Bedingt übernahmebereit

Die Bundesregierung erschwert mit einer Verordnung Nicht-EU-Ausländern den Zugriff auf sensible Branchen und Unternehmen. Die neuen Barrieren dürften die Einkaufslust vor allem chinesischer Investoren aber nicht ausbremsen.

Ein Anti-China-Gesetz?

Insgesamt sorgt die Verordnung für mehr Rechtsklarheit. „Sie macht deutlich, welche Bereiche des öffentlichen Sektors der Staat schützen will“, sagt Dr. Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheine sie insbesondere aber als Anti-China-Gesetz. Kein Wunder: Chinesische Investitionen werden seit dem Kauf des Augsburger Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Konzern Midea sowie der gescheiterten Übernahme des Aachener Chipanlagenbauers Aixtron heftig diskutiert.

Die Bundesregierung ist auf ihrem Regulierungskurs nicht allein: Im US-Kongress loten die Republikaner gerade restriktivere Statuten für ausländische Investitionen aus. Die zuständige Behörde, das Committee on Foreign Investment in den United States (CFIUS), greift seit dem Amtsantritt von Donald Trump härter durch. In der ersten Jahreshälfte hat sie neun geplante Übernahmen durch ausländische Käufer vorläufig abgelehnt. Das Elektronikunternehmen Inseego etwa musste den Verkauf eines Geschäftsbereichs an den chinesischen Smartphone-Hersteller TCL absagen. Insgesamt 87 Übernahmen haben chinesische Unternehmen und Investoren in diesem Jahr in den USA geplant – ein Rekord.

Yi Sun von Ernst & Young: "Chinesisch Investoren sind in den vergangenen Jahren immer professioneller aufgetreten."
Yi Sun von Ernst & Young: „Chinesische Investoren sind in den vergangenen Jahren immer professioneller aufgetreten.“

Chinesische Investoren werden sich weiter professionalisieren

Auch in Deutschland ist die chinesische Wirtschaft im Kaufrausch. Laut einer Studie von Ernst & Young gab es hierzulande 2016 68 Transaktionen zugunsten chinesischer Investoren. In der ersten Hälfte 2017 war der Trend zwar rückläufig, aber nicht gebrochen. „Das chinesische Interesse am europäischen und insbesondere am deutschen Markt bleibt hoch“, sagt Yi Sun von Ernst & Young. Sie erwartet zwar, dass die strengeren Regeln zunächst zu vorsichtiger Zurückhaltung führen werden. Investoren würden sich die ersten Fälle genau anschauen und müssten Übernahmen in Zukunft noch gründlicher vorbereiten. „Das sollte aber kein Problem sein, da chinesische Investoren in den vergangenen Jahren bereits immer professioneller aufgetreten sind“, analysiert Yi Sun. Auf lange Sicht rechnet sie mit einem anhaltend hohen Niveau chinesischer Übernahmen.

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