Wenn Chefs von Hotelketten auf Messen und Kongressen auftreten, dann tun sie das mitunter wie Weltstars. Eine ganze Entourage von Assistenten, Sekretärinnen und mitunter sogar Leibwächtern riegeln ab; Gesprächstermine müssen Wochen vorher vereinbart werden. So einer ist Otto Lindner nicht.

Wenn Chefs von Hotelketten auf Messen und Kongressen auftreten, dann tun sie das mitunter wie Weltstars. Eine ganze Entourage von Assistenten, Sekretärinnen und mitunter sogar Leibwächtern riegeln ab; Gesprächstermine müssen Wochen vorher vereinbart werden. So einer ist Otto Lindner nicht. Jeder kennt ihn hier auf dem Hotelkongress in Berlin, und viele blicken ihm ein wenig neidisch hinterher, weil der Vorstandschef der Lindner Hotel AG seine Kette bislang vergleichsweise gut durch die Krise geführt hat. Freundlich, beredt, frei von jeder angeberhaften Attitüde, läuft er alleine quer durch die Halle, stellt sich vor, kommt schnell auf den Punkt. Eigentlich würde er ja heute viel lieber einen lockeren Pulli tragen. Aber das verbietet ihm die Etikette, sitzt er doch heute Abend in der altehrwürdigen Jury, die den „Hotelier des Jahres“ kürt, den Branchen-Oscar. Zu benehmen weiß er sich, und auch, dass das Arbeitsleben in Hotels nun einmal ziemlich hierarchisch strukturiert ist. Otto Lindner, Vorstandschef von Deutschlands einziger Hotelgruppe in Familienbesitz, sägt gerne dicke Stämme, statt Süßholz zu raspeln. Seine Spezialität: Sanierungsfälle übernehmen. 16 seiner 32 Vier- und Fünf-Sterne-Häuser sind Immobilien, derer er sich annahm, als es ihnen ziemlich schlecht ging.

Ordentlich Profit aus der Bauruine
So war es auch in Frankfurt, wo er vor 14 Jahren ein halbfertig gebautes Hotel übernommen hat, das eine Bauruine gewesen sei, erinnert sich Lindner. Nach gründlicher Analyse und mehreren Tagen Überlegen kam die Idee: „Als erstes Hotel haben wir den Begriff Multimedia besetzt – mit Internet bis ans Bett“, erinnert sich Lindner heute. Damals hatten die meisten noch nicht einmal eine Mailadresse. Hotelexperten attestieren Lindner auch heute noch zukunftsweisende Kommunikationslösungen. Hat er den richtigen, intuitiven Riecher, oder ist er ein brillanter Kaufmann? „Das Gespür, aber insbesondere auch das Know-how, schwierige Hotels wieder erfolgreich im Markt zu platzieren, kommt aus der umfassenden Grundausrichtung unseres gesamten Unternehmens. Wir als Lindner-Unternehmensgruppe beschäftigen uns seit nunmehr über 50 Jahren mit allen Facetten der Immobilienwirtschaft“, sagt Lindner im Gespräch mit der Unternehmeredition. Entwicklung und Planung, Finanzierung bis hin zur Realisierung von Immobilien – die Lindner-Gruppe macht alles und verdient so auch an all diesen Wertschöpfungsprozessen.

Fünf Linder-Söhne in der Unternehmensgruppe
Der 47-Jährige ist der dritte von fünf Söhnen des Firmengründers Otto Lindner, der seinen Vornamen an den drittjüngsten seiner Söhne weitergegeben hat. Mit seinen Brüdern ist der Ex-Bundesligawasserballer Otto Lindner Gesellschafter der Lindner Unternehmensgruppe. Ihre Tätigkeit stützt sich auf die Lindner Hotels AG und den ältesten Fondsanbieter Deutschlands, die Gebau AG, der die Expansion der Hotelschwester unterstützt. Alle seine Brüder arbeiten ebenfalls in der Lindner-Gruppe: Jörg und Dirk sind Vorstände des Immobiliendienstleistungsunternehmens Gebau AG. Dazu gehören die Gebau Fonds mit Immobilienmanagement und -verwaltung für Immobilienfonds sowie die Gebau Vermögen mit Immobilien- und Wohnungseigentumsverwaltungen. Bruder Frank ist Geschäftsführer der Gebau Technik, Spezialistin für Ingenieur- und Bauleistungen. Der vierte Bruder, Marc, der viele Jahre außerhalb als Unternehmensberater tätig war, ist mittlerweile für die Geschäfte der Lindner Unternehmensgruppe in der Schweiz verantwortlich. Das Modell der Lindner Unternehmensgruppe: Verschiedene Gebau-Gesellschaften fungieren als Fondsmanager, Initiator, Entwickler und Manager. Dazu gehört auch das Management von Wohn- und gewerblichen Immobilien. „Dass wir dabei auch vor über 35 Jahren die Hotelbranche für uns entdeckt haben, war sehr nahe liegend. Mit diesem ganzheitlichen Know-how können wir diese Turnarounds bei zumeist insolventen Hotels erarbeiten“, erklärt Lindner. Ursprünglich hatte sein Vater, Firmengründer Otto Lindner, heute Aufsichtsratschef der 1990 in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Lindner Hotels AG, mit Hotels wenig im Sinn. Er ließ sich 1959 in Düsseldorf nieder, um als freier Architekt zu arbeiten. Sechs Jahre später entstand die Gebau AG, mit dem Großkunden Apotheker- und Ärztebank e.G. So baute die Lindner-Tochter anfangs vor allem Eigentumswohnungen für Heilberufler.

