Der Gewinner ist Individual-Mezzanine

Auf Basis einer empirischen Untersuchung mit 30 führenden Mezzanine-Anbietern – nachfolgend „FHP Mezzanine-Panel“ – wurde nach 2006 für das Jahr 2007 erneut der Markt für Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland im Detail analysiert

Von Uwe Fleischhauer und Anne Kaluza, FHP Private Equity Consultants

Auf Basis einer empirischen Untersuchung mit 30 führenden Mezzanine-Anbietern – nachfolgend „FHP Mezzanine-Panel“ – wurde nach 2006 für das Jahr 2007 erneut der Markt für Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland im Detail analysiert. Die Angebotsseite des Marktes wurde dabei sowohl in Richtung Standard-Programme als auch individuelles Mezzanine untersucht. Nachgefragt wird gegenwärtig verstärkt Individual-Mezzanine zu Lasten von Standard-Mezzanine, auch bedingt durch die derzeit begrenzte Platzierungsfähigkeit von Standard-Mezzanine auf der Angebotsseite. Gleichzeitig etabliert sich ein wachsendes Angebot für „individuelles Mezzanine“ am Markt, wodurch das Spektrum potenzieller Mezzanine-Nehmer erweitert wird. Das gesamte deutsche Marktvolumen lag im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr signifikant niedriger: 2006 wurden von den Panel-Teilnehmern noch 3,6 Mrd. Euro ausgereicht – im Jahr 2007 waren es nur noch 2,2 Mrd. Euro, wobei der Einbruch des Marktes schwerpunktmäßig durch den Volumenrückgang bei Standard-Mezzanine begründet ist. Individual-Mezzanine gewinnt dagegen stark an Bedeutung. Über das Stadium eines einfachen Modetrends sind Mezzanine-Finanzierungsformen längst hinaus. Dies zeichnete sich insbesondere an zunehmend expansiven Marktentwicklungen und steigenden Angeboten ab. Dennoch hat der Markt trotz seiner jungen Historie bereits tief greifende strukturelle Veränderungen erfahren.

Standard Mezzanine: Ungewisse Zukunft

Konnten wir im Jahr 2006 noch über eine Vielfalt an Anbietern und Programmen berichten – damals gab es sechs neue Verbriefungen und insgesamt zwölf Standard-Programme -, hat sich dieser Ansturm, so schnell er auch gekommen ist, wieder gelegt. So konnten im Jahr 2007 „nur“ zwei Programme neu verbrieft werden: PREPS von der HVB (in der 6. Generation) und H.E.A.T von HSBC (in der 3. Generation) mit einem Verbriefungsvolumen von insgesamt knapp 600 Mio. Euro bei 113 finanzierten Unternehmen, wodurch etwa fünf Mio. Euro jedem einzelnen Unternehmen zugeflossen sind. Ansonsten waren noch Standard-Programme der IKB (mit Equinotes) sowie das Produkt Smart Mezzanine (als Kooperation von HSH, LBBW, HASPA) als einzige Standard-Anbieter im Jahr 2007 am Markt aktiv – neben der KfW und den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer (MBGs), die wir inhaltlich aber eher dem Individual-Mezzanine zurechnen – und haben im kleinen Umfang noch Mezzanine-Tranchen aus ihren laufenden Programmen ausgereicht. 2007 haben somit die Standard-Programme bereits die fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt zu spüren bekommen. So haben die Folgen der Subprimekrise sicherlich im Einzelfall konkret die Auflegung bzw. die Platzierung von neuen Mezzanine-Programmen (siehe Beispiel Conpair) verhindert. Die Zukunft von einzelnen Programmen erscheint somit fraglich. Individual-Finanzierungen sind dagegen nicht abhängig vom Kapitalmarkt und lassen den Anbietern Spielraum bei der Ausgestaltung der Finanzierung. Insofern erwarten wir eine weiterhin wachsende Bedeutung von Individual-Mezzanine, was aktuell in einer außerordentlich starken Nachfrage Bestätigung erfährt.

