende Bedeutung.

FAZIT

Mittelständische Unternehmen sind sich durchaus bewusst, dass sie Investitionsschwerpunkte auf die digitale Transformation setzen müssen. Hinsichtlich der Finanzierung wird jedoch die Bonität eine immer entscheidendere Rolle spielen. Zur Schaffung dieser geforderten soliden Eigenkapitalbasis werden daher andere Finanzierungsformen, wie Private Equity und die Bereitstellung von Risikokapital, verstärkt in den Fokus treten.


Zur Person

Michael Euchner (© Ebner Stolz Mönning Bachem)
(© Ebner Stolz Mönning Bachem)

Michael Euchner ist seit 2009 Managing Partner im Bereich Corporate Finance/M&A bei der Ebner Stolz Management Consultants GmbH. Er berät mittelständische Unternehmen bei Fragen der Finanzierung und bei Unternehmenstransaktionen.

www.ebnerstolz.de