Seit 2000 Zahl der Hotels verdreifacht
Heute dominiert in der Öffentlichkeit das Hotelgeschäft, und die Marke Lindner gehört den Top 10 der bekanntesten Hotelketten hierzulande an. Otto Lindner ist Herr über Hotels und Resorts in Deutschland, Österreich, Spanien und der Schweiz, von Sylt oder Wien über Mallorca bis Crans Montana. Alles ist dabei: vom Golf-, Ski-, Stadt-, Business- über Wellness- bis zum Grandhotel. Das Unternehme, hat eine beeindruckende Expansion hinter sich. Allein seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Lindner-Hotels verdreifacht. Die Hotelgruppe mit dem Motto „Nicht nur besser. Anders“ steht für innovative Hotelkonzepte. Erst im Mai letzten Jahres wurde mit dem Lindner Park-Hotel Hagenbeck ein Tierpark-Themenhotel in Hamburg eröffnet und zwei Monate später das Lindner Congress & Motorsport Hotel am Nürburgring zusammen mit 100 Ferienhäusern. Dort landete das Familienunternehmen jüngst auch den neuesten Coup der Gruppe. Sie wird künftig den gesamten Nürburgring managen. Die staatliche Nürburgring GmbH zieht sich dafür aus dem operativen Geschäft zurück und übergibt den Betrieb an die privaten Unternehmen Lindner und Mediinvest.

Bruder Jörg managt den gesamten Nürburgring
Der Nürburgring ist seit 2009 mehr als nur eine Rennstrecke. Rund um den Imageträger Formel 1 hat das Land Nordrhein-Westfalen vergangenes Jahr am Nürburgring eine mehr als 300 Mio. EUR teure Erlebniswelt eröffnet – mit einem Freizeitpark, Event-Hallen, Hotels und einem Gastronomiedorf, der „Grünen Hölle“. Doch schon kurz nach einem ernüchternden Start wurde klar: Statt wie einst 500.000 Besucher erwartet das Land mittlerweile nur noch 170.000 Gäste pro Jahr. Dem Vernehmen nach traut Ministerpräsident Kurt Beck den Lindners zu, dass nicht nur die Rennwagen, sondern auch die Finanzen einen Turnaround erfahren. Am Nürburgring ist Otto Lindners Bruder Jörg der Chef und weiß: „Der allergrößte Teil der Arbeit steht noch bevor.“ Die Arbeit liebt auch Otto Lindner. In diesem Jahr will er in Frankfurt die Lindner Hotel & Sports Academy eröffnen, nächstes Jahr ein Haus in Kössen, Tirol, und 2012 steht erstmals ein Hotel außerhalb Europas auf der Eröffnungsliste. Wie es in Deutschland ohne Familienunternehmen aussehe? „Gar nicht auszudenken“, sagt der Diplom-Kaufmann im Gespräch mit der Unternehmeredition. Familienunternehmen erwiesen sich immer wieder als innovative Keimzellen beim Wachstum und als Garanten der Stabilität in der Krise. „Hier werden in Deutschland die Arbeitsplätze geschaffen und gehalten, ganz im Gegensatz zu den internationalen Großkonzernen, die dem ‚Shareholder Value’ verpflichtet sind und von Hauptversammlung zu Hauptversammlung denken müssen. Ich finde es bezeichnend, dass DAX-Konzerne bis zu 50% ihrer Gewinne ausschütten, Familienunternehmen in der Regel nur 5 bis 10%.“

32 Hotels, 32 Joggingstrecken
Der dreifache Familienvater hält sich mit Sport fit. „Die morgendliche, meditative Joggingrunde ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. So habe ich zu jedem unserer Hotels meine Lieblingsrunde.“ Manchmal werde sogar behauptet, er suche sich neue Hotelprojekte nach dem Joggingkurs aus. Auch Wasserball spielt der ehemalige Bundesligaspieler noch. „Diesen Mannschaftsport, der viel Ausdauer, Kraft und Taktik erfordert, mache ich auch heute noch regelmäßig als Ausgleich zu meiner manchmal natürlich sehr stressigen Vorstandstätigkeit.“ Statussymbole sind ihm fremd; die luxuriöse Firmenlimousine steuert seine Frau. Mit ihrem Mini fährt Otto Lindner am liebsten. Diese Uneitelkeiten lassen ihn auch den Kontakt halten mit der Basis, seinen Mitarbeitern. Für ihn zählt das Persönliche. Jeder der 2.000 Angestellten bekommt von ihm einen Weihnachtsbrief, eigenhändig unterschrieben. Ebenso wie die Antwortbriefe an die 2.000 Gäste, die monatlich einen Gästekommentar abgeben – „bis ich einen Tennisarm habe“.

Thomas Grether
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Lindner Hotel AG
Gründungsjahr: 1973
Branche: Hotels
Unternehmenssitz: Düsseldorf
Mitarbeiter: 2.000
Umsatz 2009: 156 Mio. EUR
Internet: www.lindner.de