Der Markt für die Autozulieferindustrie befindet sich im Umbruch. Alternative Antriebe gewinnen an Bedeutung. Wie ElringKlinger darauf reagiert und wie Veränderungen im Unternehmen finanziert werden sollen, erklärt Finanzvorstand Thomas Jessulat.

In den vergangenen beiden Jahren sackte der Kurs der ElringKlinger-Aktie ab. Zuletzt erholte er sich wieder etwas. Vor allem Ihr Werk in der Schweiz machte Probleme.

Wir sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen und haben den Umsatz auf mehr als 1,5 Mrd. Euro verdreifacht. In der Schweiz haben wir dem starken Wachstum nicht genug Rechnung getragen. Unsere Produktionskapazitäten waren zu knapp, um die Kundenanforderungen zu erfüllen.

Wie hätten Sie es besser machen müssen?

Wir haben zu viele Aufträge für die bestehenden Kapazitäten angenommen und hätten früher zusätzliche Kapazitäten schaffen müssen. Aber eine Rückgabe der Aufträge war für uns keine Option. In der Automobilindustrie kommt es nicht gut an, Aufträge anzunehmen und diese dann nicht erfüllen zu können.

Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Wir wollen weiterhin langfristig wachsen, vor allem in zukunftsträchtigen Bereichen. Unser Ziel war es, jährlich zwischen fünf und sieben Prozent zuzulegen. Vor einigen Jahren konnten wir das noch locker behaupten. Allerdings hat sich der Markt verändert und wird in Zukunft voraussichtlich nicht mehr so stark wachsen.

Wie lang müssen Sie noch in Produkte für alternative Antriebe investieren, damit sich das Geschäft amortisiert?

Das hängt vor allem davon ab, wie sich die Nachfrage der Kunden entwickelt. Die Hersteller sind momentan dabei, sich für Nachfolgeentwicklungen der Euro-6-Norm aufzustellen. Sie legt die aktuelle Ausstoßgrenze fest. Die große Frage ist, wann eine Verschärfung durch die Großstädte für eine weitere Norm folgt.

Dann hängt alles an der Politik?

Vieles, ja. Die Prämie für Elektroautos war bislang nicht sehr erfolgreich. Interessant wird es ab 2020. Dann werden sehr viele neue Modelle auf den Markt kommen. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage zumindest nach Hybridfahrzeugen deutlich ansteigt. Für uns wäre diese Entwicklung attraktiv, weil der Anteil unserer Produkte im Fahrzeug dadurch steigen könnte. Bei den Elektroantriebssystemen steht bei uns nicht die breite Masse, sondern die attraktive Nische im Vordergrund.


JessulatZur Person:

Seit Januar 2016 ist Thomas Jessulat Finanzvorstand bei der ElringKlingerAG. Seine Karriere startete er bei der Daimler-Benz Aerospace AG in Ulm. 2005 stieg er bei ElringKlinger als Leiter Beteiligungen ein. Wie andere Zulieferer auch erwirtschaften die Schwaben aus Dettingen an der Ems den Großteil der Erlöse mit Bauteilen für den klassischen Verbrennungsmotor. Künftig will das Unternehmen vor allem in der Batterietechnologie und der Brennstoffzelle Fuß fassen.

www.elringklinger.com