Unternehmeredition: Für welche Ziele setzt sich die Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer besonders ein? Was unterscheidet Ihren Verband vor allem von anderen Wirtschaftsverbänden?
Adenauer: Unsere Ideale sind Wettbewerb, Freiheit, Eigentum und Selbstverantwortung. Das entspricht der Ordnungspolitik einer freien sozialen Marktwirtschaft nach dem Vorbild Ludwig Erhards, für die wir uns unverändert seit der ASU-Gründung im Jahre 1949 einsetzen. Das unterscheidet uns von anderen Verbänden, die ihren Schwerpunkt auf Partikularinteressen legen, wie Handwerk, Banken oder Großindustrie. Diese ordnungspolitisch klare Botschaft wird von der Politik nicht gerne gehört. Wir erleben vielfach, dass sich Politiker nicht an klaren Grundsätzen ausrichten, sondern sehr gerne Klientelpolitik betreiben.

Unternehmeredition: Wie beurteilen Sie die aktuelle Mittelstandspolitik der Großen Koalition? Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf, um die Rahmenbedingungen für mittelständische Unternehmen zu verbessern?
Adenauer: Diese Koalition ist stärker mittelstandsorientiert als vorherige Regierungen. Im Grunde ist den Parteien mittlerweile klar, dass die Politik Rahmenbedingungen schaffen muss, die diesen Unternehmen das Arbeiten erleichtert. Es sind noch keine Welten bewegt worden, aber es geht vom Ansatz her in die richtige Richtung. Positiv sehe ich die geplante Steuerreform – sofern sie denn umgesetzt wird -, die erstmals Personen- und Kapitalunternehmen gleichstellen soll. Auch beim Bürokratieabbau wurde einiges verabschiedet. Allerdings gibt es auch Grund zur Kritik. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz etwa ist zutiefst mittelstandsfeindlich, da es massiv in die Vertragsfreiheit eingreift und Neueinstellungen hemmt. Für die Politik in Bezug auf Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht reicht ein Wort: Fehlanzeige. Da tut sich gar nichts. Beim kollektiven und individuellen Arbeitsrecht fehlt der Mut zu freiheitlichen Lösungen. Die Gesundheitsreform ist auch problematisch, da sie einen Teil der gesenkten Lohnnebenkosten wieder auffrisst, die zuvor durch einen niedrigeren Arbeitslosenbeitrag erreicht wurde. Das kommt dabei heraus, wenn SPD, geprägt vom allumfassenden Fürsorgeanspruchdenken des Staates, und CDU, die stärker auf das Individuum und Eigenverantwortung setzt, als große Koalition Kompromisse erarbeiten müssen. Vor allem muss die Koalition jetzt aufpassen, dass sie die kardinalen Punkte für das langfristige Überleben des Standortes nicht aus den Augen verliert: das Begrenzen der Neuverschuldung und den Umbau der sozialen Sicherungssysteme hin zu Kapitaldeckungsverfahren.

Unternehmeredition: Wie beurteilen Sie die aktuelle Finanzierungssituation für mittelständische Unternehmen? Was wünschen Sie sich von den Banken?
Adenauer: Die Mittelständler arbeiten daran, ihre Eigenkapitalquote zu verbessern, und die Steuerreform wird das begünstigen. Heute ist die Auswahl an Finanzierungsinstrumenten auch viel größer als vor drei Jahren. Damals gab es eine Kreditklemme, die ich heute nicht mehr sehe, als die Banken ihre eigenen Hausaufgaben machen mussten. Heute wird ein gutes Geschäftskonzept regelmäßig finanziert. Ich kann den Unternehmen nur raten, eine Eigenkapitalquote von mindestens 25% zu erreichen, denn damit können sie die vielfältige Produktpalette der Banken nutzen. Darauf muss man hinarbeiten, um selbstbewusst und unabhängig zu sein. Die Banken sollten noch besser kommunizieren, welche unterschiedlichen Angebote es gibt: im Eigenkapitalbereich, im Mezzanine-Bereich, im Fremdkapitalbereich, bei den zahlreichen Fördermöglichkeiten. Im Gegenzug müssen die Unternehmer bereit sein, ein sehr klares Berichtswesen gegenüber ihren Geldgebern aufzubauen. Das Argument zusätzlicher Kosten zählt nicht. Denn wer nicht darüber verfügt, ist ein Geisterfahrer. Jedes Unternehmen sollte sich grundsätzlich jeden Monat darüber im Klaren sein, in welcher Situation es ist, das ist überlebenswichtig. Ein klares Berichtswesen zwingt auch dazu, sich stärker grundsätzliche Gedanken über die eigenen Strategien zu machen.

Unternehmeredition:
Wie bewerten Sie den Einsatz alternativer Finanzierungsinstrumente zum Bankkredit für den Mittelstand, insbesondere Private Equity und Mezzanine?
Adenauer: Wir bewerten sie gut. In unserem eigenen Unternehmen nutzen wir Mezzanine- und Eigenkapital-Produkte. Man muss sich mit diesen Themen intensiv auseinandersetzen. Sie bieten zusätzlichen Gestaltungsfreiraum für Unternehmen.

Unternehmeredition: Momentan läuft die Konjunktur hervorragend und die Unternehmen können sich aus den Gewinnen refinanzieren. Aber sollten Unternehmer nicht gerade die guten Zeiten nutzen, ihre Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen um für künftige konjunkturelle Einbrüche gewappnet zu sein?
Adenauer: Genau das ist der Punkt. Jetzt muss man sich darüber Gedanken machen. Die Chancen sind selten so gut wie jetzt, sich mit Kapital zu verstärken und die Passivseite zu ordnen.

Das Interview führte Markus Hofelich.


Zur Person: Dr. Patrick Adenauer
Dr. Patrick Adenauer ist seit 2005 Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer e.V. (ASU) sowie geschäftsführender Gesellschafter der Bauwens Real Estate Group in Köln. Der 1949 gegründete Verband vertritt 5.000 Familienunternehmen aus allen Branchen in Deutschland. Sie beschäftigen rund 1,7 Mio. Mitarbeiter und erzielen einen Jahresumsatz von mehr als 180 Mrd. Euro. Die ASU-Unternehmer haben ein Unternehmen gegründet oder gekauft, sind im Management aktiv involviert und haben damit einen maßgeblichen Einfluss auf die Unternehmensentwicklung.
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