Zwei „Versuchsballone“ für Standard-Mezzanine

Das aktuelle Angebot an Standard-Mezzanine ist für Mezzanine-Nehmer im Moment mit zwei neuen, teilweise schon ausgereichten Programmangeboten sehr limitiert: So starten derzeit gerade die beiden größten Anbieter HSBC und CEG/HVB im Rahmen einer Kooperation erneut einen Versuchsballon mit dem Ziel, gemeinsam genau 250 Mio. Euro am Verbriefungsmarkt für Standard-Mezzanine einzusammeln. Conpair plant das damals Ende 2007 mit Lehman Brothers verschobene Mezzanine-Programm nun mit dem Ankerinvestor ACP Capital (Jersey) aufzulegen und auch rund 250 Mio. Euro (für 80 Unternehmen) kurzfristig am Kapitalmarkt zu platzieren. Zwei wegweisende neue Platzierungen, die anderen Anbietern als Indikator für die gegenwärtige Platzierungsfähigkeit von verbrieftem Mezzanine dienen dürften – der Markt für Standard-Mezzanine scheint somit nicht tot zu sein.

Individuelles Mezzanine ist en vogue

Stärkere Nachfrage erfährt gegenwärtig das Individual-Mezzanine: So wollen auch Anbieter wie NIBC wie auch Buchanan noch im Jahr 2008 Fonds für individuelles Mezzanine aufsetzen. Jetzt, wo die Banken mit der Vergabe von Krediten kritischer geworden sind und Standard-Mezzanine kaum am Markt platzierbar ist, wird individuelles (maßgeschneidertes) Mezzanine verstärkt nachgefragt, so auch die Prognosen dieser beiden Anbieter. Verstärktes Angebot kann langfristig letztendlich auch dem Mezzanine-Nehmer wieder zu Gute kommen, da sich möglicherweise die Anbieter in ihren Konditionen wieder nach „unten“ bewegen müssen. Mezzanine-interessierte Unternehmer können unter einer Vielzahl von individuellen Finanzierungslösungen auswählen: Dabei reicht das Angebot von regional fokussierten MBGs über banken-/sparkasseneigene Mezzanine-Programme bis hin zu unabhängigen Anbietern – bei einzelnen Häusern (meist Banken) findet man sowohl Standard-Mezzanine als auch Individual-Mezzanine im Warenkorb. Die Produktlösungen der MBGs sind überwiegend auch recht standardisiert, aber im eigentlichen Sinne trotzdem keine Standard-Programme wie PREPS, Equinotes oder andere – auch die drei Programme der KfW sind inhaltlich eher dem Individual-Mezzanine zuzurechnen, wurden aber diesmal noch bei Standard-Mezzanine (gesondert) erfasst.

