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Vermögen verwalten: Delegieren statt Selbermachen

Beitrag erläutert die Bedeutung der individuellen Vermögensverwaltung, deren Prozesse und die Rolle von Anlageklassen wie z.B Aktien.

Foto: © Song_about_summer - AdobeStock

Nicht jede Unternehmerin oder jeder Unternehmer hat die Zeit, das Wissen oder auch die Lust, sich mit Kapitalanlage zu beschäftigen. Für diese Aufgaben kann man eine Vermögensverwaltung beauftragen, die eine auf die persönlichen Ziele, den Anlagehorizont oder auch die eigene Risikoneigung zugeschnittene Kapitalanlagestrategie entwickelt und diese auch umsetzt. VON CHRISTIAN JANAS

Die individuelle Vermögensverwaltung ist eine Beziehung zwischen Kundenbetreuer, der zugleich als Portfoliomanager agiert, und Kundin oder Kunde. Der Kundenbetreuer verantwortet sowohl die Entwicklung des Kundenvermögens als auch die Kundenbeziehung; aufsichtsrechtliche Bestimmungen sorgen hier oft für einen hohen Aufwand, was aber in gewisser Weise die Leitplanken vorgibt. Die Vergütungsstruktur des Vermögensverwalters wird in der Regel prozentual vereinbart, in Abhängigkeit des durchschnittlich verwalteten Vermögens. Darüber hinaus kann eine sogenannte Gewinnbeteiligung, also eine Beteiligung am Anlageerfolg fixiert werden. Anlegerinnen und Anleger können den Vermögensverwaltungsvertrag in der individuellen Vermögensverwaltung in hohem Maß entsprechend den Wünschen und Zielen individualisieren. Wer einen Partner zur Betreuung komplexer Vermögensstrukturen benötigt, ist in der klassischen Vermögensverwaltung also richtig aufgehoben.

Zunächst werden gemeinsam die Renditeerwartung sowie die Risikoneigung der Kundinnen und Kunden besprochen. Dies ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern stellt auch sicher, dass mögliche Risiken für den Kunden kontinuierlich an die jeweilige Lebenssituation angepasst werden. Unter anderem ist die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen seit 2022 Pflicht bei der Aufnahme von Neukunden. Das Ergebnis gibt dann zum Beispiel eine maximale Aktienquote vor, die der Vermögensverwalter bei der Portfolioallokation nicht überschreiten darf.

Mischung und Streuung für ein stabiles Portfolio

Im Zentrum der Geldanlage steht zunächst die Aufteilung und Anlage der Gesamtsumme, eingebettet in die Gesamtvermögenssituation und gesteuert durch das Portfoliomanagement. Es wählt die geeigneten Anlageklassen für Kundinnen und Kunden aus und kauft oder verkauft Assets gemäß aktueller Marktsituation. Sofern nicht abweichend vereinbart, liegt die Auswahl der Zielinvestments, in die das Anlegergeld investiert wird, in der Verantwortung des Vermögensverwalters. Klassischerweise wird dazu auf unterschiedliche liquide Anlagevehikel zurückgegriffen, denn Mischung und Streuung sind der Schlüssel zum Erfolg. Das bedeutet, je nach Anlagevolumen eine möglichst gut ausbalancierte Mischung an Anlageklassen mit wenig positiver Korrelation zueinander ins Portfolio zu nehmen. Dadurch wird das gesamte Portfolio stabil, auch wenn eine Anlageklasse einmal schwächere Phasen durchmacht. Streuung bedeutet, auch innerhalb einer Anlageklasse eine gute Breite zu erreichen und verschiedene Branchen, Sektoren und Regionen abzudecken. Drei der „klassischen“ Anlageklassen stellen wir Ihnen hier vor.

Aktien – stabile Klassiker im Portfolio

Aktien sind auf lange Sicht die renditestärkste, aber auch volatilste Anlageklasse. Bei der Einzeltitelauswahl gilt es, sehr genau hinzusehen: Rund die Hälfte der Gesamtrendite von Aktienanlagen kommt langfristig von Dividenden. Diese (freiwilligen) regelmäßigen Ausschüttungen von Unternehmen an ihre Aktionärinnen und Aktionäre können somit auch Kursschwankungen dämpfen. Dividendenaktien sind deshalb oft eine gute Wahl für Anleger, die in Aktien investieren wollen, sich aber eine eher defensiv ausgerichtete Strategie mit möglichst stabiler Wertentwicklung wünschen. Daran ändert grundsätzlich auch eine inflationäre Phase mit den aktuell hohen Zinsen nichts.

