„Irgendwann wird die Gurke Feinkostartikel sein“

Markus Belaschk (© Spreewaldverein)
Muss sich mit Mindestlohn behaupten: Gurkenbauer Markus Belaschk.

Die Gurke gehört zum Spreewald wie die Weißwurst zu München. Doch das saure Original ist in Gefahr: Der Mindestlohn macht Bauern und Herstellern zu schaffen. Das Familienunternehmen Rabe aus Lübbenau produziert in der fünften Generation Gürkchen und andere regionale Köstlichkeiten. Die Preissteigerung zwingt es zum Umdenken.

Unternehmeredition: Herr Belaschk, was hat sich seit der Einführung des Mindestlohns bei Ihnen verändert?

Belaschk: Mich als Betrieb stört der Mindestlohn ja gar nicht so sehr – den habe ich meinen Angestellten sowieso schon gezahlt. Direkt betroffen ist die Landwirtschaft, weshalb sich die Rohwarenpreise stark verteuert haben. Bei einem handgepflückten Produkt wie der Gurke ist der Lohnkostenanteil am Endprodukt sehr hoch. Und da wir im Spreewald sind und Spreewaldgurken herstellen, können wir jetzt nicht einfach die Gurken von irgendwo anders billig aus dem Ausland zukaufen.

Das heißt für Sie konkret?

Für uns bedeutet das natürlich eine Verminderung der Konkurrenzfähigkeit – wir haben ja nicht nur Wettbewerber im Inland, die auch dem Mindestlohn unterliegen. Wir konkurrieren auch mit Importen aus dem Ausland, also mit Gemüsekonserven aus der Türkei, Vietnam, Indien und Osteuropa. Die haben natürlich keinen Mindestlohn, und ja: Der Deutsche möchte sein Gemüse eben sehr preiswert einkaufen. Das macht uns natürlich zu schaffen.

Sie rechnen mit einer 60-prozentigen Verteuerung der Rohware, das wirkt sich auch auf Ihre Preise aus – wie kommt das bei den Kunden an?

Wir müssen die Kostensteigerung irgendwie durchreichen. Die Handelsketten sind unsere größten Kunden, und die legen das auf den Verbraucher um. Letztendlich entscheidet er, ob es ihm wert ist, das deutsche, regionale Produkt zu kaufen. Das Problem ist, dass die Schere zwischen dem Preiseinstieg und der deutschen Markenproduktion immer größer wird. Irgendwann ist ein Teil der Verbraucher nicht mehr bereit, diesen Mehrpreis zu bezahlen und greift dann doch eher zum Billigprodukt – selbst wenn die Qualität der deutschen Produkte besser ist.

Zu behaupten, der Mindestlohn kam komplett aus dem Nichts, wäre falsch – war die Branche schlecht vorbereitet?

Den Preis im Vornherein langsam zu erhöhen ist nicht möglich. Die Handelsketten üben einen großen Preisdruck aus. Wir kalkulieren ja nicht nur im Cent-, sondern im Zehntel-Cent-Bereich. Mit den Handelsketten wird wirklich bis aufs Messer verhandelt – die sind allmächtig, gerade gegenüber so einem kleinen Mittelständler wie uns. Unsere Marktmacht ist minimal – wir können zufrieden sein, wenn wir überhaupt noch schwarze Zahlen schreiben.