Mittelständler sangen ein Loblied auf die Jugend. Heute setzen Unternehmen immer mehr auf ältere Mitarbeiter. Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind nicht die einzigen Gründe dafür.

Frank Daniel Herder ist sich darüber schon längst im Klaren. Ähnlich wie Otmar Fahrion war auch der Geschäftsführendende Gesellschafter der Windmühlenmesser-Manufactur Robert Herder GmbH & Co. KG in Solingen zu Beginn des Jahrtausends auf der Suche nach Fachkräften. Mit dem Massensterben der Kaufhäuser brach damals die Nachfrage nach Schneidwaren der mittleren Preisklasse ein. Hochwertiges Handwerk war wieder gefragt. „Aber Facharbeiter waren schon zu dieser Zeit schwer zu finden“, erinnert sich Herder. Daher schaute sich der Unternehmer gern auch ältere Arbeitslose an, die ihm das Jobcenter vor Ort immer wieder vermittelte.


Vier von zehn Mitarbeitern über 50 Jahre alt

„Im Jahr 2013 kam das Jobcenter dann mit der Idee auf mich zu, unseren Betrieb für den Preis ‚Unternehmen mit Weitblick‘ vorzuschlagen“, erzählt Herder. Der Preis wurde im Rahmen des Beschäftigungsprogramms der Bundesregierung „Perspektive 50 plus“ ausgelobt. Das Jobcenter machte Herder darauf aufmerksam, dass fast jeder dritte bis vierte vermittelte Arbeitslose über 50 bei der Windmühlenmesser-Manufactur einen neuen Job gefunden hatte. „Da habe ich mich hingesetzt und erst einmal eine Excel-Tabelle erstellt“, erinnert sich der Unternehmer. Und erst zu diesem Zeitpunkt wurde ihm bewusst, wie viele Mitarbeiter jenseits der 50 er eingestellt hatte: 70 Beschäftige zählte das Unternehmen, vier von zehn waren über 50 Jahre alt. So ist es bis heute. 2014 wurde die Windmühlenmesser-Manufactur tatsächlich mit dem Bundespreis ausgezeichnet.


„Ältere Angestellte haben ein anderes Verständnis von Treue und Partnerschaft“

Frank Daniel Herder, Geschäftsführer Windmühlenmesser-Manufactur


Die Qualitäten seiner älteren Mitarbeiter weiß Herder sehr zu schätzen. „Natürlich war es zuerst so, dass wir aus einem Mangel heraus jeden genommen haben, der die Arbeit bei uns leisten konnte“, sagt er. Mittlerweile hat er jedoch bemerkt, welche Vorzüge die Generation 50 plus zu bieten hat. „Ältere Angestellte haben ein anderes Verständnis von Treue und Partnerschaft“, sagt der Unternehmer. Sie seien seltener krank und eher bereit, auch unkomfortable Schichten zu übernehmen. „Wenn ich zum Beispiel am Samstag frühmorgens die Firmentür aufschließe, dann stehen da regelmäßig mehr Mitarbeiter parat, die über 50 sind, als junge Berufseinsteiger“, erklärt Herder. Und das liegt nicht daran, dass die Älteren stärker um ihren Job fürchten, ist er überzeugt.

Das Verhältnis zwischen den Jungspunden und alten Hasen ist auch nicht kompliziert, findet der Unternehmer. „Früher hatten ältere Mitarbeiter zum Teil wenig Verständnis dafür, wenn ein junger Kollege etwa einen Ohrring trug“, erinnert er sich. Heute sei die Generation 50 plus aber viel moderner. „Sie haben ihre Jugend in den 1980er-Jahren erlebt, da war die Gesellschaft ja längst viel offener als noch 20 Jahre zuvor“, sagt Herder. Und: Die heute über 50-Jährigen waren als junge Menschen protestbereit, haben gelernt, ihre Meinung zu vertreten. „Damit sind sie jüngeren Kollegen jetzt zum Teil überlegen“, erklärt der Unternehmer. Diese könnten oft weitaus schlechter Position beziehen.