Anleihen – der Zins ist wieder da

Neben einem global gestreuten Mix dividendenstarker Aktien gehören auch wieder Anleihen ins Portfolio, denn diese können mit den höheren Renditen einzukalkulierende Kursverluste bei Aktien auffangen und ihrer Pufferfunktion im Depot gerecht werden. Die großen Vorteile von Anleihen sind kalkulierbare Zahlungsströme (Cashflows), wieder recht hohe Nominalverzinsungen und zusätzliche Kursgewinne bei einem fallenden Zinsniveau. So stehen nach einem historisch starken Zinsanstieg viele Volkswirtschaften in der Erwartung der Marktteilnehmer am Ende des Zinserhöhungszyklus. Sollten die Zinsen also wieder fallen, können Investoren insbesondere bei langlaufenden Anleihen neben dem festen Coupon mögliche Zusatzerträge über den Kursgewinn der Anleihe erwirtschaften.

Privatanleger sind allerdings bei Anleihen – anders als bei den meisten Aktien – mit hohen Markteintrittsbarrieren konfrontiert, da die Mindestanlagesummen von 100.000 EUR bei vielen Anleihen hoch sind. Oftmals sind Anleihen, insbesondere von Unternehmen, auch nicht über die Depotbank beziehungsweise den Broker für den Anleger erwerbbar. Speziell für Anleihen in Fremdwährung ist der Marktzutritt für Retailkunden fast unmöglich. An dieser Stelle beweisen sich Publikumsfonds als geeignete Instrumente, wie sie auch Vermögensverwalter einsetzen können.

Neben der Eintrittsbarriere sind vielerlei Faktoren zu berücksichtigen, um eine möglichst hohe und stabile Rendite mit Anleihen zu erwirtschaften. Es gilt zum Beispiel, Währungs- beziehungsweise Wechselkursrisiken zu beachten. Zudem ist die Stellung der Anleihe im Ranking der Bilanz des Emittenten bedeutsam. Aktuell ist Fingerspitzengefühl besonders bei der Laufzeitsteuerung angesagt, da nach einem möglichen Plateau des Zinsniveaus ab 2024 Zinssenkungen der Notenbanken denkbar sind. Dazu braucht es erfahrene Vermögensverwalter, die den Anlagemix und auch Laufzeiten aktiv steuern.

Gold und Rohstoffe

Die klassische Rohstoffbeimischung in der Vermögensanlage ist wohl nach wie vor Gold, das von vielen Anlegern geschätzt wird. Allerdings erwirtschaftet Gold keinerlei laufende Erträge wie die zuvor genannten Anlageklassen, sondern hier setzt man auf den inhärenten Wert von Gold („Wertspeicher“) und langfristig auf Preissteigerungen. Gold wird dabei ebenso wie andere Anlageklassen stark vom Marktgeschehen und auch geopolitischen Themen beeinflusst: Die wieder positiven Realzinsen beispielsweise wirken sich negativ auf das Edelmetall aus. Ebenso war der US-Dollar historisch eher stark und damit schlecht für Gold, was sich aber nach einem möglichen Zinsplateau und ersten Zinssenkungen wieder umkehren könnte. Dies zeigt, dass auch ein vermeintlich stabiler Wertspeicher wie Gold als Beimischung im Portfolio gut strategisch beurteilt und gesteuert werden sollte.

FAZIT

Bei der Vermögensanlage ist vor allem ein aktiver und offener Dialog hinsichtlich Anlageausrichtung und -strategie wichtig. Je nach Anlagezweck ist der “wieder zu erzielende” Zins in die Allokation zu berücksichtigen. Beim aktuellen Marktumfeld ist Wachsamkeit oberstes Gebot. Vermögensverwaltung(en) erstellen individuelle Anlagekonzepte und setzen diese im Sinne der Kunden um.

Dieser Beitrag erscheint in der Unternehmeredition-Magazinausgabe 4/2023 mit Schwerpunkt “Unternehmervermögen”. Zum E-Paper geht es hier.

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