Peter Deilmann Reederei GmbH & Co. KG (Ausgabe 3/2009)

Die Zwei vom Traumschiff

Ziehung der Lotto-Zahlen, Heute Journal und an Sylvester „Dinner for One“: Das bleibt auf immer und ewig im deutschen Fernsehen. Darauf kann man sich verlassen. Das gilt auch für „Das Traumschiff“ – nur dass diese Serie mehr Glamour und Zuschauer hat als die anderen Dauerbrenner.

Ziehung der Lotto-Zahlen, Heute Journal und an Sylvester „Dinner for One“: Das bleibt auf immer und ewig im deutschen Fernsehen. Darauf kann man sich verlassen. Das gilt auch für „Das Traumschiff“ – nur dass diese Serie mehr Glamour und Zuschauer hat als die anderen Dauerbrenner. Es war ein genialer Schachzug des Reeders Peter Deilmann, vor 30 Jahren Wolfgang Rademann zu einer Kreuzfahrt zu überreden. Der TV-Produzent und Erfinder des „Traumschiffs“ drehte kurze Zeit danach an Bord des Deilmann-Schiffs „Berlin“. Im TV stach dann das „Traumschiff“ zu seiner ersten Reise am 22. November 1981 im ZDF in See. Seit 1998 übernahm das schwimmende Grand-Hotel „Deutschland“ die Hauptrolle in dem ZDF-Quotenschlager – aber das hat wohl nur eine Gruppe von Zuschauern bemerkt: Die vielen Stammgäste der Reederei. Dass sie immer wieder kommen, ist vor allem den Zwillingen Gisa und Hedda Deilmann zu verdanken, denn die 1968 geborenen geschäftsführenden Gesellschafterinnen sind wahre Power-Frauen.

Persönlicher Kontakt zu den Gästen
Nicht wenige Gäste buchen für durchschnittlich 420 Euro pro Kopf und Tag zuzüglich Getränken, Landausflügen und Trinkgeldern, weil sie sich eine der beiden Deilmann-Chefinnen an Bord erhoffen. „Als Privatreederei können wir unsere Kunden sehr persönlich ansprechen“, sagt Gisa gegenüber der Unternehmeredition. Und Schwester Hedda ergänzt: „Unsere Kunden wünschen sich den persönlichen Kontakt und schätzen es, uns Ideen und auch mal Kritik direkt mitzuteilen. Kein anderer Anbieter am Markt kann ihnen so einen persönlichen Gedankenaustausch bieten wie wir.“ Zudem habe die „Deutschland“ ein „menschliches Maß“, wie Vater Deilmann das nannte. Diese überschaubare Größe erlaube sehr individuellen Service auf 5-Sterne-Niveau sowie Deluxe-Ausflüge für Kleinstgruppen: „Unsere Schiffe bedienen einen Nischenmarkt, und dort sind sie gut aufgehoben.“

Harte Arbeit statt Jetset
Auf den ersten Blick wirken die beiden blonden Erbinnen wie zwei Fotomodelle – schlank und sportlich gebaut. Ihre Kleidung ist figurbetont, roter Lippenstift, ihre Gesichter sind blass geschminkt. Auf die Frage „Rotwein oder Weißwein?“ antwortet Gisa mit „Champagner“. Doch der Anschein eines unbeschwerten Jetset-Lebens trügt. Zwischendurch führen die beiden ein Familienleben. Die Geschwister sind Mütter von zwei bzw. vier Kindern. Sie müssen sich auch um ihre Villen im holsteinischen Neustadt kümmern und um die Pferde und Hunde dort. Bei öffentlichen Auftritten wirken die beiden mitunter etwas schüchtern. Das macht sie sympathisch. Völlig unvorbereitet in den elterlichen Betrieb gestolpert sind die beiden keineswegs. Hedda, bereits seit 1990 in der Reederei tätig, ist gelernte Reisekauffrau. Gisa, die Anfang 2003 dazukam, war nach dem BWL-Studium Chefin eines 5-Sterne-Hotels im irländischen West Cork. Für sie zählt vor allem der Kunde: „Wir achten sehr darauf, dass sich unsere Gäste auf den Schiffen wohl fühlen. Nur so haben wir eine hohe Auslastung.“ Die liegt Insidern zufolge bei satten 80% – trotz Krise.

