„Das Unternehmen ist mein Leben“

Stefan Lübbe steht seit 2001 an der Spitze der größten konzernunabhängigen Verlagsgruppe in Deutschland, die 1953 von seinem Vater Gustav Lübbe gegründet wurde. Pünktlich zur Buchmesse im Oktober letzten Jahres platzierte der Bastei Lübbe Verlag eine Unternehmensanleihe in Höhe von 30 Mio. EUR. Im Interview spricht der Verleger über seine Verantwortung als Familienunternehmer, seinen Finanzierungsmix sowie die digitalen Herausforderungen der Verlagsbranche.

Unternehmeredition: Herr Lübbe, was bedeutet es für Sie, Familienunternehmer zu sein?
Lübbe: Dieses „Familienunternehmen“ ist mein Leben. Das heißt für mich, dass ich mich voll und ganz mit dieser Verlagsgruppe identifiziere und dafür stehe. In einem Familienunternehmen denken wir langfristig und führen das Haus auch verantwortlich durch schwierige Zeiten. Wir halten hier zusammen, auch wenn uns der Wind mal kalt ins Gesicht bläst. „Familienunternehmen“ heißt deshalb für mich auch, dass meine Autoren und ihre Agenten, meine Mitarbeiter und all die anderen, die mit uns zusammenarbeiten, wissen, dass ich persönlich für die Kontinuität dieses Unternehmens stehe und sie in mir auch im nächsten Jahr noch einen Ansprechpartner haben, dem sie wichtig sind und der gemeinsam mit ihnen die Zukunft gestalten will.

Unternehmeredition: Im Herbst 2011 haben Sie eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 30 Mio. EUR, einem jährlichen Zinssatz von 6,75% sowie einer Laufzeit von 5 Jahren erfolgreich platziert. Wie war der Ablauf und welches Fazit ziehen Sie?
Lübbe: Für ein mittelständisches Unternehmen gehört eine Anleihe ja nicht wirklich zum Alltag. Sehr schnell aber hat sich bei uns eine klare Linie abgezeichnet, die wir zügig verfolgen konnten. Im ersten Halbjahr 2011 haben wir uns Gedanken über unsere Unternehmensfinanzierung und Investitionen in die Zukunft gemacht. Im Juli 2011 haben wir dann die Entscheidung getroffen, zukünftig über eine Anleihe zu finanzieren und uns mit unseren Partnern, das heißt den Firmen Conpair AG und Close Brothers Seydler Bank AG, besprochen. Im Juli und August 2011 sind die Vorbereitungen für die Anleihe getroffen worden. Ich bin mit meinen Geschäftsführern zu einer Roadshow aufgebrochen. Wir haben uns in dieser Zeit bei diversen Investoren vorgestellt und unser Unternehmen präsentiert. Passend zur Buchmesse Mitte Oktober 2011 ist die Anleihe dann erfolgreich gestartet. Wir haben mit dieser Finanzierungsalternative den richtigen Weg gewählt. Ich war überrascht, wie relativ einfach und unkompliziert insbesondere die Kontaktaufnahme mit Investoren war.

Unternehmeredition: Wofür werden die Mittel verwendet? Welche Wachstumsstory verbinden Sie mit Ihrem Unternehmen?
Lübbe: Wir haben insgesamt 30 Mio. EUR aufgenommen. Circa 6 Mio. EUR sind in die Rückzahlung von langfristigen Verbindlichkeiten geflossen. Der verbleibende Betrag wird zum Zukauf weiterer Firmen verwendet werden. Unmittelbar nach der Anleihe haben wir bereits uns dem Buchverlag Eichborn AG und dem Geschenkehersteller Räder GmbH & Co. KG angenähert und haben sehr zügig eine Kooperation vereinbart. Weiteren Firmen werden folgen. Das kann für Außenstehende auf den ersten Blick unverständlich erscheinen, weil Geschenkartikel nicht zu unserer Kernkompetenz gehören. Aber der Handel verändert sich derzeit schneller als gedacht. Und auch die Menschen draußen haben noch andere Interessen als nur Bücher. Wir denken vom Markt her, und wenn unsere Kunden im Buchhandel außer Büchern auch Geschenkartikel anbieten wollen, dann werden wir sie auch damit versorgen. Nur so können wir in Zukunft unverändert für den Handel einer der Hauptansprechpartner bleiben. Deshalb gehört für uns ebenfalls der digitale Bereich zu den zentralen strategischen Feldern, für die wir uns durch die Anleihe Investitionskapital besorgt haben. Mit Bastei Entertainment haben wir eine eigene Abteilung für digitale Produkte gegründet. Diese hat zur Buchmesse 2011 den ersten seriellen Digitalroman auf dem deutschsprachigen Markt herausgebracht („Apocalypsis“). Ende dieses Jahres werden wir hier sicherlich mit sieben bis zehn Serien am Start sein. Uns eröffnen die digitalen Ansätze obendrein erstmals die Möglichkeit, über das deutschsprachige Gebiet hinaus im eigenen Namen Umsätze in England, Amerika, aber auch z.B. China zu machen. Wir stehen gerade in Verhandlungen mit einer großen chinesischen Plattform, die Interesse an unseren Inhalten hat. Insofern sehen wir durchaus kurzfristig die Chance, ein internationales Medienunternehmen zu werden.

