Finanzmarktkrise: Bisher keine Auswirkungen

Seit Sommer 2007 hält die amerikanische Finanzkrise, die ihren Ursprung in dem Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen hatte, die Weltwirtschaft in Atem. Aus skandalösen Spekulationen mit amerikanischen Häusern hatte sich eine globale, gefährliche Finanzmarktkrise entwickelt, deren Folgen und Ende noch nicht absehbar sind. Der deutsche Mittelstand blieb bisher weitgehend unbeschadet.

Bankenkrise: Rettungsaktionen für insolvenzbedrohte Bear Stearns und IKB

Wie dramatisch sich die Finanzkrise zugespitzt hatte, zeigte Mitte März der mit knapper Not abgewendete Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns. Die US-Investmentbank JPMorgan hatte den angeschlagenen Konkurrenten Bear Stearns übernommen – der Kauf wurde durch eine 30 Mrd. US-Dollar schwere Garantie der amerikanischen Notenbank Fed gedeckt. In Deutschland hat die IKB Deutsche Industriebank mit riskanten Wertpapiergeschäften im amerikanischen Hypothekenmarkt Milliarden verbrannt und ist an den Rand der Insolvenz geraten. Um einen „erheblichen Vertrauensverlust in den Finanzplatz Deutschland“ abzuwenden, wurden bereits über 8 Mrd. Euro aus überwiegend staatlichen Mitteln zur Rettung der IKB bereitgestellt. Damit nicht genug. Weitere Banken, darunter zahlreiche Landesbanken, hatten sich mit faulen Immobilienkrediten verspekuliert und mussten Wertberichtigungen und Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen. Bei der renommierten Schweizer Großbank UBS etwa summieren sich die aufgelaufenen Belastungen aus der Finanzkrise auf atemberaubende 25,5 Mrd. Euro. Weltweit erwarten Experten bis zu 600 Mrd. Dollar an Verlusten infolge der Kreditkrise.

Der Auslöser: Immobilienkredite an einkommensschwache Amerikaner

Wie konnte es dazu kommen? Jahrelang waren die US-amerikanischen Hauspreise gestiegen. Das hatte die Banken dazu verleitet, auch solchen Kunden Kredite zu gewähren, die sich ein Eigenheim gar nicht leisten konnten („Subprime“). Was aus heutiger Sicht unseriös erscheint, galt in Zeiten niedriger Zinsen und guter Konjunktur als unbedenklich. Das Kalkül: Bei steigenden Häuserpreisen schien das Risiko gering, Einkommensschwachen Darlehen für den Kauf eines Eigenheimes zu gewähren. Schließlich könnten sie, so die Annahme, bei Bedarf das Haus nach einigen Jahren mit Gewinn verkaufen und den Kredit zurückzahlen. Die Banken ihrerseits verbrieften die Immobilienkredite und verkauften sie in Form forderungsbesicherter Wertpapiere an Investoren auf der ganzen Welt weiter. Steigende Zinsen, langsameres Wirtschaftswachstum und ein Preisverfall der amerikanischen Eigenheime brachte die Blase zum Platzen. Über den Weiterverkauf der verbrieften Kredite an unterschiedlichste Investoren verbreitete sich die Krise, und aus einem Strohfeuer wurde eine Feuerwalze. Ausgehend von den Hypothekenanleihen sind längst auch andere Märkte infiziert. Kreditverbriefungen jeglicher Art sind unter Druck geraten. Die Banken haben das gegenseitige Vertrauen verloren. Deshalb ist auch für viele vermeintlich erstklassig besicherte Verbriefungen der Handel gestört oder ganz zum Erliegen gekommen. Egal ob Kreditkartenforderungen, Autokredite, Übernahmefinanzierungen – die Investoren meiden Kreditverbriefungen aller Art. Viele haben dazu beigetragen, dass auf dem Immobilien- und Hypothekenmarkt eine gefährliche Mischung entstanden ist, die nun das Finanzsystem ins Wanken bringt. Hypothekenbanken und -vermittler sind ebenso beteiligt wie Ratingagenturen, Investmentbanken und Hedgefonds, die Risiken nicht erkannt und Wertpapiere gekauft haben, deren komplizierte Strukturen sie nicht durchschauen konnten.

Ist das Instrument der Verbriefung von Krediten sinnvoll?

Bedeutet die Finanzmarktkrise nun das Aus für die Verbriefung von Krediten? War es gar das falsche Instrument? Grundsätzlich ist es sinnvoll, Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen. Die Banken vergeben Kredite, packen sie in eine Verbriefung, verkaufen diese an den Kapitalmärkten an Investoren. Damit wandeln sich die Banken vom klassischen Kreditgeber zum Zwischenhändler, der Kredite vergibt und schließlich an Dritte weiterreicht. Lange Zeit war der Verbriefungsmarkt liquide, so dass es für Banken und Investoren kein Problem war, Verbriefungen zu kaufen und zu verkaufen. Als dann im Zuge der Krise alle Investoren ihre Verbriefungen zur gleichen Zeit verkaufen wollten, brach der Markt zusammen.

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