J.J. Darboven Holding AG & Co. KG (Ausgabe 3/2008)

Der Hamburger Bohnenkönig mit der guten Idee

1866 gelang dem jungen Kaufmann Johann Joachim Darboven ein revolutionärer Coup, der den Grundstein für ein Familien-Imperium gelegt hat: Er verpackte als ei-ner der ersten gerösteten Kaffee in Tüten. Inzwischen ist Darboven zu einem über-aus widerstandsfähigen Unternehmen mit 225 Mio. Euro Umsatz aufgestiegen.

1866 gelang dem jungen Kaufmann Johann Joachim Darboven ein revolutionärer Coup, der den Grundstein für ein Familien-Imperium gelegt hat: Er verpackte als einer der ersten gerösteten Kaffee in Tüten. Inzwischen ist Darboven zu einem überaus widerstandsfähigen Unternehmen mit 225 Mio. Euro Umsatz aufgestiegen. Zu verdanken hat es seinen Erfolg zweifellos auch der persönlichen und bisweilen eigenwillig markanten Fernsehwerbung von Inhaber Albert Darboven in den 1980er Jahren.

Hier wirbt der Chef selbst
Der Herr ist grau meliert, im gediegen-eleganten Maßanzug. Jung und attraktiv die Dame. Er zwinkert ihr vertraulich zu. Sie kredenzt ihm strahlend eine Tasse Kaffee. Nach dem ersten Schluck ist Albert „Atti“ Darboven entzückt. „Koffein ist der Engel in der Kaffeebohne“, sagt er mit leicht hamburgischer Klangfarbe lächelnd. Millionen Fernsehzuschauer kennen den Werbespot, in dem der Hamburger Kaffee-Unternehmer seine Hausmarke Idee-Kaffee anpreist. Die Idee für den Idee-Spot kam von Albert Darboven. Hier warb der Chef selbst. Der 72-Jährige ist wirklich so, wie ihn viele aus der Kaffeewerbung kennen: Hanseatisch-nobel, ein Mann, dem man seinen Wohlstand ansieht und der damit auch nicht hinter dem Berg hält – freilich ohne auch nur den geringsten Anschein zu erwecken, damit angeben zu wollen. Sein eigenes Markenzeichen sind graues Flanell und auffallende Krawatten. Albert Darboven – der Kaffeekönig, wie ihn die Klatschpresse nennt – ist bis heute erster Botschafter seines Familienunternehmens. Seine wichtigste und beste Entscheidung im Imperium Darboven? „Sie ist und wird immer sein, dass das Unternehmen in Familienbesitz bleibt, um die Unternehmenskultur zu erhalten. Das Unternehmen wird zurzeit in vierter und fünfter Generation geführt und die sechste Generation hat in dem Büro meines Sohnes Arthur bereits einen Schreibtisch“, sagt Albert Darboven. Albert wurde eigentlich als Albert Hopusch geboren und von seinem Onkel – er hieß ebenso Albert Darboven – adoptiert. So konnte der Name der Dynastie fortleben.

Klare Markenpolitik
Am 21. März 1866 legte Johann Joachim Darboven den Grundstein des mittelständischen Unternehmens im Hamburger Stadtteil Billbrook. J. J. Darboven hatte vor 142 Jahren den Bürgern das bis dahin übliche Rösten der grünen Bohne am eigenen Herd abgenommen. Dessen Söhne Arthur und Cesar entwickelten das Markenzeichen „Idee“ und ließen 1927 ein Verfahren patentieren, mit dem der Bohne vor dem Rösten die den Magen belastenden Stoffe entzogen wurden. Mittels Dampf wurde der Idee-Kaffee bekömmlicher, das belebende Koffein blieb. So wurde eine Marke etabliert, die bis heute dem Käufer Bekömmlichkeit suggeriert. Mit dieser klaren Markenpolitik konnten sich die Darbovens bis heute erfolgreich gegenüber den großen Kaffeekonzernen behaupten. Albert Darboven übernahm 1960 als 24-Jähriger die Führung des Unternehmens. Nach einer kaufmännischen Lehre im Kaffeehandel war er zuvor für einige Jahre nach El Salvador und Costa Rica in den Kaffeeeinkauf gegangen. Das sei schon wichtig gewesen, in den größten Kaffeeanbaugebieten der Welt die Spreu vom Weizen trennen lernen zu können. Wichtiger aber sei ständige Lernbereitschaft, so Darboven.

