Beteiligungskapital von Unternehmern für Unternehmer

 

Von Dr. Christoph Achenbach, Partner, Intes Akademie für Familienunternehmen GmbH

Spätestens seit dem Jahr 2009 haben sich wesentliche Grundvoraussetzungen für die Unternehmensfinanzierung – nicht nur in Deutschland – verändert. Eine restriktivere Kreditvergabe seitens vieler Banken und Institute hat in Kombination mit in Teilen drastischen Aufschlägen für Risiken zu signifikant gestiegenen Kreditkosten geführt. In Folge der fundamentalen Veränderungen sind Neuverhandlungen von Kreditbedingungen oder Änderungen zu bestehenden Kreditvereinbarungen in vielen Unternehmen auf die Tagesordnung gerückt. Fakt ist: Das Thema Unternehmensfinanzierung ist aktueller und komplexer denn je – auch für die Familienunternehmen.

Trend zu neuen Finanzierungspartnern

Bis vor einigen Jahren war die Finanzierung von Familienunternehmen zumeist eine überschaubare Aufgabe. Man hatte drei „Töpfe“, aus denen sich jeder seinen Finanzierungsmix zusammenstellen konnte: Innerhalb der Firma wurde über Rücklagen und Gesellschafterdarlehen das Gros der notwendigen Mittel aufgebracht. Lieferantenkredite brachten zusätzliche Liquidität herein. Und mit der Hausbank vor Ort wurde eine Kontokorrentlinie vereinbart, die kurzfristige Bedarfsspitzen abdeckte. Für größere Investitionsvorhaben stellte die Bank langfristige Darlehen bereit – mit Sicherheiten bis hin zur persönlichen Haftung. Doch diese Idylle ist spätestens seit der Finanzkrise vorbei. Wer heute kurz- oder mittelfristig finanzielle Engpässe überbrücken muss, kann nicht mehr ohne weiteres darauf vertrauen, dass „die Bank schon einspringen wird“. Auch operativ „gesunde“ Unternehmen stehen mit Blick auf ihre Kapitalstrukturen oder bei Zukunftsinvestitionen, die nicht aus dem Eigenkapital finanziert werden können, vor großen Herausforderungen. Auch wenn traditionelle Finanzierungsformen wie Bankkredit und Leasing bei den Familienunternehmen nach wie vor dominieren, ist zu beobachten, dass mehr und mehr inhabergeführte Unternehmen und Family Offices insbesondere den Großbanken kritischer gegenüberstehen und zunehmend neue Finanzierungspartner in Betracht ziehen.

Private Equity aus Unternehmerhand

Abseits der Finanzierung über Banken kommt man am Stichwort Private Equity nicht vorbei. Zwar ist unter Familienunternehmen unverändert ein Unbehagen gegenüber klassischen Private Equity-Fonds spürbar; davon unabhängig stellt privates Beteiligungskapital aber grundsätzlich eine wichtige und hilfreiche Variante der Unternehmensfinanzierung dar. In letzter Zeit sind hier neue Akteure auf den Plan getreten, die völlig andere Akzente setzen – und manchem Familienunternehmer seine Scheu nehmen können. Denn es sind Persönlichkeiten, die einen ähnlichen beruflichen und privaten Hintergrund haben wie sie selbst. Der kleine Unterschied: Bei diesen neuen Anbietern von privatem Beteiligungskapital handelt es sich oft um Unternehmer, die ihre Firmen verkauft haben, oder Unternehmerfamilien, die ihr Vermögen diversifizieren möchten. Sie haben beträchtliche Mittel zur Verfügung, die sie nun sinnvoll einsetzen möchten. Sinnvoll heißt für sie: mit unternehmerischem Einfluss und profitabel. Aber eben nicht profitabel in einer kurzfristigeren Betrachtung, sondern profitabel mit dem zeitlich langfristigeren Horizont des geduldigen Investors.

Interessenidentität beider Seiten

Die neuen Player haben den Markt verändert. Durch diese neue Kapitalquelle erhalten Unternehmer die Chance, diverse Problemkonstellationen ihrer Unternehmen elegant (und ohne den Druck einer Bankfinanzierung) zu managen. Diese Konstellationen können sich aus einer anstehenden Nachfolge bzw. einem Generationswechsel oder aus der erforderlichen Finanzierung von Expansion ergeben. Hinzu kommen angestrebte Neustrukturierungen oder unausweichliche Restrukturierung. Solche Partnerschaften zwischen Unternehmerpersönlichkeiten, die eine emotionale Blutsverwandtschaft verbindet, machen viel Sinn. Denn ein wichtiger Punkt bei einem Anteilsverkauf ist die Sorge vor Kontrollverlust. Selbstverständlich ist, dass ein Teilhaber gewisse Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte beansprucht. Wenn beide Seiten jedoch von einer Interessenidentität getrieben sind, dann sind Abmachungen leichter zu treffen. Ähnliches gilt für den Aspekt der sozialen Verantwortung. Im Selbstverständnis von Familienunternehmen spielt er eine ganz wichtige Rolle, die nicht nur durch Worte, sondern vielfältigste soziale Taten belegt ist. Und auch das soziale Engagement und die Achtung von Mitarbeiterinteressen sind bei den neuen Investoren aufgrund ihres gesellschaftlichen Hintergrunds fast selbstverständlich gegeben.

Fazit:
Letztlich lässt sich die partnerschaftliche Finanzierung von Familienunternehmen auf eine schlichte Formel kondensieren: gleichgerichtete Denkstrukturen, Verhaltensweisen, Werte und Horizonte. Viele Diskussionen, die mit einem konventionellen Private Equity-Geber im Zweifel viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen würden, lassen sich so deutlich verkürzen. Zudem profitiert der Unternehmer nicht nur von der unternehmerischen Erfahrung des Investors, sondern auch von dessen nationalem und internationalem Netzwerk.

Autorenprofil

Dr. Christoph Achenbach (achenbach@intes-beratung.de) ist Partner der Intes Beratung für Familienunternehmen in Bonn. Er begleitet Unternehmen, Unternehmer und Gesellschafter bei operativen und strategischen Fragestellungen. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind die Einrichtung von Beiräten sowie die Vermittlung von Beteiligungskapital. www.intes-beratung.de

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