Stihl hat sich vom Stuttgarter Ingenieursbüro zur weltweit bekanntesten Motorsägenmarke entwickelt. Im internationalen Vergleich kann das Unternehmen mit zweierlei punkten: Mit den Werten eines Familienunternehmens und der Macht eines Konzerns.

Forschung und Entwicklung in Waiblingen: Sie will Stihl auf jeden Fall in Deutschland behalten (© Stihl Holding AG & Co. KG)
Forschung und Entwicklung in Waiblingen: Sie will Stihl auf jeden Fall in Deutschland behalten. (© Stihl Holding AG & Co. KG)

Exportiert hatte Stihl bereits in den 30er-Jahren, in die USA und nach Kanada. Die groß angelegte Internationalisierung startete mit Brasilien, die dortige Produktions- und Vertriebsgesellschaft entstand 1973. Gemeinsam mit den anderen Produktionsstätten bildet sie heute den firmeneigenen Fertigungsbund: Diese liefern entweder die Endprodukte für eine bestimmte Region oder sind auf ein besonderes Segment oder eine Produktgruppe fokussiert. In Deutschland ist etwa das Werk für den Profibereich, aus den USA kamen lange Zeit die Großmengen sowie Produkte für Privatkunden und das Einstiegssegment. Letzteres kommt heute aus China, ebenso wie die Vergaser für die Stihl-Produkte. Die einzelnen Werke beliefern sich so gegenseitig und stehen in Wettbewerb zueinander.

Qualität kennt keine Grenzen

Eines aber bleibt fest im Schwabenland: Forschung und Entwicklung. Erst kürzlich wurde ein 12.600 m² großer Neubau für das Entwicklungszentrum in Waiblingen eingeweiht. Angela Merkel war per Videobotschaft mit dabei. Kosten: über 30 Mio. Euro. Und Innovationen sind bei Stihl alles. 1929 fing alles mit der weltweit ersten Benzinmotorsäge an. Nach dem Krieg zog sich das Unternehmen mit der „Contra-Säge“ aus dem Schlamassel. Das Neue: Sie war getriebelos und wog nur zwölf kg. 1964 kam das erste Antivibrationssystem, 1972 eine Stopp-Automatik – heute alles weltweit Standard. Aktuell forschen die Stihler vor allem an innovativen Antriebstechnologien, etwa mit Akkus. Dank einer Lithium-Ionen-Einheit, die als Rucksack getragen wird, können Kunden heute schon einen ganz Tag lang akkubetrieben arbeiten. 2014 gab es eine weitere Weltneuheit: Stihl brachte den ersten akkubetriebenen Trennschleifer auf den Markt. „Wir sind immer auf der Suche, was noch nützlich sein könnte und dem Menschen hilft, dieselbe Arbeit in einem Fünftel der Zeit zu erledigen“, so Kandziora.

Mit Motorsägen fing alles an: Noch heute ist Stihl weltweit die meistverkaufte Marke in diesem Segment (© Stihl Holding AG & Co. KG)
Mit Motorsägen fing alles an: Noch heute ist Stihl weltweit die meistverkaufte Marke in diesem Segment. (© Stihl Holding AG & Co. KG)

Der Qualität tue die internationale Produktion keinen Abbruch, so Kandziora. „Qualität kann man weltweit herstellen, ansonsten macht man irgendetwas falsch“, ist er überzeugt. Bei allen Produktionen gibt es Stichproben und Qualitätsprüfungen, jedes Gerät wird auf dem Prüfstand getestet, bevor es in den Vertrieb geht. Ist die Produktion für manche Teile auf Zulieferer angewiesen, werden diese qualifiziert und streng geprüft. „Nur das, was wirklich die Spezifikation erfüllt, wird verbaut.“ Sind die Lieferanten noch nicht auf dem entsprechenden Qualitätsniveau, werden sie von Stihl weiterentwickelt. „Davon profitiert zwar auch der Wettbewerb, doch das Risiko müssen wir eingehen“, so Kandziora. Solange keine Schutzrechte verletzt werden, sei das ganz normal. Doch selbst in solchen Fällen funktioniere die Zusammenarbeit mit den Behörden mittlerweile recht gut. Sogar in Problemländern wie China seien Razzien möglich, Haft- und Geldstrafen werden vollstreckt.