Kaffeeeinkauf: Wo ein Handschlag noch zählt
Dazu braucht er seine Offenheit gegenüber Neuem und kritische Distanz gegenüber der eigenen Person. Diese Überzeugungen spiegeln nicht nur das Credo einer eigenwilligen Persönlichkeit, sondern zugleich das Ethos einer Branche, wie es sich in mehreren Generationen herausgebildet hat. Scheinbar altmodische Tugenden wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Fairness waren ungeschriebene Gesetze. Ein Handschlag hat für ihn auch heute noch etwas Ehernes, fast Eidhaftes. Alle neuen Schritte möchte Albert Darboven getreu der Familientradition behutsam angehen. Familienunternehmen seien wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland, weil sie eine bedeutende Basis und Stütze für den Mittelstand darstellten. „Sie verfügen auch über eine ganz besondere Unternehmenskultur und -philosophie, die den Mittelstand prägen“, sagt er. Weitsichtig hat er Anteile im Gastronomiebereich gesichert hat. In den 70er und 80er Jahren wurden der Hotel- und Gastronomielieferant Burkhardt & Imhof und die Süddeutsche J. Eilles Kaffee erworben. Mit der Idee, Office-Coffee-Service bearbeitet das Unternehmen seit Anfang 1991 den Markt der Kaffeeversorgung in der Bürowelt. Wer so erfolgreich ist, der bekommt natürlich Übernahme- und Beteiligungsangebote en masse. Der „Zwerg unter Riesen“, wie Darboven seine Marktposition selbst beschreibt, könne alle bekannten Namen der Kaffee-Branche aufzählen. „Sie sind alle dagewesen mit ihren Angeboten“. Und blitzten offenbar ab.

Lokalpatriot spendet Hamburg Brückenportal
Sein Computer ist in einer Holztruhe versenkt. Hier verfolgt Darboven die Kurse der Kaffeebörsen in London und New York. Vom Geschäft will der 72-Jährige noch nicht lassen. Genauso, wie der bekennende Lokalpatriot der Hansestadt als großzügiger Mäzen auftritt. Albert Darbovens Geschenk an „seine“ Stadt Hamburg ist die Neugestaltung der im Krieg zerstörten Portale der Brooksbrücke. Diese Skulpturenportale wurden unter der Schirmherrschaft von Ole von Beust von 2001 bis 2006 vom Bildhauer Jörg Plickat gestaltet. Trotzdem hat schon längst Sohn Arthur Ernesto als geschäftsführender Gesellschafter in der Manager-Etage Platz genommen. Er war davor geschäftsführender Gesellschafter der Burkhof Kaffee GmbH in München, nachdem er als Geschäftsführer der Volcafe AG Group in der Schweiz gearbeitet hatte. Der heute 44-jährige zog bereits nach dem Grundschulbesuch in Hamburg nach El Salvador und besuchte dort die Deutsche Schule in San Salvador. Er wechselte auf eine High School in den USA, lernte Banker bei der Ibero-Amerika Bank, schloss dann ein Studium an der European University (Genf) ab. Hier schloss er mit MBA ab. Note: Magna cum laude.

Führungskultur: Jeden Tag mit allen Mitarbeitern reden
Morgens läuft Arthur, natürlich mit einem Kaffeebecher in der Hand, durch die Firma. „Flurschnacks, mit Händeschütteln im Vorbeigehen, damit sich mein Hirn warm läuft und „Damit ich fühlen kann, wie alle drauf sind“, erzählt der Junior-Chef. Zur Führungskultur der Darbovens gehört es auch, dass Senior und Junior gut zuhören können. „Nicht nur einmal die Woche, sondern jeden Tag spreche ich mit meinen Mitarbeitern, um mit ihnen anstehende Projekte und Entwicklungen zu besprechen. Mein Sohn Arthur E. Darboven lebt diese Tradition und Kommunikation ebenso“, sagt der Patriarch. Schließlich seien 140 Jahren Wissen und Tradition von Generation zu Generation weitergegeben worden. Mittlerweile gehören zwölf Tochterfirmen in acht europäischen Ländern zur Firmengruppe. „Es ist unser Motto „Innovation durch Tradition“, das aus dem Unternehmen das gemacht hat, was es heute ist.“

Thomas Grether
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: J.J. Darboven Holding AG & Co. KG
Gründungsjahr: 1866
Branche: Kaffee, Heißgetränke, Schokolade
Unternehmenssitz: Hamburg
Mitarbeiterzahl: 500
Umsatz 2007: 225 Mio. Euro
Internet: www.darboven.com

Autorenprofil

Thomas Grether ist Gastautor.

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