Seit über 30 Jahren Anbieter von Luxus-Kreuzfahrten
Den Grundstein für das Familienunternehmen legte Zwillingsvater Peter Deilmann vor 35 Jahren. Bereits 1968 machte sich der gelernte Schifffahrtskaufmann mit Befrachtungen und Zeitchartern selbstständig. Nach einigen Jahren wandte sich die Reederei auch der Personenschifffahrt zu. Mitte der 70er Jahre verkaufte Peter Deilmann die Frachtschiffe, erwarb die „Nordbrise“ und entwickelte ein neues Unternehmenskonzept für Kreuzfahrten. Für die Reederei ließ er sogar den Begriff „Deutsche Kreuzfahrttradition“ als Marke eintragen. Der Gründer und Namensgeber der Reederei hatte sein Unternehmen bewusst im Luxussegment positioniert und sich dem in der Branche gängigen Trend zum Ausflaggen verweigert. Die gesamte Flotte des Unternehmens – aktuell neben der „Deutschland“ noch neun Flusskreuzfahrtschiffe – fährt deshalb seit jeher unter deutscher Flagge und wurde bis auf zwei Ausnahmen auf hiesigen Werften gebaut. Das gefällt offensichtlich der Zielgruppe, betuchten Senioren ab 50 Jahren aufwärts, ebenso wie die mondäne und etwas plüschige Ausstattung des „Traumschiffs“: Edle Teak- und Mahagonihölzer zieren die Decks, riesige Flächen von Tiffanyglas erhellen die Gänge, Ölgemälde und Geweihe schmücken die Lounges. Die Ausstattung soll den Passagieren ein Gefühl von Heimat vermitteln.

Überraschender Tod des Gründers
„Eigentlich wollte unser Vater langsam die Führung der Reederei an uns abgeben, um sich allmählich zur Ruhe zu setzen“, sagt Hedda Deilmann. Im November 2003 starb der Firmengründer jedoch überraschend. „Wir waren praktisch über Nacht auf uns allein gestellt, hatten aber die Unterstützung der langjährigen Mitarbeiter“, sagt ihre Schwester Gisa. Die Zwillinge fackelten nicht lange und packten an. Schnell entrümpelten sie das Arbeitszimmer ihres Vaters und ließen zwei neue Schreibtische hineintragen, die sie bewusst einander gegenüberstellen. „Wir können so besser und schneller über alles reden“, meinen die beiden Chefinnen. Dazu gehört auch, sich um kompromisslos gute Qualität zu kümmern. Und eine klare Preisstrategie zu fahren, die sich nicht um die in der Branche üblichen Nachlässe und Last-Minute-Buchungen schert. „Unsere Gäste erwarten höchste Qualität. Wir sparen weder am Essen, bei Bordprogrammen noch am Personal“, sagt Hedda Deilmann. Es gelte bei Fahrplänen darauf zu achten, dass die Geschwindigkeit ökonomisch wie ökologisch optimiert wird. Manch interessantes Ziel erlaube zum Beispiel auch zwei Liegetage – mehr Zeit für Landgänge.

Ausgezeichnet als „Hoteliers des Jahres“
„Deutschland ohne Familienunternehmer wäre ein Land ohne eine wirtschaftlich tragfähige Mitte“, meinen die beiden. Und wie sieht es aus mit Familientraditionen? „Bei allen unseren Entscheidungen haben wir immer auch die Lebensdevise unseres Vaters im Sinn: Tue recht und scheue niemanden. Aber auch unser eigenes Motto: If you do a job, do it well.” Mit der früher sehr hierarchischen Firmenkultur haben die Geschwister aufgeräumt. Die Mitarbeiter zögen seitdem noch mehr an einem Strang, meint ein Firmen-Insider. Der Erfolg gibt den 41-Jährigen recht. Im vergangenen Jahr zeichnete der Marktführer unter den Hotelfachtiteln, die „Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung“ die Zwillinge als „Hoteliers des Jahres“ aus. Mit dem „Special Award“ ehrte die Jury die „außerordentlichen Verdienste der Reederinnen um Kultur und Tradition der Gastlichkeit und der Grandhotellerie“. Mit ihren Traumschiffen trügen sie das Bild der deutschen Grandhotellerie in die ganze Welt.

Seit 24 Jahren Gastgeber des „Traumschiffes“
Wenn auf dem TV-Bildschirm wieder die Wunderkerzen auf den Eisbomben von den Kellnern in den Speisesaal des Traumschiffs getragen werden, scheinen alle Probleme dieser Welt gelöst. Dann hat sich abermals das 3 Mio. Euro-Engagement der Reederei in die Filmproduktion gelohnt. Soviel haben die Deilmanns in 24 Jahren investiert – allerdings nur als Sachleistungen, Geld floss nie, berichtet das „Handelsblatt“. Die Filmcrew und die Schauspieler der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH durften dafür unentgeltlich logieren, speisen und drehen.

Thomas Grether
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Peter Deilmann Reederei GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1968
Branche: Reederei
Unternehmenssitz: Neustadt in Holstein
Mitarbeiter: 110 plus 800 Besatzungsmitglieder
Umsatz 2008: ca. 100 Mio. Euro
Internet: www.deilmann.de

Autorenprofil

Thomas Grether ist Gastautor.

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