„Ich wollte den Finanzinvestor ablösen“ (Ausgabe 2/2008)

Interview mit Dr. Christine F. Kreiner, Serial EntrepreneurinChristine Kreiner ist Spezialistin für Ophthalmologie und Dermatologie – Augen- und Hautheilkunde. In diesem Bereich gründete sie Ende der 90er Jahre die Firma Acri-tec GmbH.

Christine Kreiner ist Spezialistin für Ophthalmologie und Dermatologie – Augen- und Hautheilkunde. In diesem Bereich gründete sie Ende der 90er Jahre die Firma Acritec GmbH. Mit Hilfe von Mezzanine-Kapital löste Kreiner schließlich einen beteiligten Finanzinvestor ab, um als alleinige Inhaberin ohne Druck einen passenden Käufer zu suchen. Der fand sich in der Jenaer Carl Zeiss Meditec AG. Im Interview spricht die Münchner Unternehmerin über die Vorteile und Anforderungen von Mezzanine-Kapital.

Unternehmeredition: Frau Dr. Kreiner, Sie haben für die Komplettübernahme der Acritec-Anteile Mezzanine-Kapital verwendet. Was sprach für dieses Finanzierungsinstrument, was sprach gegen den klassischen Kredit oder VC-Mittel?
Kreiner: Eine Mezzanine-Finanzierung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Ihr Unternehmen ein gutes Rating hat. Denn davon hängen die Zinsen ganz wesentlich ab. Ich wollte 100-prozentige Besitzerin von Acritec werden, um frei agieren zu können und eigenständig einen Investor zu suchen. Es ging also weniger um die Frage der Liquidität als vielmehr darum, das weitere Wachstum zu finanzieren. Daher kam ein Kredit nicht in Frage – und ich wollte den Finanzinvestor ablösen, Biotech Venture der Sparkasse Hannover, der 2002 in Acritec eingestiegen war. Sonst hätte ich ab 2006 einen Verkauf akzeptieren müssen – und das Heft nicht selbst in der Hand gehabt.

Unternehmeredition: Sie sagten einmal, bei dieser Finanzierungsform seien Sie „zum Erfolg verdammt“ gewesen. Warum?
Kreiner: Sie müssen sich, wie bei jeder anderen Finanzierungsform auch, den Kapitaldienst leisten können und in die Planung einbeziehen. Zudem werden Sie jährlich neu gerated – und wenn sich das Rating verschlechtert, werden höhere Zinsen fällig. Gute Ergebnisse sind also ratsam.

Unternehmeredition: Bis zum Verkauf an die Zeiss Meditec haben Sie Ihr „Baby“ Acritec zehn Jahre großgezogen – ebenso lange wie Ihr erstes Unternehmen, die Adatomed. Ist dieser Zeithorizont Strategie – oder hätten Sie Acritec auch weitergeführt?
Kreiner: Es ist eine Art Kreislauf: Sie brauchen eine gewisse Größe, um für strategische Investoren überhaupt interessant zu sein. Acritec als kleiner Mittelständler mit 150 Mitarbeitern und gut 20 Mio. Euro Umsatz 2007 konnte sich am Markt gegen die wesentlich größeren Konzerne nur durch die kontinuierliche Entwicklung innovativer Produkte behaupten. Es ergibt sich zwangsläufig, dass mit zunehmender Größe des Unternehmens weitere Finanzmittel erforderlich werden. Allerdings war es wichtig, aus den vielen Anfragen und Angeboten in Ruhe den richtigen Partner auszuwählen, mit dem ich meine Vorstellungen umsetzen konnte. Eine Voraussetzung für den Verkauf war, dass der Standort in Hennigsdorf erhalten bleibt. Hätte es mit Zeiss nicht geklappt, wäre auch ein Börsengang eine Alternative gewesen.

Unternehmeredition: Neben Ihrer dritten Firma, der Skin und Vision Technologies AG, arbeiten Sie mit Zeiss Meditec an einem weiteren Projekt, einer Art wissenschaftlichem ThinkTank. Ist das Gründen für Sie ein Reiz an sich?
Kreiner: Die erste Firma entstand ausschließlich aus dem Wunsch heraus, mich selbst zu verwirklichen und nicht mehr in hemmenden Konzernstrukturen gefangen zu sein. Mittlerweile macht das Gründen aber durchaus Spaß – zumal es mit einer gewissen Erfahrung leichter fällt, man die Fallstricke und Fallen kennt. Das ist mitunter wie beim Schachspiel – ich behaupte mal, heute kann mir keiner mehr etwas vormachen.

Unternehmeredition: Frau Dr. Kreiner, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lars Radau.

Zur Person: Dr. Christine Kreiner
Dr. Christine Kreiner ist Serial Entrepreneurin: 1985 gründete die promovierte Chemikerin ihre erste Firma, die auf augenchirurgische Produkte spezialisierte Adatomed. Ende der 90er Jahre folgte Acritec, die an die Carl Zeiss Meditec AG verkauft wurde. Die Teile von Acritec, die Zeiss nicht ins Portfolio übernahm, sind Grundlage von Kreiners dritter Firmengründung, der Skin und Vision Technologies AG. www.skin-vision.eu

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