„Die Pandemie ist Ventil für einen strukturellen Veränderungsbedarf“

Die von der Orlando Management AG beratenen ESSVP-Fonds haben sich auf Unternehmen in Sondersituationen mit attraktiver Marktposition konzentriert.

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Die von der Orlando Management AG beratenen ESSVP-Fonds haben sich auf Unternehmen in Sondersituationen mit attraktiver Marktposition konzentriert. INTERVIEW GEORG VON STEIN

Unternehmeredition: Was genau bedeutet die Fokussierung von ESSVP-Fonds auf Beteiligungen in Sonder- und Umbruchsituationen?
Philipp Hoffmann: Die ESSVP-Fonds investieren ausschließlich in gut positionierte mittelständische Unternehmen in der DACH-Region sowie den nordischen Ländern, welche einen gesunden Kern besitzen und in der Regel zwischen 50 Mio. und 500 Mio. EUR Umsatz generieren. Richtig ist, dass sich das Entwicklungspotenzial dieser Beteiligungen in vielen Fällen von einer zum Zeitpunkt des Erwerbs bestehenden unternehmerischen Herausforderung ableitet. Hierbei geht es weniger um existenzielle Probleme als vielmehr um komplexitätstreibende Umstände, die in ihrer Beurteilung umsichtiges Handeln und unternehmerische Erfahrung verlangen. Beispiele sind die geplante Ausgründung eines Unternehmens aus einem Konzernverbund oder die Lösung einer klassischen Nachfolgeproblematik. Oft erfordern diese Übernahmen auch die Beherrschung operativer Herausforderungen in komplexen industriellen Fertigungsprozessen oder die richtige Beurteilung von marktseitigen Veränderungen, zu der auch strategische Zusatzakquisitionen gehören.

Wie lässt sich die Beratung der Orlando Management AG von ESSVP-Beteiligungen beschreiben?
Die Investoren von ESSVP stoßen häufig operative Veränderungsprozesse an, um die langfristige Weiterentwicklung ihrer Portfoliogesellschaften zu fördern. Orlando sieht sich dabei als erfahrener Berater dieser Unternehmen, dessen Wertbeitrag auch portfolioübergreifend zu verstehen ist. In den letzten 20 Jahren haben wir unsere Investoren bei mehr als 50 Transaktionen beraten. Hinsichtlich der Identifikation von Wertsteigerungspotenzialen, die zum Beispiel strukturell, operativ und bei der Finanzierung gehoben werden können, hat sich dadurch für alle Portfoliogesellschaften ein wertvoller Erfahrungsschatz aufgebaut.

Wie gestaltet sich der Dealflow in Zeiten von Corona?
Rein quantitativ liegt der Dealflow im zweiten Quartal 2020 grob auf Vorjahresniveau; qualitativ jedoch sind deutliche Unterschiede erkennbar. Die Anzahl der Unternehmen in unserem Zielsegment, die mit einem gesunden Kern veräußert werden, ist deutlich gesunken. Die Pandemie ist in vielen Fällen nicht Verursacher einer Unternehmenskrise, sondern vielmehr Ventil eines bereits zuvor existierenden, strukturellen Veränderungsbedarfs in den Unternehmen.

Wie können die Investoren der ESSVP- Fonds Unternehmern und Unternehmen im Zuge der Coronakrise helfen?
In der aktuellen Krise hat es sich bewährt, Erfahrungen aus den verschiedenen Zielbranchen der Portfoliounternehmen zu teilen und Diskussionen zu Best Practices anzustoßen. Das reicht von der schnellen und pragmatischen Beratung bei Antragsprozessen für staatliche Hilfen bis hin zur Unterstützung bei der Erstellung einer Zwölf-Wochen-Liquiditätsplanung. Die Beteiligungen von ESSVP sind darüber hinaus keinen starren Vorgaben zu Rentabilität oder maximaler Haltedauer unterworfen. Entscheidungen werden im Sinne einer nachhaltigen Entwicklungsperspektive der Unternehmen getroffen. Wo es notwendig und unternehmerisch richtig ist, können die Investoren auch deutlich länger als die üblichen fünf Jahre engagiert bleiben. So wird sich die Haltedauer laufender Beteiligungen bedingt durch die Coronakrise vermutlich verlängern, um eine nachhaltige Erholung der Unternehmen zu ermöglichen.

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ZUR PERSON

Orlando Philipp HoffmannPhilipp Hoffmann ist Investment Director bei Orlando . Zuvor war er Projektleiter bei EY (ehemals Ernst & Young) in Hamburg und München sowie Berater bei Porsche Consulting in Stuttgart.

 

 

Dieses Interview ist erschienen im Spezial „Investoren im Mittelstand“ 2020.