Die Produkte von Perlon finden in den verschiedensten Branchen Anwendung, z.B. in der dekorativen Kosmetik zur Herstellung von Mascara-Bürsten.

Die Perlon-Gruppe produziert synthetische Filamente, also Fasern für industrielle Anwendungen z.B. in der Papierindustrie als auch in anderen Branchen: von Dentalfasern über Angelschnüre bis hin zu Tennissaiten. Durch mehrere strategische Schritte hat sich die Gruppe zum weltweit führenden Hersteller in diesem Bereich aufgeschwungen. Nach der Fusion von PerlonNextrusion und der Akquisition von Hahl-Pedex treibt die Perlon Gruppe nun ihre Internationalisierungsstrategie mit einem Werk in China voran.

Binnen zehn Jahren hat Perlon mithilfe des Investors Serafin eine international aufgestellte Unternehmensgruppe mit Standorten in Deutschland, USA und China sowie Kunden in aller Welt aufgebaut. Spezialisiert ist die Perlon-Gruppe auf die Herstellung von synthetischen Filamenten bzw. Endlosfasern für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche. Ein großer Schwerpunkt liegt auf sogenannten Monofilen aus Polyester, Polyamid, PPS und anderen Polymeren. Sie werden zur Weiterverarbeitung vor allem für die Bespannung von Papiermaschinen eingesetzt, genauso aber auch für die Herstellung von Schiffstauen, Angelschnüren, Tennissaiten oder Filtrationsgeweben u.a. für die Nahrungsmittelindustrie und viele weitere textiltechnische Anwendungen. Strategisch wichtig ist für Perlon dabei die Bündelung der Kompetenzen bei den unterschiedlichsten Fasern, um die Nachfrage von Kunden weltweit mit Produkten befriedigen zu können.

Produktion bei Perlon: Das Unternehmen produziert synthetische Garne in Werken in Deutschland, USA und China.

China stand bereits früh auf der Wunschliste

„Der Start der Story erfolgte 2010 mit dem Einstieg von Serafin in eine Produktion von Papiermaschinenbespannungen und technischen Textilien in Bobingen bei Augsburg“, erinnert sich Kamil Grzelak, einer der Geschäftsführer bei Serafin, an den Einstieg bei Nextrusion. Die in München ansässige Serafin investiert in mittelständische Unternehmen mit Industrieschwerpunkt, wobei die aktuell im Portfolio tätigen Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden einen Umsatz von über 900 Mio. EUR erwirtschaften. Schon beim Einstieg bei der Nextrusion GmbH für das Geschäftsfeld technische Textilien sei eine Wachstums- und Internationalisierungsstrategie diskutiert worden, um Kundennähe zu schaffen. „Denn die Unternehmen, die die Produkte abnehmen, sind global aufgestellt“, bemerkt Grzelak und meint damit auch große Unternehmen in China. Der Aufbau einer Produktion in China war deshalb bereits früh in Überlegungen eingeflossen, auch wenn eine zeitnahe Umsetzung nicht auf der Tagesordnung stand. 2014 folgte dann der strategische Zukauf der Perlon-Monofil GmbH, einer ehemaligen Tochtergesellschaft der LANXESS AG; 2015 wurde das Filamentsegment durch den Erwerb der Hahl-Pedex-Gruppe von einem Finanzinvestor ausgebaut.
„Hahl-Pedex brachte komplementäre Produkte in den Verbund und das Umsatzvolumen stieg auf mehr als 115 Mio. EUR“, erläutert Grzelak. Für alle drei Unternehmen habe das Management gewissermaßen latent über eine Produktion in China nachgedacht, angesichts der relativ kleinen Einheiten sei die Umsetzung aber nicht machbar gewesen:

Kamil Grzelak, Geschäftsführer bei Serafin

„Erst die Schaffung der Gruppe hat die Basis für ein Engagement in China gelegt“,

stellt Grzelak fest, da die einzelnen Unternehmen nicht genügend groß für einen solchen Schritt waren.

