Freizeit- und Familienpark Mack KG (Ausgabe 1/2009)

Vom Wagenbauer zum größten Freizeitpark Deutschlands

Der Europa-Park Rust gehört zu den umsatzstärksten zehn Vergnügungsparks weltweit und ist zusammen mit Disneyland Paris in Europa Marktführer. Die Familienvergnügungsstätte im Besitz der Familie Mack macht inzwischen auch mit ihren vier Hotels gute Geschäfte

Der Europa-Park Rust gehört zu den umsatzstärksten zehn Vergnügungsparks weltweit und ist zusammen mit Disneyland Paris in Europa Marktführer. Die Familienvergnügungsstätte im Besitz der Familie Mack macht inzwischen auch mit ihren vier Hotels gute Geschäfte. Nur wenige wissen, dass das Unternehmen auch Achterbahnen und andere Attraktionen für die weltweite Konkurrenz baut. Dieses Industrieunternehmen geht bis auf das Jahr 1780 zurück. Gründer: Paul Mack, vor sechster Generation Chef des Familienunternehmens.

Macks Welt muss perfekt funktionieren
Nein, ein Vorstandsvorsitzender eines großen DAX-Unternehmens, diese Rolle passt nicht zu Roland Mack. Wenn er mit seinem Elektrowagen durch den Park kurvt, dann achtet er auch auf die ganz kleinen Details. Das Handy am Ohr, mischt er seinen Laden auf. „Warum sind die Glühlampen ausgefallen?“. Der Maschinenbau-Ingenieur liebt die Perfektion. „Wer leert den Papierkorb?“ Auf alles will der 59-Jährige sofort eine Antwort. Seine Abteilungsleiter müssen spuren, hier schläft keiner ein. Macks Welt muss perfekt funktionieren, er hat sie mit seinem Vater Franz (88) geschaffen, die Familie ist Alleineigentümer. Roland Macks 100 Fußballfelder große Welt ist der Europa-Park Rust, Deutschlands größter Freizeitpark. Innerhalb der EU kann sich nur das etwa 300 Kilometer entfernte Disneyland Paris mit dem badischen Spaßpark messen. Ökonomisch hat Rust die Nase vorn, während der Europa-Ableger des Maus-Konzerns im vergangenen Jahr 43 Mio. Euro Nettoverlust einfuhr. Verdient hat der Europa-Park im vergangenen Jahr gut, vier Millionen Besucher kamen auf das Gelände mit eigener Autobahnausfahrt an der A5 zwischen Freiburg im Breisgau und Offenburg und nahe der Grenze zu Frankreich. Die vier Hotels waren zu 95% ausgelastet. Damit ist Rust der besucherstärkste saisonale Freizeitpark der Welt.

„Spaß ist Schwerstarbeit“

Erfolgreich ist der Freizeitpark auch, weil „keine Investoren in die Firmenpolitik quatschen können“, meint Mack. Das sei der Vorteil von Familienunternehmen, ohne die Deutschland nicht annähernd so erfolgreich sei wie es heute ist. Mack: „Mehr als 80% des Bruttosozialproduktes werden von mittelständischen, meist familiengeführten Firmen erbracht, und nicht von Konzernen“, sagt Roland Mack und geht von seinem Haus in den Garten und von dort direkt über die Grenze zum Park. Immer noch hat er Freude daran, prominenten Besuchern wie unlängst Angela Merkel oder Ex-Kanzler Gerhard Schröder persönlich den Park zu zeigen. Während viele sich in Europas höchster Achterbahn „Silver Star“ ihres nahen Endes sicher sind, sitzt der Chef vorne – und telefoniert. „Spaß ist Schwerstarbeit“, sagt Roland Mack.

Familienunternehmen seit 1780
Dabei hatten die Ursprünge des 1780 gegründeten Familienunternehmens mit Spaß so gar nichts zu tun. Wenn ein Mensch vor 300 Jahren im Schwarzwald gestorben war, dann liefen die Angehörigen einem Erzeugnis der Familie Mack hinterher: dem Leichenwagen, von Pferden gezogen. Erst später wandelte sich das Unternehmen in Waldkirch zum Karussell- und Wagenbauer für Zirkusleute. Paul Mack baute von 1880 an auch Kutschen und Wagen für das damals weit verbreitete Orgelhandwerk. Die gab es auch auf der Kirmes. In einer Zeitungsannonce pries Heinrich Mack 1913 seine „Salon-Wohnwagen“ mit 7,80 Meter Länge „hochachtungsvollst“ der geneigten Leserschaft an. 1921 baute Mack die erste Holzachterbahn. Die ist bis Mitte der 90er Jahre noch gelaufen, in Kopenhagen. Das Geschäft lief und läuft rund. In den 50er Jahren war der Schritt über den Großen Teich geglückt. Disneyland und andere amerikanische Parks gierten nach deutscher Wertarbeit. „Heinrich Mack GmbH und Co. Karussell- und Fahrzeugbau“ hieß das Unternehmen früher, seit drei Jahren „Mack Rides“. Kein Vergnügungspark weltweit, der nicht Dutzende Fahrgeschäfte bei den Macks ordert.