Unternehmeredition: Was sprach aus Ihrer Sicht für das Instrument Anleihe und welche Rolle spielt es in Ihrem Finanzierungsmix?
Lübbe: Für die Anleihe spricht aus unserer Sicht die höhere Flexibilität, die wir mit der Anleihe haben. Herkömmliche Bankfinanzierungen stehen üblicherweise unter dem Vorbehalt, dass mit den Banken zu vereinbarende Covenants, wie z.B. Eigenkapitalquote, Umsatzmarge etc., einzuhalten sind. Gerade in Zeiten des Wachstums eines Unternehmens kann es durchaus einmal sein, dass diese Vorgaben, wie z.B. Eigenkapitalquote, dann doch nicht erreicht werden. Dies führt dann bei uns zu einem gewissen Unsicherheitsfaktor, ob Bankfinanzierungen aufrecht erhalten bleiben oder nicht. Diese Problematik haben wir bei der Anleihe, so wie wir sie ausgestaltet haben, nicht. Die Anleihe gibt uns für fünf Jahre die Möglichkeit, im wirtschaftlich sinnvollen Rahmen frei zu handeln und frei zu agieren. Dies hat natürlich auch eine Kehrseite. Wir hätten z.B. eine übliche Bankfinanzierung für ca. 5,5% Zinsen haben können. Die Anleihe war jetzt 1,25 Prozentpunkte teurer. Nachdem wir mit der Anleihe bestehende Altverbindlichkeiten abgelöst haben, wird der Finanzierungsmix jetzt so gestaltet, dass die Investitionen über die Anleihe finanziert werden und ein eventuell notwendiger kurzfristiger Finanzierungsrahmen über unseren Kontokorrentkredit. Dies halten wir für eine sinnvolle Aufteilung.

Unternehmeredition: Wie hat sich Ihr Geschäft im vergangenen Jahr entwickelt? Wie ist Ihr Ausblick für den weiteren Jahresverlauf?
Lübbe: Das Geschäft hat sich im vergangenen Jahr ausnehmend gut entwickelt. Umsatzmäßig liegen wir – ohne die neu erworbenen Bereiche – circa 10% über dem Vorjahr. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir, ebenfalls unter Ausklammerung der neu zu erwerbenden Bereiche, von einem Umsatzwachstum von 5% bis 6% aus. Dies allerdings in einem zunehmend schwierigen Umfeld hinsichtlich der klassischen Printprodukte. Im Sortimentsbuchhandel sind die Umsätze in den letzten Jahren erstmalig gesunken. Wir gehen davon aus, dass diese Tendenz in diesem und auch im nächsten Jahr anhalten wird. Gerade deshalb wollen wir uns mithilfe der Anleihe dynamisch auf den sich verändernden Markt einstellen und nicht nur reagieren.

Unternehmeredition: Was ist Ihre wichtigste Empfehlung an Unternehmer im Umgang mit Anleihen?
Lübbe: Die wichtigste Empfehlung an Unternehmer, die ein ähnliches Vorhaben angehen wollen, ist, diesen Schritt ordentlich vorzubereiten und insbesondere ein kompetentes und erfahrenes Team zu Rate zu ziehen. Hier gibt es auch Experten, die sich auf Anleihen für Mittelstandsfirmen spezialisiert haben. Diese können wir nur empfehlen. Im Übrigen ist es sowohl für potenzielle Investoren als auch für die Mitarbeiter wichtig, dass man offen und transparent die Zahlen kommuniziert. Nur so kann ein Unternehmer, der diesen Weg geht, das Vertrauen der Mitarbeiter und auch der Investoren gewinnen und halten.

Unternehmeredition: Herr Lübbe, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Markus Hofelich.


Zur Person: Stefan Lübbe
Stefan Lübbe ist der Sohn des Verlagsgründers Gustav Lübbe (www.luebbe.de) sowie alleiniger Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung der Bastei Lübbe GmbH & Co. KG. Der Verlag hat sich nach dem zweiten Weltkrieg von einem kleinen Romanhefte-Verlag zu einem der größten deutschen Buch- und Zeitschriftenverlage entwickelt.