Diesen Schritt hätte man nach der Bildung der Gruppe dann auch unverzüglich angegangen, unterstreicht Perlon-CEO Florian Kisling, zumal die Kunden der Gruppe mehr denn je globale Konzerne sind – auch aus China. Durch die Akquisition der Hahl-Pedex-Gruppe war schon ein Produktionsstandort in den USA hinzugekommen, „umso dringender haben wir nach Asien geschaut“. 2016 gelang es dann, ein kleines Unternehmen in China zu kaufen.
„Es ging nicht darum, Produktionskosten zu senken und zurück nach Europa zu liefern“ , so Kisling, sondern vorrangiges Ziel sei es gewesen, nah bei den Kunden zu produzieren. Mit dem Standort in Haining gelang die Ansiedlung mitten in einem Textilcluster, was zur Folge hatte, dass sich geeignete Mitarbeiter leicht rekrutieren ließen.

Umzug in neues Produktionsgebäude

Der Standort der Perlon-Gruppe in China wächst stark. Mittlerweile ist das Unternehmen in ein neues Produktionsgebäude umgezogen.

Für den erfolgreichen Auf- und Ausbau des Standorts war es sehr hilfreich, dass Führungskräfte aus Deutschland, teils auch mit chinesischen Sprachkenntnissen, nach China gebracht werden konnten. Sehr förderlich war ebenfalls, dass Perlon mit der Stadt Haining übereinkam, in ein neues Gebäude in einem Industriepark zu übersiedeln, das im „Build-to-suit-Verfahren“ passgenau für Perlon erstellt wurde. Die Zusammenarbeit mit der Lokalregierung sieht Kisling dabei als sehr positiv:
„Es ist anders als in Deutschland, und es gibt auch Auflagen, die über die deutschen Standards hinausgehen; z.B. mussten wir im Keller Ladestationen für Elektroroller zur Verfügung stellen.“
Mittlerweile läuft das Werk nach vier Monaten Umzugsphase in voller Produktion; neue Produktionsanlagen werden stetig installiert, „da wir uns auf Wachstumskurs befinden“.
90% der Produktion werden in China verkauft und dort verarbeitet, der verbleibende Teil findet Abnehmer in Asien.

Voraussetzung für den Erfolg in China sei dabei laut Kisling die Stärke von Perlon, Unternehmen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Kulturen gut zu integrieren, „denn die sprachlichen und kulturellen Barrieren sind erheblich“.
Eine anfängliche Skepsis der deutschen Belegschaft gegenüber dem China Invest ist nach den Beobachtungen Kislings durch eine sehr offene Kommunikationspolitik „schnell gewichen“. Das Unternehmen wachse zusammen, da immer wieder chinesische Mitarbeiter in Deutschland fortgebildet und regelmäßig deutsche Mitarbeiter nach China entsendet würden. Es habe sich ein Austausch etabliert. „Wir verstehen uns als Gruppe und leben das auch.“ Die Gewinne, die in China erzielt werden, bleiben in Asien und werden dort investiert; ein gemeinsames Hedging von Währungsschwankungen über die Serafin-Gruppe gibt es nicht. „Alle Unternehmen in unserem Portfolio sind eigenständig. Dort, wo es sinnvoll ist, versuchen wir, Wissenstransfers sicherzustellen; eine gemeinsame Währungsabsicherung aber gibt es nicht“, erläutert Grzelak.

Fazit

Die Belieferung chinesischer Kunden aus chinesischer Produktion bringt Vorteile auf allen Ebenen: Kosten, Reaktionszeiten, Kundennähe – der Erfolg des stark wachsenden Standorts in Haining spricht für sich. Deutlich wird, dass Unternehmen den Gang nach China aber nicht zu früh antreten dürfen, sondern zunächst eine kritische Unternehmensgröße erreichen müssen, um die Expansion nach China stemmen zu können.


Kurzprofil PERLON® GROUP

Gründung: 2010 (Einstieg Serafin)
Branche: Technische Textilien
Unternehmenssitz: Munderkingen, Bobingen
Mitarbeiter: 860
Umsatz 2018: ca. 150 Mio. EUR
Internet: www.perlon.com