Start des Parks als Testgelände für Achterbahnen
Wenig verwunderlich, denn neben der Innovationsführerschaft, die man bei Macks preist, können bei den Schwarzwäldlern alle Neuheiten Probe gefahren werden. So ist der heutige Europa-Park aus der Idee geboren, Kunden aus Übersee die Achterbahnen im Betrieb zu zeigen. Der eigene Park war zunächst also nur ein Testgelände für Firmenkunden. Als Franz und Roland Mack Anfang der 70er Jahre den Europa-Park gründeten, zweifelten deshalb in Rust viele, ob die „noch ganz sauber“ seien. Ein Vergnügungspark in der Provinz, mit der Grenze nach Frankreich im Rücken, keine Großstadt weit und breit? Viele unkten, schon bald würde der Pleitegeier über dem „Schnakenloch“ zwischen den Altrheinarmen kreisen. Keine Bank wollte zu dem Projekt auch nur eine Mark Kredit geben. Doch der Erfolg strafte alle Kritiker Lügen. Viele Franzosen bevorzugen inzwischen den Europa-Park vor dem europäischen Disney-Ableger. Und das Publikum wird immer internationaler. Seit Mitte 2007 dürfen auf dem „Black Forest Airport“ Lahr Zubringerflüge aus Wien, Rotterdam, London und Manchester landen. Ein Empfangskomitee des Europa-Parks begrüßt die Gäste und chauffiert sie direkt in die Hotels des Vergnügungsparks.

Früh Verantwortung übernommen

Früh schon hatte Roland Mack von Vater Franz mit Mitte 20 Verantwortung und Anteile am Unternehmen bekommen. „Aber manchmal ging mir damals in der Gründerphase die Abnabelung nicht schnell genug“, bekundet er. „Heute weiß ich, es war und ist wichtig, den Rat meines Vaters einzuholen. Das fällt mir jetzt wieder leicht.“ Wenn der Europark in diesem Jahr am 4. April für den Sommer seine Tore öffnet, dann hat Familie Mack wieder 25 Mio. Euro für eine Erweiterung des Geländes um 15 auf 85 Hektar investiert, wozu auch eine neuartige Katapult-Achterbahn (Werbetext: „In 2,5 Sekunden von null auf hundert“) gehören wird.

Nachfolgefrage gelöst: beide Söhne in der Geschäftsführung
Um die Unternehmensnachfolge im Freizeitpark, aber auch beim Achterbahnbaubetrieb zu sichern, sind nun die beiden Söhne Michael (30) und Thomas Mack (28) in die Geschäftsführung aufgerückt. Als Prokurist leitet Michael im Produktionsbetrieb Waldkirch die Bereiche Marketing und Vertrieb, parallel dazu erhält er im Europa-Park Aufgaben im operativen Management. Thomas Mack verantwortet, ebenso mit Prokura ausgestattet, alle Hotels sowie die Gastronomie im Europa-Park. Das könnte einen Vater durchaus mit Stolz erfüllen, doch „mit dem Stolz muss man immer sparsam sein“, meint Roland Mack gegenüber der Unternehmeredition. „Ich bin unglaublich froh, das Glück zu haben, dass sich meine Kinder fürs Unternehmen interessieren, sie eine tolle internationale Ausbildung haben und inzwischen in die Geschäftsführung eingestiegen sind. Das ist wirklich alles andere als normal. Wie viele erfolgreiche Familienunternehmen zerbrechen daran, dass der Übergang in die nächste Generation nicht klappt.“ Doch in so mancher stillen Stunde denkt Mack eigenem Bekunden zufolge, er mache es meinen Söhnen ähnlich schwer, sich zu entwickeln, wie er es damals bei seinem Vater hatte. „Aber das gehört wohl einfach mit dazu in einem Familienunternehmen. Ich bin dankbar für diese Konstellation. Für ein DAX-Unternehmen wäre ich nicht geboren.“

Thomas Grether

Kurzprofil:
Freizeit- und Familienpark Mack KG
Gründung: 12. Juli 1975
Unternehmenssitz: Rust/Baden-Württemberg
Mitarbeiter: ca. 3.000 (saisonabhängig)
Umsatz 2008 (von Branchenkennern geschätzt): knapp 300 Mio. Euro
Internet: www.Europa-Park.de

Autorenprofil

Thomas Grether ist Gastautor.

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