Wie Pilze schießen dm-Filialen aus dem Boden. Allein im abgelaufenen Geschäftshalbjahr hat die Drogeriemarktkette in Deutschland 42 neue Märkte eröffnet. Doch der Markt ist stärker umkämpft denn je. Im Interview spricht Geschäftsführer Erich Harsch über Konkurrenten, Kollegen und eine prägende Besprechung unter Geschäftsführern.


„Unser Investitionskurs und die Gewinnerwartungen potenzieller Aktionäre schließen sich einfach aus.“

Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung bei dm


Der dm-Gründer Götz Werner ist bekannt für seine fast revolutionären Ideen zum Sozialstaat. Der dm-Konzern gilt bis heute als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber. Gleichzeitig sind Gehälter ein entscheidender Preisfaktor. Wie geht das zusammen?

Für uns ist wichtig, nicht von Personal zu sprechen, sondern von Mitarbeitern und Kollegen. Gehälter sehen wir entsprechend nicht als Kostenfaktor, sondern als Leistungsermöglicher. Das Einkommen ist also ein wichtiger Produktionsfaktor, damit motivierte Mitarbeiter eine gute Leistung bringen. Andererseits gibt es aber auch begrenzende Faktoren, um gegenüber dem Wettbewerb keinen Nachteil zu haben. Tendenziell sollen die meisten Mitarbeiter bei uns etwas mehr als den Tariflohn verdienen. Nach guten Geschäftsjahren schütten wir zusätzlich Warengutscheine in gleicher Höhe an alle Mitarbeiter aus, sodass Kollegen mit einem geringen Gehalt relativ gesehen mehr bekommen.

Der dm-Konzern ist nach wie vor eine GmbH & Co. KG. Bei Ihrem Wachstumskurs und dem Investitionsvolumen käme auch ein Börsengang in Betracht. Denken Sie über so etwas nach?

Das war bisher kein Thema, weil wir großen Wert auf die Selbststeuerung legen. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld würden uns die Banken sogar mehr Kredite geben, als wir brauchen. Abgesehen davon wollen wir uns aber auch nicht den Gesetzen der Aktienmärkte unterwerfen, sondern weiter an den Kundenwünschen orientieren. Unser Investitionskurs und die Gewinnerwartungen potenzieller Aktionäre schließen sich einfach aus. Dazu eine Anekdote: Im Jahr 1992 bin ich in die Geschäftsleitung von dm eingestiegen. In einer Besprechung, in der es um die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr ging, hat sich Götz Werner darüber aufgeregt, dass wir zu viel Gewinn veranschlagt haben. Für ihn war nämlich klar, dass wir zu wenig in die Zukunft investiert hatten. Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geprägt.


Zur Person

Im Mai 2008 übernahm Erich Harsch den Vorsitz der dm-Geschäftsführung von Firmengründer Götz Werner, der seitdem im Aufsichtsrat sitzt. Bereits 35 Jahre arbeitet der gebürtige Österreicher Erich Harsch bei dm. Seit 1992 ist er Mitglied der Geschäftsführung. Zugleich verantwortet er rund 200 dm-Märkte in Süddeutschland. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete der Konzern in über 5.000 Filialen europaweit einen Umsatz von rund 9,1 Mrd. Euro. Bei dm sind 55.000 Mitarbeiter beschäftigt.
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