Der Mezzanine-Markt 2007 in Zahlen – Rückgang um 40%

Wurden nach dem Ergebnis des „Mezzanine-Panels“ 2006 noch mehr als 3,6 Mrd. Euro an Mezzanine-Kapital in Deutschland ausgereicht, fiel das Volumen 2007 auf etwa 2,2 Mrd. Euro. (Basis: Angaben von insgesamt 30 Mezzanine-Anbietern, davon neun Standard-Programme inklusive KfW und 21 Individual-Mezzanine-Anbieter). Dies bedeutet einen Rückgang um etwa 40% auf Basis des Finanzierungsvolumens. Da das Panel in etwa einer Abdeckung des gesamten Marktvolumens von gut drei Viertel entspricht, ergäbe sich für das Jahr 2007 ein geschätztes Gesamtvolumen in Höhe von um die drei Mrd. Euro in Deutschland. Im Jahr 2007 wurden seitens unserer Panel-Teilnehmer insgesamt 1.200 Unternehmen mit Mezzanine-Kapital ausgestattet – bei einem Finanzierungsvolumen von gut zwei Mrd. Euro: Somit wurden einem Unternehmen durchschnittlich etwa zwei Mio. Euro Mezzanine gegeben (Vorjahr 1,5 Mio. Euro). Auf Basis der Anzahl der Unternehmen sieht der Rückgang aber noch dramatischer aus: Wurden im Jahr 2006 noch etwa 2.500 Unternehmen mit Mezzanine ausgestattet, so waren es 2007 „nur“ noch 1.200 – ein Rückgang um mehr als die Hälfte. Somit scheint sich das Prinzip „Selektion“ – determiniert durch das eingeschränkte Angebot an Mezzanine-Kapital bzw. Programmen – wie bei Private Equity auch bei Mezzanine durchzusetzen. Das Gießkannenprinzip der vorherigen Jahre gehört der Vergangenheit an. Berücksichtigt man zudem noch, dass etwa 50% des Volumens als auch der finanzierten Unternehmen von der KfW getragen wurden, so sieht man den Rückmarsch von Mezzanine im Jahr 2007 bei unabhängigen bzw. Captive-Anbietern. Ohne KfW (1,03 Mrd. Euro für 649 Unternehmen) hätte das Volumen der Standard-Programme im Jahr 2007 „nur“ 700 Mio. Euro betragen – im Vergleich zu den etwa 450 Mio. Euro Individual-Mezzanine. Die Anzahl finanzierter Unternehmen (137) wäre auch deutlich niedriger ausgefallen und hätte etwa die Hälfte der mit Individual-Mezzanine finanzierten Unternehmen entsprochen. Auffällig ist auch, dass trotz des scheinbar zunehmenden Angebots an kleinen Tranchen für Individual-Mezzanine das durchschnittliche Volumen im Vergleich zum Vorjahr von 1,5 auf 2,0 Mio. Euro ausgereichtes Mezzanine angestiegen ist. Der Trend geht scheinbar wieder zu leicht größeren Tranchen und Finanzierungsrunden bei geringerer Anzahl an Firmen – ein weiterer Indikator für die verstärkte Selektion und „Individualisierung“ von Mezzanine. Im Rahmen des „1. FHP-Mezzanine-Panels“ wurde noch deutlich, dass der Löwenanteil des Investitionsvolumens im Jahr 2006 mit über drei Mrd. Euro zu mehr als 85% aus den standardisierten Programmen resultierte. Andererseits erhielten durch das individuelle Angebot – hauptsächlich von Seiten der MBGs – mehr als 1.300 Unternehmen Mezzanine-Finanzierungsmittel, wohingegen durch standardisierte Lösungen „nur“ 1.200 Unternehmen Mezzanine-Kapital erhielten.


Ein ähnliches Bild ergibt sich für 2007

Allerdings machte Individual-Mezzanine im Jahr 2007 bereits knapp ein Viertel des Volumens aus, und somit schon deutlich mehr als im Vergleich zum Vorjahr (2006), wo es sich nur für 15% des Finanzierungsvolumens verantwortlich zeigte – ein Indikator für die wachsende Bedeutung von Individual-Mezzanine. Auf Basis der Anzahl der Unternehmen gewinnt Individual-Mezzanine – wie schon im Vorjahr – mit etwa einem Drittel im Vergleich zu Standard-Mezzanine an Bedeutung, da es durch seine individuelle Vergabe auch deutlich kleinere Tranchen ausreichen kann…. (Fortsetzung siehe Printausgabe)


Zu den Personen: Uwe Fleischhauer und Anne Kaluza

Uwe Fleischhauer (fleischhauer@fhpe.de) ist Managing Partner, Anne Kaluza (kaluza@fhpe.de) ist Leiterin Research bei Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants, München. www.fhpe.de

Autorenprofil

Uwe Fleischhauer (fleischhauer@fhpe.de) ist Managing Partner, Anne Kaluza (kaluza@fhpe.de) ist Leiterin Research bei Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants, München. www.fhpe.de

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