Inhabergeführte Mittelständler und private Eigenkapitalgeber verbindet eine lange, doch nicht immer einfache Beziehung. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat vieles verändert. Nun schlagen Unternehmer und Beteiligungsgesellschaften ein neues Kapitel auf

Fast ist es ein bisschen so wie mit den Königskindern, die nicht zusammenkommen konnten. „… das Wasser war viel zu tief“, heißt es in der alten Volksballade. Private-Equity-Gesellschaften und deutsche Familienunternehmen trennt ein tiefer Graben. Das Bestreben, Mehrheitsbeteiligungen einzugehen, auf der einen Seite, die Angst vor Kontrollverlust auf der anderen. Der Wunsch der Firmenlenker, dauerhaft einen zuverlässigen Gesellschafter ins Unternehmen zu holen. Das Ziel der Gewinnmaximierung und kurze Haltezeiten bei den Finanzinvestoren. Dies sind nur einige Gründe, die einem erfolgreichen Zusammenwirken zwischen privaten Eigenkapitalgebern und inhabergeführten Mittelständlern seit Jahren im Wege stehen.


Andererseits wagen Private-Equity-Gesellschaften und Familienunternehmer auch immer wieder Schritte aufeinander zu, schlagen Brücken über den vermeintlich tiefen Graben. „Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass mancher Eigenkapitalgeber Mittelständlern auch schon vor der Finanz- und Wirtschaftskrise Minderheitsbeteiligungen angeboten hat“, weiß Ulrich Störk, Partner und Private-Equity-Experte bei der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Frankfurt am Main. Familienunternehmen wiederum suchten die operative Expertise von Finanzinvestoren, die als neue Gesellschafter oft ganze Netzwerke von erfahrenen Branchenkennern, Managementexperten und Controllern mitbrachten. „Es gibt durchaus Beispiele dafür, dass Unternehmen mit einem Private-Equity-Investor an Bord nach einer gewissen Zeit eine deutlich bessere Performance aufweisen“, berichtet Störk. Ein solches Erfolgsbeispiel ist etwa der Hersteller von Industriegasen Messer Griesheim (siehe Interview Seite xy). Doch das war vor der Krise.

Lehren aus der Krise

Was kommt nun, in Post-Krisen-Zeiten? Schließt er sich, der alte Graben? Fast scheint es so. „Die Wirtschaftskrise hat die Beziehung zwischen Private Equity und Familienunternehmen verändert“, sagt Störk. Verschlechtert habe sie diese aber keineswegs. „Viele Finanzinvestoren haben aus den Krisenjahren klare Lehren gezogen“, erklärt Störk. So sei die Zahl der Private-Equity-Häuser, die Unternehmen heute intelligente, maßgeschneiderte Gesamtkonzepte für Management, Controlling, Produktionsprozesse und Finanzierung anbieten, deutlich gestiegen „Den Kapitalgebern ist vollkommen klar, dass sie mit einem reinen Financial Engineering bei Mittelständlern nicht mehr landen können“, sagt Störk. Und gerade der Mittelstand ist es, den Private-Equity-Fonds einmal mehr für sich entdeckten, lautet seine These.

Dass die These zutrifft, belegen Zahlen. Zum Beispiel die der aktuellen Studie „Chancen ergreifen – Die deutsche Beteiligungsbranche 2013“. Für die Untersuchung hat die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner im Frühjahr 2013 300 deutsche Beteiligungshäuser befragt. Und die Ergebnisse sind geradezu symptomatisch für einen neuen Mittelstandsfokus der deutschen Private-Equity-Unternehmen. Gaben ein Jahr zuvor noch 48% der Befragten an, in Targets – also Zielunternehmen – mit einem Umsatz zwischen 21 und 100 Mio. EUR investieren zu wollen, so sind es 2013 60%. Zum Vergleich: An einer Investition in Unternehmen mit Umsätzen von mehr als 500 Mio. EUR waren 2012 noch 6% der Befragten interessiert, heute sind es lediglich 2%.

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