„Wir waren alle begeistert“

Zwei Wochen lang dürfen Asylsuchende mit unsicherem Aufenthaltsstatus ein unentgeltliches Praktikum machen – dann schlägt der Mindestlohn zu. Für viele Unternehmen zu teuer, auch wenn sie gerne helfen würden. So war es auch bei der Lackiererei Schleich in Unterfranken. Jetzt freut sich Firmenchefin Daniela Schleich auf einen neuen Auszubildenden ab nächsten September. 

Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Ja, ab und zu kommt er mit seinem Fahrrad vorbei (lacht). Mittlerweile kann er sich auch schon ein wenig unterhalten – darauf ist er natürlich stolz. Ein sehr netter, höflicher junger Mann.

Die Politik sieht die Chance junger Flüchtlinge vor allem darin, den Fachkräftemangel im Handwerk zu beheben. Sehen Sie das auch so?

Ich glaube schon, allerdings erst in sechs bis acht Jahren. Außer in Einzelfällen, wenn die jungen Leute bereits die Sprache beherrschen und aushelfen können. Aber auch dann kann man sie noch auf keine Fachschulung schicken, das ist zu speziell. In drei bis vier Jahren werde ich aber auf die Arbeitsämter zugehen und mich erkundigen. Ich denke, dann kann man auf sie zugreifen.

Warum ist die Caritas speziell auf Ihren Betrieb gekommen? 

Wir sind in der Region bekannt dafür, neue Dinge auszuprobieren, etwa bei der Azubisuche. Andere Werkstätten wurden auch gefragt, denen war aber die intensive Betreuung zu viel. Viele haben auch Angst vor den Reaktionen ihrer Kundschaft. Sie wollen sich in der Flüchtlingsfrage auf keine Seite schlagen – selbst wenn sie ihr gegenüber positiv eingestellt sind. Vor allem Unternehmen in ländlichen Gegenden tun sich da schwerer. Auch ich habe sehr unterschiedliche Reaktionen erhalten. Das ging bis zu dem Vorwurf, einem deutschen einen Praktikumsplatz wegzunehmen. Die Beschimpfungen waren teilweise erschreckend.

Was raten Sie Unternehmen, die mit Flüchtlingen in Kontakt treten wollen?

Ich würde eine Beschäftigung immer ausprobieren, zumindest für eine Woche. So können sich beide Seiten unverbindlich kennenlernen. Ich habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht – allerdings hatte ich auch nur einen Flüchtling als Praktikanten, mit dem ich mich nicht richtig unterhalten konnte. Eine gewisse Vorsicht muss man den Unternehmen schon zugestehen. Doch wer es nicht versucht, kann es auch nicht dagegen sein.