Bernard Krone Holding GmbH & Co. KG

Der Landkreis Emsland ist größer als das Saarland und liegt nördlich von Münster entlang der holländischen Grenze. Zum Emsland gehört die 4.000-Seelen-Gemeinde Spelle. Hier rollen bei Krone jeden Tag die größten und leistungsstärksten Feldhäcksler der Welt aus den Fabrikhallen, angetrieben von zwei 510 PS starken Hightech-Dieselmotoren mit spritsparender Common-Rail-Technik. Bei den Feldhäckslern ist Krone Weltmarktführer. Um nicht von einer Branche allzu abhängig zu sein, baut das Unternehmen neben den monströsen Erntemaschinen auch Sattelauflieger und Anhänger für die Nutzfahrzeugindustrie. Unter dem Dach der Krone-Holding agieren drei Unternehmen für Nutzfahrzeuge, Landtechnik und Handel mit Landtechnik. Und mit den drei Standbeinen verdient das niedersächsische Familienunternehmen in diesen Tagen prächtig.

Sicherheit durch Diversifikation

„Der Fahrzeugbau konnte in schwierigen Zeiten unser Geschäft mit der Landwirtschaft auffangen, und umgekehrt war es genauso“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Bernard Krone. „Unsere Erfahrung lehrt uns, dass Diversifikation für größere Sicherheit steht“, äußert Krone. So hat sich das Fahrzeugwerk Bernard Krone GmbH zum zweitgrößten Hersteller von Lastwagenanhängern und Sattelaufliegern in Europa entwickelt. Größer ist nur Wettbewerber Schmitz Cargobull.

Bernard – ein Vorname mit Tradition

Im vergangenen August hat der heute 34-Jährige als Vertreter der vierten Generation die Führung übernommen. Bernard Krone hießen bisher alle Chefs des 1906 als Dorfschmiede gegründeten Unternehmens; der Vorname hat Tradition. Deshalb wird der jüngste Krone-Chef intern auch BK4 genannt. Nur der Firmengründer schrieb den Vornamen Bernhard mit „h“. Seit BK2 hieß es nur noch Bernard. Zur Familientradition gehört auch, dass immer nur ein Familienstamm Eigentümer des Unternehmens ist. Eine ältere Schwester des jetzigen Chefs erhielt eine Abfindung, die andere führt den Landmaschinenhandel und das gegenüber dem Firmengelände gelegene Hotel. BK4 übernahm 2005 im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge 90% der Anteile des Unternehmens, sein heute 70jähriger Vater hält noch 10%. Der neue geschäftsführende Gesellschafter ist dem Emsland eng verbunden. Als er neuen CEO befördert wurde, dachte sich sein Vater etwas Besonderes Gag aus: Er engagierte Circus Krone, der auf dem Gelände von Krone eine Sondervorstellung gab. In der kurzen Laudatio wünschte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes deutscher Automobilhersteller (VDA) und ehemaliger Verkehrsminister, dem jungen Krone-Chef, dass er sich den Leitspruch seines Vaters zu eigen mache: „Viele warten, dass die Zeit sich wandelt, die Firma Krone handelt.“ Privat führen die Krones aber ein eher unauffälliges Leben. Im Sommer fährt Bernard Krone Junior zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern alljährlich nach Sylt. Als großer Fan des Fußballvereins Borussia Mönchengladbach schaut er sich Heimspiele zusammen mit Freunden oft im Stadion an.

