Nachdenken über die Globalisierung: Keine Antithese von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.
Nachdenken über die Globalisierung: Keine Antithese von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wurde schlussendlich zu Papier gebracht, was viele bereits im Vorfeld postuliert hatten: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bilden keine Antithese. Vielmehr ist ihre Synergie in Zeiten volatiler Märkte eine große Chance und Herausforderung zugleich. Allein: Es fehlt an Struktur.

Das Phänomen Globalisierung ist für viele sowohl terminologisch als auch emotional von einer gewissen Unbestimmtheit geprägt. Dies gilt allerdings nicht für die internationale Staatengemeinschaft. Sie verstand Globalisierung von Anfang an als einen freien und weltweiten Markt. Diesen Markt sollte es aber nicht nur um seiner selbst willen geben, sondern vor allem, um langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten. Daneben war die entscheidende Prämisse, eine friedliche Koexistenz zu fördern.

Heute, im Jahr 2018, ziehen sich durch diese vermeintliche Wahrheit immer mehr Risse: Der Trump’sche Protektionismus, der Sanktionsreigen zwischen der Europäischen Union und Russland sowie das zähe politische Tauziehen um den Brexit sind dabei aktuell die einschlägigsten Beispiele. Mehr denn je bekommen deutsche Unternehmen auch die riskante Kehrseite eines globalisierten Marktes zu spüren. Um dieser wachsenden Unsicherheit zuvorzukommen, suchen deutsche Unternehmen wieder vermehrt neue Wege und Märkte.

Hohe Renditen mit Nebeneffekten

Hier stellt man sich der nächsten Herausforderung: Viele Entwicklungs- und Schwellenländer, vor allem im afrikanischen und asiatischen Raum, locken bis heute mit vergleichsweise geringen Produktionskosten und vermeintlich stabilen Produktionsbedingungen. Die hohen kurzfristigen Renditen haben jedoch ihren Preis. Oft müssen Unternehmen die mangelnde Informationspolitik mit Skandalen bezahlen, die jahrzehntelange juristische und gesellschaftliche Aufarbeitungsprozesse nach sich ziehen. Unvergessen ist beispielsweise der tragische Tod von über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch ein Fabrikfeuer in einer bangladeschischen Textilfabrik im Jahre 2012, wo auch das Familienunternehmen C&A Kleidungsstücke produzieren ließ.

Die Wirtschaftlichkeit von Nachhaltigkeit

Alles also wie gehabt – mag manch kritischer Geist äußern. Tatsächlich aber stellen sich deutsche Unternehmen im ökologisch-sozialen Bereich einer völlig anderen Dynamik. Dies kann exemplarisch an drei Punkten festgemacht werden. Erstens hat die Nachhaltigkeitsfrage keine rein politische Dimension mehr, sondern richtet sich zunehmend am Wirtschaftssektor aus. Dies umfasst sowohl internationale Normensysteme wie die Agenda 2030 als auch nationale Regelungen wie das seit 2017 gültige CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Zweitens ist Nachhaltigkeit kein einfaches Nice-to-have mehr. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass sich Nachhaltigkeit auch ökonomisch lohnt. Exemplarisch dafür steht eine Studie der Nachhaltigkeitsratingagentur ISS-oekom. Über einen Zeitraum von 2004 bis 2011 erreichte ihr nach ökologischen und sozialverantwortlichen Faktoren definiertes Large Caps Prime Portfolio eine kumulierte Rendite von 30,90 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI World Total Return Index erzielte im gleichen Zeitraum eine kumulierte Rendite von 26,81 Prozent. Wenig überraschend also, dass der Marktbericht 2018 des Forums Nachhaltige Geldanlagen die Gesamtsumme entsprechender Investitionen in Deutschland für 2017 auf 171,0 Mrd. Euro taxierte, was einem jährlichen Wachstum von neun Prozent gleichkommt. Zum Dritten sehen sich deutsche Unternehmen einer gesellschaftlichen Entwicklung gegenüber, in der Nachhaltigkeit auch in der Mitte der Gesellschaft eine immer größere Rolle bei der individuellen Kaufentscheidung spielt.