Die Bahlsen-Gruppe ist als Familienunternehmen eine deutsche Institution. Trotzdem schaut der Kekskonzern vor allem ins Ausland, weil dort das Wachstumspotenzial liegt. Es ist ein weiterer Baustein bei der Neuausrichtung des Traditionsunternehmens.

In manchen Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten kann Bahlsen nach eigenen Angaben schon mit einem Marktanteil von sechs Prozent punkten, in anderen Regionen steckt die Verbreitung noch in den Kinderschuhen. Für Geschäftsführer Wieneke ist die Marschrichtung klar: „Unsere Geschäftspartner, etwa in China, sagen immer, dass wir noch expliziter mit unserer Tradition umgehen müssen. Made by a german family business ist dort ein absolutes Qualitätsmerkmal.“ In anderen Ländern wie den USA hat Bahlsen gelernt, die lokalen Vertriebsgesellschaften personell aufzustocken, um damit bei der Distribution und dem Marketing mehr Akzente zu setzen.

Bahlsen 2025

Derzeit arbeitet Geschäftsführer Wieneke mit Firmeninhaber Werner M. Bahlsen, dessen Familie immer noch Alleingesellschafter ist, und den anderen Führungskräften an der Strategie für die nächste Dekade: „Wir haben den Zeitraum dieses Mal bewusst länger gesetzt, um uns zu erlauben, auch mal langfristig zu denken.“

Nun beginnt mit Bahlsen 2025 die nächste strategische Phase. Im neuen Masterplan fokussiert Bahlsen das Thema Gesundheit. Neue Produkte mit weniger Zucker oder glutenfreie Alternativen sollen dabei erst der Anfang sein. Auch hierbei geht es darum, die Trends zu bedienen, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wir wollen sehen, was möglich ist. Wir bleiben aber immer noch ein Süßwarenhersteller“, sagt Wieneke und legt damit die Leitplanken fest.

Tradition versus Rendite

Diese Aussage kann auch als Metapher für die gesamte Entwicklung verstanden werden. Bei aller Modernisierung handelt es sich bei Bahlsen auch immer noch um ein Familienunternehmen. Und da spielen Traditionen genauso eine Rolle wie Kennzahlen. Als Inhaber Werner Michael Bahlsen vor vier Jahren überlegte, wegen der teuren Produktion aus dem Weihnachtsgeschäft auszusteigen, waren viele Kunden geschockt, einige Manager stellten sich quer. Dem Firmenerben wurde klar, dass Bahlsen einen Teil seiner Identität verlieren könnte. Er hielt deshalb am Weihnachtsgeschäft fest. Auch in dieser Adventszeit bietet Bahlsen wieder Lebkuchen, Zimtsterne und Christstollen an. Über die Produktionskosten wird nicht mehr debattiert.


Zur Person

Helge Wieneke
Helge Wieneke

Helge Wieneke begann 1996 seine Karriere bei Bahlsen und arbeitete zwischendurch bei der Deutschen Lufthansa. Heute ist er Mitglied der Geschäftsführung und vor allem zuständig für Finanzen und M&A-Aktivitäten. Zuvor leitete er im Auftrag von Firmeninhaber Werner M. Bahlsen die Umstrukturierung der Geschäftseinheiten hin zu Business Units.

www.bahlsen.de