Fabrik als Abenteuerspielplatz für den Filius

Sein Vater, Dr. Ingenieur ehrenhalber Bernard Krone, hat den Filius gut auf die Unternehmensnachfolge vorbereitet. „Zunächst ging das ganz spielerisch“, berichtet der heutige Firmenchef. „Für mich und meine Schwestern war die Fabrik, direkt vor der Haustür, der schönste und spannendste Abenteuerspielplatz der Welt. Oft haben wir meinen Vater begleitet, wenn er durch das Werk ging und mit Mitarbeitern und Kunden sprach. So hatte ich schon als Kind das Gefühl: Das ist ein toller Job, den mein Vater hat.“ Und so sei es auch überhaupt keine Frage gewesen, ob er das Familienunternehmen übernehmen wolle. Nach der Schule absolvierte BK4 zunächst eine Lehre als Industriemechaniker, danach hospitierte er bei Krone-Tochterunternehmen in Irland und Nordamerika. Dem folgte ein duales Studium (Theorie und Praxis der BWL) und ein Beraterjob bei der Karlsruher Technologie Management Gruppe (TMG). Anfang 2007 trat er in das Familienunternehmen ein und übernahm eine Geschäftsführerposition in der Krone Holding. Krones Vater ist 70 Jahre alt und hat aus der kleinen Landmaschinenfabrik seines Vaters in vier Jahrzehnten eine Unternehmensgruppe geformt, die heute Umsatzmilliardär ist und 2.200 Menschen beschäftigt. Krone Senior ist im Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) seit 2004 einer von drei Vizepräsidenten. Er hat sich nie gescheut, den Rat externer Berater zu suchen. Schon vor zwölf Jahren richtete er einen Beirat mit familienfremden Beratern ein. Für einen Patriarchen eines mehr als 100 Jahre alten Familienunternehmens ist das nicht selbstverständlich. Denn der Beirat mischt sich in die inneren Angelegenheiten der Firma ein. Er lässt sich regelmäßig die Finanzplanung vorlegen, diskutiert die Produkt-Politik und personelle Entwicklungen und redet sogar bei der Nachfolge mit. Anfang der 80er Jahre, als der Umsatz stagnierte und der Gewinn immer mehr schrumpfte, griff Krone Senior eines Tages zum Hörer und rief bei der Boston Consulting Group an. „Ich spürte, dass irgendetwas nicht stimmte, aber ich wusste nicht, was.“ Die Unternehmensberater trennten die beiden Standbeine Fahrzeugwerke und Maschinenfabrik und empfahlen, die Fertigungstiefe zu verringern, das heißt, möglichst viele Baugruppen und Dienstleistungen bei Zulieferern einzukaufen. Achsen, Federn und Bremsanlagen produziert Krone seitdem nicht mehr selbst.

Viele Fertigungsschritte ausgelagert

Früh hat Krone Senior sich zu schlanken Fertigungsprozessen durchgerungen. Auch in der Landmaschinenproduktion am Heimatstandort Spelle hat er Pressen und Stanzen abgeschafft, hat viele Fertigungsschritte an Zulieferer ausgelagert. Nur noch Getriebe und Zahnräder werden bei Krone selbst hergestellt. „Wir sind eigentlich ein reines Lackier- und Montagewerk“, sagt er. Die Produkte von Krone genießen unter Landwirten und Spediteuren höchstes Ansehen. Nicht wenige kaufen sich im „Krone Shop“ den Miststreuer „Krone Optimat“ im Format eins zu 16 oder den Riesenlaster „Giga Liner“ für die Vitrine im Wohnzimmer.

Treue Mitarbeiter seit vier Generationen

Die Krones beanspruchen für sich allerhöchste Qualität. Damit das so bleibt, will der neue Krone-CEO ein „anfassbarer“ Chef bleiben und sich, wie sein Vater, oft in den Werkshallen blicken lassen. Auch der neue Chef kennt sehr viele seiner Mitarbeiter persönlich. „Wir leben den Begriff Familie“, sagt er. „Man sorgt und kümmert sich umeinander, das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist nicht nur ein rechtliches Miteinander, sondern auch ein Menschliches. Bei Krone gibt es Mitarbeiter, deren Familiennamen seit vier Generationen auf der Lohn- und Gehaltsliste stehen.“ Die Arbeiter und Angestellten jedenfalls haben derzeit gut zu tun. Krone baut an: Kräne drehen sich über den Maschinenhallen. Zusätzliche Montage- und Schulungsgebäude werden errichtet. Der Bereich Landmaschinentechnik profitiert mit seinen Feldhäckslern vom Trend zu Bioenergie. In Osteuropa und Russland hat sich Krone neue Kundengruppen erschlossen. Dort haben die Bauern gut verdient und deshalb in neue Maschinen investiert. Auch australische Landwirte gehören zu den Kunden des Unternehmens im Emsland. In den großen TV-Kanälen in „Down Under“ läuft zurzeit ein Werbefilm. Ein Australier in Lederhosen stellt klar, wie die Produktivität der Farmer mit den Pressen von Krone steigt. Bauern auf dem fünften Kontinent, die jetzt, im Aktionszeitraum, eine Maschine bestellen, schenkt der Hersteller einen kostenlosen Trip nach Deutschland – inklusive Krone-Werksbesichtigung in Spelle.

Thomas Grether
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Bernard Krone Holding GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1906
Branche: Landmaschinen, Nutzfahrzeuge, Handel mit Landmaschinen
Unternehmenssitz: Spelle (Niedersachsen)
Mitarbeiterzahl: 2.200
Umsatz 2011: 1,31 Mrd. EUR
Internet: www.landmaschinen.krone.de

Autorenprofil

Thomas Grether ist Gastautor.

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